Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­er­stat­tung

Über eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nach einer Erle­di­gungs­er­klä­rung des Beschwer­de­füh­rers nicht mehr zu ent­schei­den 1. Ver­fah­rens­ge­gen­stand ist dann ledig­lich noch der Antrag des Beschwer­de­füh­rers auf Erstat­tung sei­ner not­wen­di­gen Aus­la­gen. Die Ent­schei­dung dar­über obliegt der Kam­mer (§ 93d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG).

Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­er­stat­tung

Gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Erle­di­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die vol­le oder teil­wei­se Erstat­tung der dem Beschwer­de­füh­rer ent­stan­de­nen Aus­la­gen anord­nen. Über die Erstat­tung ist unter Gesamt­wür­di­gung aller bekann­ten Umstän­de nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den. Dabei kommt mit Blick auf die Funk­ti­on und Trag­wei­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen eine sum­ma­ri­sche Prü­fung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de regel­mä­ßig nicht in Betracht 2. Eine Erstat­tung kann aus Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten aller­dings dann ange­ord­net wer­den, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bei über­schlä­gi­ger Beur­tei­lung offen­sicht­lich Aus­sicht auf Erfolg gehabt hät­te und im Rah­men der ledig­lich kur­so­ri­schen Prü­fung zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fels­fra­gen nicht Stel­lung genom­men zu wer­den braucht 3.

Nach die­sen Maß­stä­ben schied im hier ent­schie­de­nen Fall die Anord­nung einer Aus­la­ge­n­er­stat­tung aus: Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de war bereits unzu­läs­sig, weil der Rechts­weg nicht erschöpft war (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG). Der Beschwer­de­füh­rer erhob die Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor der Ent­schei­dung des Land­ge­richts über die ein­ge­leg­te Anhö­rungs­rü­ge. Er hat kei­ne Grün­de dafür vor­ge­tra­gen, dass ihm bei Erschöp­fung des Rechts­wegs ein schwe­rer und unab­wend­ba­rer Nach­teil ent­stün­de (§ 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG).

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. März 2019 – 2 BvR 262/​19

  1. vgl. BVerfGE 7, 75, 76; 85, 109, 113[]
  2. vgl. BVerfGE 85, 109, 115; 87, 394, 398; 133, 37, 38 Rn. 2; BVerfG, Beschluss vom 09.02.2017 – 1 BvR 309/​11 2; Beschluss vom 02.05.2017 – 2 BvR 572/​17 2[]
  3. vgl. BVerfGE 85, 109, 115 f.; 133, 37, 38 f.; BVerfG, Beschluss vom 21.09.2017 – 2 BvQ 40/​17 3; Beschluss vom 19.12 2016 – 2 BvR 1490/​16 9; Beschluss vom 25.01.2018 – 2 BvQ 49/​17 3[]