Die Geburts­tags­par­ty mit 70 Gäs­ten – und die Coro­na­schutz­ver­ord­nung

Eine Fei­er zum 26. Geburts­tag ist kein her­aus­ra­gen­der Anlass, der nach den Rege­lun­gen der Coro­na­schutz­ver­ord­nung mit höchs­tens 150 Teil­neh­mern zuläs­sig ist.

Die Geburts­tags­par­ty mit 70 Gäs­ten – und die Coro­na­schutz­ver­ord­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Eil­an­trag abge­lehnt, mit dem sich der Antrag­stel­ler gegen die Anord­nung des Ord­nungs­am­tes der Stadt Müns­ter gewandt hat. Im Vor­feld der Fei­er hat­te der in Müns­ter leben­de Antrag­stel­ler sei­ne Nach­bar­schaft über das Vor­ha­ben infor­miert, sei­nen 26. Geburts­tag mit ca. 70 Gäs­ten fei­ern zu wol­len. Nach­dem das Ord­nungs­amt der Stadt Müns­ter von der geplan­ten Fei­er Kennt­nis erlangt hat­te, teil­te es dem Antrag­stel­ler mit, dass nach den Rege­lun­gen der Coro­na­schutz­ver­ord­nung nur Fei­ern aus einem her­aus­ra­gen­den Anlass (z. B. Jubi­lä­um, Hoch­zeit-, Tauf‑, Geburtstags‑, Abschluss­fei­er) mit höchs­tens 150 Teil­neh­mern zuläs­sig sei­en. Nach dem Sinn der Vor­schrift fie­len aus­schließ­lich Geburts­tags­fei­ern zu run­den Geburts­ta­gen hier­un­ter. Der 26. Geburts­tag sei kein run­der Geburts­tag. Dage­gen hat sich der Antrag­stel­ler mit sei­nem Antrag gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter sei die geplan­te Fei­er mit ca. 70 Gäs­ten in der vom Antrag­stel­ler vor­ge­se­he­nen Wei­se ver­bo­ten. Die Fei­er sei als eine Ansamm­lung meh­re­rer Per­so­nen zu einem gemein­sa­men – gesel­li­gen – Zweck eine Ver­an­stal­tung, die nicht unter eine beson­de­re Rege­lung der Coro­na­schutz­ver­ord­nung fal­le. Die Durch­füh­rung der Fei­er ledig­lich mit geeig­ne­ten Vor­keh­run­gen zur Hygie­ne (Des­in­fek­ti­ons­mit­tel etc.) und ein­fa­cher Rück­ver­folg­bar­keit sei nicht zuläs­sig.

Außer­dem stel­le ein Fest anläss­lich einer Fei­er des 26. Geburts­ta­ges auch kei­nen her­aus­ra­gen­den Anlass dar, bei dem das Abstands­ge­bot und eine Ver­pflich­tung zum Tra­gen einer Mund-Nase-Bede­ckung nicht gäl­ten. Soweit der Klam­mer­zu­satz das Ereig­nis „Geburts­tag“ aus­drück­lich erwäh­ne, zie­le dies illus­trie­rend dar­auf ab, dass auch ein Geburts­tag ein her­aus­ra­gen­des Ereig­nis sein kön­ne, z. B. bei run­den Geburts­ta­gen. Der 26. Geburts­tag des Antrag­stel­lers sei nach all­ge­mein übli­chem Ver­ständ­nis kein „run­der“.

Dar­über hin­aus dür­fe der Ver­ord­nungs­ge­ber wei­ter­hin davon aus­ge­hen, dass die Coro­na-Pan­de­mie eine ernst­zu­neh­men­de Gefah­ren­si­tua­ti­on begrün­de und die beson­de­re Gefähr­dungs­la­ge erst recht bei pri­va­ten Ver­an­stal­tun­gen mit nahem Kon­takt zwi­schen einer Viel­zahl von Per­so­nen, laut­star­ker Unter­hal­tung, ggf. auch mit Gesang oder gemein­sa­mem Tan­zen vor­lie­ge.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 14. August 2020 – 5 L 684/​20