Die gewerb­li­che Sperr­müll­samm­lung

Sperr­müll muss nicht dem öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger über­las­sen wer­den, son­dern kann auch von ge­werb­li­chen Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men ge­sam­melt wer­den.

Die gewerb­li­che Sperr­müll­samm­lung

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wur­de einem Unter­neh­men der Abfall­wirt­schaft auf ihre Anzei­ge durch den beklag­ten Kreis die Samm­lung von Alt­me­tall, Alt­pa­pier, Grün­ab­fäl­len und gemisch­tem Abfall unter­sagt. Die dage­gen gerich­te­ten Kla­gen wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ab [1]. Auf die Beru­fun­gen des Ent­sor­gungs­un­ter­neh­mens änder­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die Urtei­le und hob die Unter­sa­gung der Samm­lung von Alt­me­tall, Alt­pa­pier und Grün­ab­fäl­len auf [2]. Inso­weit stün­den der Samm­lung kei­ne über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­sen ent­ge­gen. Die mit gemisch­tem Abfall bezeich­ne­te Samm­lung von Sperr­müll durch die Klä­ge­rin sei dage­gen unzu­läs­sig, weil die­se Abfall­art dem öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger über­las­sen wer­den müs­se. Inso­weit hat das OVG Müns­ter die Beru­fun­gen zurück­ge­wie­sen.

Auf die Revi­si­on des Ent­sor­gungs­un­ter­neh­mens hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun die Urtei­le des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben, soweit die Unter­sa­gung der Sperr­müll­samm­lung bestä­tigt wur­de. Die Über­las­sungs­pflicht an den öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger besteht nur für gemisch­te Abfäl­le aus pri­va­ten Haus­hal­tun­gen (Schwar­ze bzw. Graue Ton­ne), zu denen Sperr­müll nicht gehört. Ob die vom Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men ange­zeig­te Samm­lung von Sperr­müll die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Abfall­ent­sor­gung des Krei­ses gefähr­det, lässt sich man­gels tat­säch­li­cher Fest­stel­lung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht bestim­men. Das Ver­fah­ren war zur Sach­auf­klä­rung an die Vor­in­stanz zurück­zu­ver­wei­sen.

Die Anschluss­re­vi­si­on des Land­krei­ses, der sich dar­auf stütz­te, bei den in § 17 Abs. 3 Satz 3 KrWG genann­ten Regel­bei­spie­len für ein der gewerb­li­chen Samm­lung ent­ge­gen­ste­hen­des öffent­li­ches Inter­es­se han­de­le es sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts und der Klä­ge­rin um unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tun­gen der Beein­träch­ti­gung der Pla­nungs­si­cher­heit und Orga­ni­sa­ti­ons­ver­ant­wor­tung des öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­gers, hat­te dage­gen vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Erfolg, weil die Samm­lung der übri­gen Abfall­frak­tio­nen durch das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men das bestehen­de Ent­sor­gungs­sys­tem des Krei­ses nicht wesent­lich beein­träch­tigt. Da das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men sei­ne bis­he­ri­ge Samm­lung von Alt­me­tall, Alt­pa­pier und Grün­ab­fäl­len ledig­lich fort­führt, ist das Ent­sor­gungs­sys­tem des Krei­ses dar­auf ein­ge­stellt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 23. Febru­ar 2018 – 7 C 9.16 und 7 C 10.16

  1. VG Arns­berg, Urteil vom 09.12.2013 – 8 K 3508/​12[]
  2. OVG NRW, Urtei­le vom 26.01.2016 – 20 A 319/​14 und 20 A 318/​14[]