Die frei­wil­li­ge Bezu­schus­sung eines Wal­dorf­kin­der­gar­tens

Es steht zwar im Ermes­sen der Stand­ort­ge­mein­de, ob es eine über die gesetz­li­che För­de­rung hin­aus­ge­hen­de frei­wil­li­ge För­de­rung von Tages­ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger gibt, aber eine gleich­heits­ge­rech­te Ent­schei­dung über die Leis­tungs­ge­wäh­rung muss dabei sicher­ge­stellt sein.

Die frei­wil­li­ge Bezu­schus­sung eines Wal­dorf­kin­der­gar­tens

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge des Wal­dorf­kin­der­gar­tens in Asperg auf wei­ter­ge­hen­de Bezu­schus­sung, weil die Stadt Asperg den kirch­li­chen Kin­der­gär­ten in ihrer Gemein­de eine frei­wil­li­ge För­de­rung gewährt. Der Trä­ger des Wal­dorf­kin­der­gar­tens (Klä­ger) hat­te die Pra­xis der Stadt Asperg gerügt, bei den kirch­li­chen Trä­gern von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen über die gesetz­li­che Min­dest­för­de­rung von 63 % der Betriebs­kos­ten hin­aus eine Abman­gel­för­de­rung, d.h. für nicht gedeck­te Betriebs­kos­ten, in Höhe von 33,5 % vor­zu­neh­men. Der Klä­ger kön­ne nach dem Gleich­be­hand­lungs­satz (Arti­kel 3 Grund­ge­setz) zumin­dest eine För­de­rung ent­spre­chend die­ser Pra­xis bean­spru­chen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart habe der Klä­ger zwar kei­nen unmit­tel­ba­ren Anspruch auf För­de­rung, da die über die gesetz­li­che För­de­rung hin­aus­ge­hen­de frei­wil­li­ge För­de­rung von Tages­ein­rich­tun­gen frei­er Trä­ger im Ermes­sen der Stand­ort­ge­mein­de ste­he. Der Klä­ger kön­ne aber eine gleich­heits­ge­rech­te Ent­schei­dung über die Leis­tungs­ge­wäh­rung bean­spru­chen. Die Ent­schei­dung der Stadt Asperg, den Klä­ger – im Gegen­satz zu den kirch­li­chen Trä­gern der Kin­der­gär­ten in ihrem Gemein­de­ge­biet – von einer frei­wil­li­gen För­de­rung aus­zu­neh­men, wider­spre­che die­sem Grund­satz. Die Stadt wen­de gegen­über den kirch­li­chen Kin­der­gar­ten­trä­gern ein Sys­tem der frei­wil­li­gen För­de­rung in Form der Abman­gel­be­tei­li­gung an. Der Klä­ger betrei­be eine Ein­rich­tung, die mit den kirch­li­chen Kin­der­gär­ten ver­gleich­bar sei. In bei­den Fäl­len han­de­le es sich um Kin­der­gär­ten, die jeweils in die Bedarfs­pla­nung der Stadt auf­ge­nom­men sei­en. Die Stadt sei des­halb grund­sätz­lich ver­pflich­tet, den Wal­dorf­kin­der­gar­ten des Klä­gers nach den glei­chen Maß­stä­ben wie die kirch­li­chen Kin­der­gär­ten zu för­dern. Die von der Stadt ange­ge­be­ne Begrün­dung für die Ableh­nung eines Zuschus­ses, der Wal­dorf­schul­kin­der­gar­ten erhal­te einen höhe­ren Zuschuss pro Kind als die kirch­li­chen Kin­der­gär­ten, tref­fe nicht zu. Die vom Klä­ger vor­ge­leg­ten Auf­stel­lun­gen zeig­ten, dass der Zuschuss pro Kind für die kirch­li­chen Kin­der­gär­ten in den Jah­ren 2010 und 2011 mit 3.500 € bzw. 3.555 € höher gewe­sen sei als der dem Klä­ger in die­sem Zeit­raum gewähr­te (gesetz­li­che) Zuschuss pro Kind in Höhe von 3.250 € bzw. 3.245 €. Des­halb sei von der Stadt Asperg über eine frei­wil­li­ge För­de­rung des Wal­dorf­kin­der­gar­tens eine neue Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen.

Der Gemein­de ste­he es zwar frei, ihre Ver­wal­tungs­übung aus sach­li­chen Grün­den – etwa zur Begren­zung ihrer frei­wil­li­gen Leis­tun­gen – zu ändern. Die­se Anpas­sung müs­se aller­dings gegen­über den ver­schie­de­nen frei­en Trä­gern (hier: Kir­chen­ge­mein­den und Klä­ger) ein­heit­lich erfol­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 10. April 2013 – 7 K 154/​11