Die Erle­di­gung einer ursprüng­lich unzu­läs­si­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­ent­schei­dung aus Bil­lig­keits­grün­den

Über die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auf­grund der Erle­di­gungs­er­klä­rung der Beschwer­de­füh­re­rin nicht mehr zu ent­schei­den 1. Ver­fah­rens­ge­gen­stand ist danach ledig­lich noch der – in der Erle­di­gungs­er­klä­rung ent­hal­te­ne – Antrag der Beschwer­de­füh­re­rin auf Erstat­tung ihrer not­wen­di­gen Aus­la­gen.

Die Erle­di­gung einer ursprüng­lich unzu­läs­si­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­ent­schei­dung aus Bil­lig­keits­grün­den

Gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Erle­di­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die vol­le oder teil­wei­se Erstat­tung der der Beschwer­de­füh­re­rin ent­stan­de­nen Aus­la­gen anord­nen. Über die Erstat­tung ist unter Gesamt­wür­di­gung aller bekann­ten Umstän­de nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den. Dabei kommt mit Blick auf die Funk­ti­on und Trag­wei­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen eine sum­ma­ri­sche Prü­fung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de regel­mä­ßig nicht in Betracht 2. Eine Erstat­tung kann aus Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten aller­dings dann ange­ord­net wer­den, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bei über­schlä­gi­ger Beur­tei­lung offen­sicht­lich Aus­sicht auf Erfolg gehabt hät­te und im Rah­men der ledig­lich kur­so­ri­schen Prü­fung zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fels­fra­gen nicht Stel­lung genom­men zu wer­den braucht 3.

Nach die­sen Maß­stä­ben schied die Anord­nung einer Aus­la­ge­n­er­stat­tung im hier ent­schie­de­nen Fall aus. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de war bereits unzu­läs­sig, weil sie die gesetz­li­chen Begrün­dungs­an­for­de­run­gen (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) nicht erfüll­te. Die Beschwer­de­füh­re­rin zeigt nicht sub­stan­ti­iert und schlüs­sig auf, dass die Fach­ge­rich­te ihre berech­tig­ten Schutz­in­ter­es­sen in ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den­der Wei­se unbe­rück­sich­tigt gelas­sen haben. Ins­be­son­de­re ist nicht kon­kret dar­ge­tan, wel­che Geschäfts­ge­heim­nis­se oder Infor­ma­tio­nen aus durch das Straf­ver­fah­ren nicht betrof­fe­nen Man­da­ten Gegen­stand der Strafak­ten und der Akten­ein­sicht sind. Das Vor­lie­gen einer bloß abs­trak­ten Gefahr, dass sol­che Infor­ma­tio­nen zu den Akten gelangt sind, kann jeden­falls dann nicht aus­rei­chen, wenn die Beschwer­de­füh­re­rin – wie hier – den Aus­wahl­pro­zess, wel­che Unter­la­gen zu den Akten genom­men wer­den, selbst (mit-)steu­ern konn­te und ihr daher kon­kre­ter Vor­trag ohne wei­te­res mög­lich ist 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Febru­ar 2018 – 2 BvR 2628/​17

  1. vgl. BVerfGE 7, 75, 76; 85, 109, 113[]
  2. vgl. BVerfGE 85, 109, 115; 87, 394, 398; 133, 37, 38 Rn. 2; BVerfG, Beschluss vom 09.02.2017 – 1 BvR 309/​11 2; Beschluss vom 02.05.2017 – 2 BvR 572/​17 2[]
  3. vgl. BVerfGE 85, 109, 115 f.; 133, 37, 38 f.; BVerfG, Beschluss vom 21.09.2017 – 2 BvQ 40/​17 3; Beschluss vom 19.12 2016 – 2 BvR 1490/​16 9; Beschluss vom 25.01.2018 – 2 BvQ 49/​17 3[]
  4. vgl. bereits BVerfG, Beschluss vom 27.11.2017 – 2 BvQ 72/​17[]