Die Flug­rou­te übers Stadt­ge­biet

Bei der Fest­le­gung von Flug­ver­fah­ren ist kei­ne unmit­tel­ba­re Anhö­rung von Betrof­fe­nen vor­ge­se­hen. Eine Betei­li­gung lärm­be­trof­fe­ner Flug­ha­fen­an­rai­ner erfolgt durch die Flug­lärm­kom­mis­si­on. Sind kei­ne Feh­ler bei der Betei­li­gung der Flug­lärm­kom­mis­si­on fest­stell­bar, ist die Fest­le­gung des Flug­ver­fah­rens nicht nicht rechts­wid­rig erfolgt.

Die Flug­rou­te übers Stadt­ge­biet

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge der Stadt Röder­mark gegen die vom Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung fest­ge­setz­ten An- und Abflug­ver­fah­ren zum und vom Ver­kehrs­lan­de­platz Egels­bach abge­wie­sen. Der Ver­kehrs­lan­de­platz Egels­bach, auf dem im Wesent­li­chen Sport­flie­ge­rei betrie­ben und geschäft­li­cher Flug­ver­kehr zum Teil auch mit Tur­bo­prob und Jet­flug­zeu­gen statt­fin­det und der über kei­ne eige­ne Flug­ver­kehrs­kon­troll­stel­le ver­fügt, ist ca. 9 km von der west­li­chen Bebau­ungs­gren­ze der Stadt Röder­mark ent­fernt. Mit einer Ver­ord­nung vom Sep­tem­ber 2010 hat das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung die An und Abflug­ver­fah­ren von und zu die­sem Ver­kehrs­lan­de­platz für beson­ders schwe­re und/​oder schnel­le Luft­fahr­zeu­ge (sog. "High Per­for­mance Air­craft" HPA) über sog. Weg­punk­te dicht bei der Stadt Röder­mark fest­ge­legt und danach im Novem­ber 2011 und im Novem­ber 2012 zwei­mal geän­dert.

Gegen die­se Fest­le­gung der An und Abflug­ver­fah­ren hat die Stadt Röder­mark im Dezem­ber 2012 Kla­ge beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof mit dem Ziel erho­ben, fest­zu­stel­len, dass die Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren rechts­wid­rig ist und sie dadurch in ihren Rech­ten ver­letzt wird. Nach Auf­fas­sung der Stadt führ­ten die direk­ten Über­flü­ge über ihr Stadt­ge­biet zu unzu­mut­ba­ren Lärm­beein­träch­ti­gun­gen sowohl für städ­ti­sche Wohn­grund­stü­cke als auch für schutz­be­dürf­ti­ge kom­mu­na­le Ein­rich­tun­gen, so z. B .für Kin­der­gär­ten und Kin­der­hor­te und für ein Alten­wohn­heim; zudem wer­de ihr Stadt­ge­biet unter Ver­let­zung der ein­schlä­gi­gen Sicher­heits­be­stim­mun­gen in zu nied­ri­ger Höhe über­flo­gen. Des­wei­tern bemän­gelt die Stadt, sie sei bei der Fest­set­zung der Flug­ver­fah­ren weder unmit­tel­bar ange­hört wor­den noch sei sie durch Mit­glied­schaft in der Flug­lärm­kom­mis­si­on dar­an betei­ligt gewe­sen und rügt dar­über hin­aus, dass die durch die An und Abflü­ge ver­ur­sach­ten Lärm­be­las­tun­gen nicht im Ansatz ermit­telt wor­den sei­en. Außer­dem gebe es alter­na­ti­ve Anflug­ver­fah­ren, die nicht bedacht wor­den sei­en.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aus­ge­führt, eine unmit­tel­ba­re Anhö­rung von Betrof­fe­nen sei bei der Fest­set­zung von Flug­ver­fah­ren gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen und auch nicht gebo­ten. Der Gesetz­ge­ber habe sich ein­deu­tig für die Betei­li­gung lärm­be­trof­fe­ner Flug­ha­fen­an­rai­ner durch die Flug­lärm­kom­mis­si­on ent­schie­den, deren Mit­glie­der aus ver­schie­de nen Lebens­be­rei­chen der poten­zi­ell Lärm­be­trof­fe­nen kom­men und deren Anzahl begrenzt ist. Feh­ler bei der Betei­li­gung der Flug­lärm­kom­mis­si­on sei­en nicht fest­stell­bar und könn­ten zudem auch nicht durch ein­zel­ne ihrer Mit­glie­der gel­tend gemacht wer­den.

