Die erle­dig­te Ver­pflich­tungs­kla­ge – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für die Statt­haf­tig­keit einer der Ver­pflich­tungs­kla­ge nach­fol­gen­den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist der Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses; zu berück­sich­ti­gen sind daher nur Ände­run­gen, die bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens ein­ge­tre­ten sind.

Die erle­dig­te Ver­pflich­tungs­kla­ge – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts1, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 04.12 2014 – 4 C 33.13 – bestä­tigt hat, ist ein Fest­stel­lungs­an­trag als Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag ent­spre­chend § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO statt­haft, wenn sich ein Ver­pflich­tungs­an­trag vor der gericht­li­chen Ent­schei­dung erle­digt hat und der Fest­stel­lungs­an­trag im Hin­blick auf die Rechts­la­ge im Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses (genau­er: im Zeit­punkt unmit­tel­bar vor Ein­tritt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses) gestellt wird.

Damit über­ein­stim­mend hat das Bun­des­ver­wal­t­uns­ge­richt in sei­nem Urteil vom 24.01.19922 – in einem obiter dic­tum – die „Fest­stel­lung, dass die Wei­ge­rung der Behör­de, den bean­trag­ten Ver­wal­tungs­akt … zu erlas­sen, die Rechts­ord­nung ver­letzt”, aus­drück­lich als „Bestand­teil des Streit­ge­gen­stan­des der Ver­pflich­tungs­kla­ge” und damit als Gegen­stand einer statt­haf­ten Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge qua­li­fi­ziert.

Maß­geb­li­cher Beur­tei­lungs­zeit­punkt für die Statt­haf­tig­keit einer der Ver­pflich­tungs­kla­ge nach­fol­gen­den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist folg­lich der Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses; zu berück­sich­ti­gen sind nur Ände­run­gen, die bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens ein­ge­tre­ten sind3.

Soweit es um die Statt­haf­tig­keit des Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trags geht, wird der Betrach­tungs­zeit­raum durch das erle­di­gen­de Ereig­nis auch hin­sicht­lich des Ver­pflich­tungs­an­trags begrenzt. Maß­geb­lich ist mit­hin, ob das Gericht, wenn es im Zeit­punkt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses ter­mi­niert und ver­han­delt hät­te, sich bei der Prü­fung der Begründ­etheit der Ver­pflich­tungs­kla­ge auch mit der Fra­ge hät­te aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die Klä­ge­rin bis zur Erle­di­gung des Ver­pflich­tungs­be­geh­rens einen Anspruch auf Ertei­lung des bean­trag­ten Bau­vor­be­scheids hat­te und die Wei­ge­rung der Beklag­ten in die­sem Zeit­punkt des­halb rechts­wid­rig war.

(Fortsetzungs-)Feststellungsinteresse zur Vor­be­rei­tung einer Amts­haf­tungs­kla­ge

Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass für eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge, mit der die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit einer Amts­hand­lung im Hin­blick auf einen in Aus­sicht genom­me­nen Amts­haf­tungs- oder Ent­schä­di­gungs­pro­zess begehrt wird, ein berech­tig­tes Inter­es­se fehlt, wenn der Amts­haf­tungs- oder Ent­schä­di­gungs­pro­zess offen­sicht­lich aus­sichts­los ist4.

Bei der Prü­fung einer offen­sicht­li­chen Aus­sichts­lo­sig­keit geht es nicht dar­um, dass „die Erfolgs­aus­sich­ten des Haf­tungs­pro­zes­ses schlecht­hin geprüft wür­den und somit der von den Zivil­ge­rich­ten zu füh­ren­de Pro­zess auch in den von der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des Ver­wal­tungs­ak­tes unab­hän­gi­gen Tei­len gleich­sam vor­weg­ge­nom­men wür­de”. Viel­mehr müs­sen „an das Vor­lie­gen der Offen­sicht­lich­keit stren­ge Anfor­de­run­gen gestellt wer­den„5.

Die Prü­fung eines berech­tig­ten Inter­es­ses gemäß § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO ver­langt auch kei­ne „Schlüs­sig­keits­prü­fung des beab­sich­tig­ten zivil­recht­li­chen Anspruchs im Hin­blick auf alle anspruchs­be­grün­den­den Tat­be­stands­merk­ma­le„6 zum berech­tig­ten Inter­es­se an der Fort­füh­rung einer Nor­men­kon­troll­kla­ge gegen eine inzwi­schen außer Kraft getre­te­ne Ver­än­de­rungs­sper­re)).

Von offen­sicht­li­cher Aus­sichts­lo­sig­keit kann nur gespro­chen wer­den, „wenn ohne eine ins Ein­zel­ne gehen­de Prü­fung erkenn­bar ist, dass der behaup­te­te Scha­dens- oder Ent­schä­di­gungs­an­spruch unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt bestehen kann„7.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Janu­ar 2015 – 4 B 42.2014

  1. z.B. BVerwG, Urtei­le vom 25.07.1985 – 3 C 25.84, BVerw­GE 72, 38, 41; und vom 28.04.1999 – 4 C 4.98, BVerw­GE 109, 74, 76
  2. BVerwG, Urteil vom 24.01.1992 – 7 C 24.91, BVerw­GE 89, 354, 356
  3. BVerwG, Beschluss vom 07.05.1996 – 4 B 55.96, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 286 LS und S. 21 f. unter Bezug­nah­me auf BVerwG, Urteil vom 25.07.1985 – 3 C 25.84, BVerw­GE 72, 38, 43
  4. sie­he z.B. BVerwG, Urtei­le vom 15.12 1972 – 4 C 18.71, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 64; vom 14.01.1980 – 7 C 92.79, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 95; vom 09.10.1984 – 1 C 22.83, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 144; vom 15.11.1984 – 2 C 56.81, Buch­holz § 113 VwGO Nr. 145; vom 17.10.1985 – 2 C 42.83, Buch­holz 310 § 113 Nr. 155; und vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28
  5. BVerwG, Urteil vom 14.01.1980 – 7 C 92.79, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 95 S. 27
  6. BVerwG, Urteil vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28 S. 22; vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 02.09.1983 – 4 N 1.83, BVerw­GE 68, 12, 15 f.
  7. BVerwG, Urtei­le vom 18.10.1985 – 4 C 21.80, Buch­holz 406.11 § 1 BBauG Nr. 28 S. 22; und vom 28.08.1987 – 4 C 31.86, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 173 13 f.