Die Fuß­ball­fah­ne in Nach­bars Gar­ten

Die Fah­ne eines Fuß­ball­ver­eins auf dem Grund­stück eines Fans stellt kei­ne wohn­ge­biets­frem­de Nut­zung dar. In dem Auf­stel­len des Mas­tes liegt kei­ne eige­ne gewerb­li­che Betä­ti­gung, er stellt kei­ne Wer­be­an­la­ge im bau­recht­li­chen Sin­ne dar.

Die Fuß­ball­fah­ne in Nach­bars Gar­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Nach­barn abge­wie­sen, der die Flag­ge des Fuß­ball­ver­eins Borus­sia Dort­mund vom Grund­stück des Nach­barn ent­fernt haben woll­te. BVB-Fans hat­ten die ca. 1 x 2 m gro­ße Fah­ne an einem etwa 5 m hohen Fah­nen­mast im hin­te­ren Teil ihres Grund­stücks ange­bracht. Die Klä­ger, deren Grund­stück rund 11,50 m von dem Fah­nen­mast ent­fernt ist, ver­lang­ten – erfolg­los – bau­auf­sicht­li­ches Ein­schrei­ten von der Stadt Hemer. Sie mach­ten u.a. gel­tend, dass die Fah­ne eine im Wohn­ge­biet unzu­läs­si­ge Wer­be­an­la­ge für den BVB als bör­sen­no­tier­tes Unter­neh­men dar­stel­le und von ihr unzu­mut­ba­re Stö­run­gen durch Lärm und Schlag­schat­ten aus­gin­gen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg deut­lich gemacht, dass der Fah­nen­mast mit der BVB-Fah­ne kei­ne wohn­ge­biets­frem­de Nut­zung dar­stel­le. In dem Auf­stel­len des Masts lie­ge kei­ne eige­ne gewerb­li­che Betä­ti­gung. Auch han­de­le es sich nicht um eine Wer­be­an­la­ge im bau­recht­li­chen Sin­ne, weil der Mast nicht als Trä­ger für wech­seln­de Wer­bung vor­ge­se­hen sei; die auf­ge­zo­ge­ne Fah­ne brin­ge ledig­lich die inne­re Ver­bun­den­heit mit dem BVB zum Aus­druck. Mast und Fah­ne sei­en eine im Wohn­ge­biet zuläs­si­ge Neben­an­la­ge.

Von die­ser gin­gen auch kei­ne unzu­mut­ba­ren Beein­träch­ti­gun­gen aus. Dass die Fah­ne gera­de bei Näs­se und star­kem Wind nicht uner­heb­li­che Geräu­sche ver­ur­sa­che, füh­re nicht zu einem Ein­schrei­ten­s­an­spruch der Klä­ger. Die Eigen­tü­mer des Nach­bar­grund­stücks hät­ten glaub­haft ver­si­chert, die Fah­ne bei ent­spre­chen­den Wet­ter­la­gen ein­zu­ho­len. Selbst wenn dies gele­gent­lich ver­säumt wer­de, sei ein zumut­ba­res Maß an Beein­träch­ti­gun­gen nicht über­schrit­ten. Auch der Blick auf die flat­tern­de Fah­ne begrün­de kei­ne unzu­mut­ba­re Stö­rung der Klä­ger. Nicht anders als bei den Lebens­äu­ße­run­gen der Bewoh­ner selbst und den durch die Gar­ten­nut­zung übli­cher­wei­se ent­ste­hen­den Geräu­schen gehe es auch hier um gele­gent­lich auf­tre­ten­de Beein­träch­ti­gun­gen, die mit der Wohn­nut­zung zusam­men­hin­gen und im Nach­bar­schafts­ver­hält­nis grund­sätz­lich hin­ge­nom­men wer­den müss­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 15. Juli 2013 – 8 K 1679/​12