Die von der Stadt Röder­mark behaup­te­te unzu­mut­ba­re Lärm­be­las­tung las­se sich schon des­halb nicht fest­stel­len, weil die Lärm­im­mis­sio­nen durch den gel­ten­den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zum Aus­bau des Ver­kehrs­lan­de­plat­zes vom April 2002 in flug­platz­nä­he­ren Gemein­den auf maxi­mal 55 dB(A) Dau­er­schall­pe­gel begrenzt sei­en und deren Ein­hal­tung jähr­lich nach­ge­wie­sen wer­de. Das in grö­ße­rer Ent­fer­nung gele­ge­ne und zudem nur von einem Teil des anflie­gen­den Ver­kehrs betrof­fe­ne Stadt­ge­biet von Röder­mark sei mit weit gerin­ge­rem Lärm belas­tet.

Da die Rechts­ver­ord­nung zur Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren nur die schon seit 2008 tat­säch­lich prak­ti­zier­ten Flug­ver­fah­ren auf­ge­nom­men und die­se nur unwe­sent­lich vari­iert habe, sei­en die Lärm­be­lan­ge mit der dazu durch­ge­führ­ten gene­ra­li­sie­ren­den Betrach­tung auf der Grund­la­ge einer im Jahr 2007 durch­ge­führ­ten Unter­su­chung hin­rei­chend berück­sich­tigt wor­den. Seit­her sei es zu kei­nen signi­fi­kan­ten Ände­run­gen bei den Lärm­be­las­tun­gen gekom­men und in Anbe­tracht der Lärm­kon­tur, die im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zugrun­de gelegt wor­den war, habe es sich bei der Fest­le­gung der An und Abflug­ver­fah­ren auch nicht auf­drän­gen müs­sen, dass die Stadt Röder­mark gleich­wohl von unzu­mut­ba­rem Lärm betrof­fen sein könn­te.

Wei­ter­hin führt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zur Begrün­dung aus, die Tren­nung der beson­ders schnel­len von beson­ders lang­sa­men Luft­fahr­zeu­gen im Lan­de­an­flug redu­zie­re das Gefah­ren­po­ten­zi­al mit gene­rell sicher durch­zu­füh­ren­den Anflü­gen und stel­le damit einen sach­li­chen Grund für die getrof­fe­ne Fest­set­zung dar. Die von der Stadt auf­ge­zeig­ten Alter­na­ti­ven wür­den die Luft­fahr­zeu­ge jeweils zu Kurs­wech­seln bis rela­tiv kurz vor der Lan­dung zwin­gen und sei­en des­halb zu Recht aus Sicher­heits­grün­den abge­lehnt wor­den.

Auch die von der Stadt gerüg­te Unter­schrei­tung der Sicher­heits­min­dest­hö­he ein­zel­ner Flü­ge füh­re nicht zur Rechts­wid­rig­keit der Ver­ord­nung, die ihrer­seits deren Ein­hal­tung vor­se­he, soweit dies nach der durch den Flug­ha­fen Frank­furt Main bestimm­ten Luft­raum­struk­tur recht­lich mög­lich sei. Unter­schrei­tun­gen in ein­zel­nen Fäl­len sei­en zudem von der Gestal­tung des Lan­de­an­flugs abhän­gig, der allein den Luft­fahr­zeug­füh­rern oblie­ge und dies sei bei Lan­de­an­flü­gen auch gesetz­lich erlaubt.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Mai 2014 – 9 C 2269/.T