Die grund­sätz­lich bedeut­sa­me Tat­sa­chen­fra­ge

Eine Rechts­sa­che hat grund­sätz­li­che Bedeu­tung im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO, wenn sie eine abs­trak­te, in dem zu ent­schei­den­den Fall erheb­li­che Fra­ge des revi­si­blen Rechts auf­wirft, die im Inter­es­se der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung oder im Inter­es­se der Rechts­fort­bil­dung in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren geklärt wer­den muss.

Die grund­sätz­lich bedeut­sa­me Tat­sa­chen­fra­ge

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt, wenn sich die auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge im Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht stel­len wür­de, wenn sie bereits geklärt ist bzw. auf­grund des Geset­zes­wort­lauts mit­hil­fe der übli­chen Regeln sach­ge­rech­ter Aus­le­gung und auf der Grund­la­ge der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung ohne Durch­füh­rung eines Revi­si­ons­ver­fah­rens beant­wor­tet wer­den kann oder wenn sie einer abs­trak­ten Klä­rung nicht zugäng­lich ist [1].

Für die Zulas­sung der Revi­si­on reicht, anders als für die Zulas­sung der Beru­fung wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung nach § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO /​§ 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG [2], eine Tat­sa­chen­fra­ge grund­sätz­li­cher Bedeu­tung nicht aus.

Die Klä­rungs­be­dürf­tig­keit muss viel­mehr in Bezug auf den anzu­wen­den­den recht­li­chen Maß­stab, nicht die rich­ter­li­che Tat­sa­chen­wür­di­gung und -bewer­tung bestehen; auch der Umstand, dass das Ergeb­nis der zur Fest­stel­lung und Wür­di­gung des Tat­sa­chen­stof­fes beru­fe­nen Instanz­ge­rich­te für eine Viel­zahl von Ver­fah­ren von Bedeu­tung ist, lässt für sich allein nach gel­ten­dem Revi­si­ons­zu­las­sungs­recht eine Zulas­sung wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO nicht zu.

Der Gesetz­ge­ber hat inso­weit auch für das gericht­li­che Asyl­ver­fah­ren an den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des Revi­si­ons­rechts fest­ge­hal­ten und für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne Befug­nis eröff­net, Tat­sa­chen(würdigungs)fragen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung in "Län­der­leit­ent­schei­dun­gen", wie sie etwa das bri­ti­sche Pro­zess­recht kennt, zu beant­wor­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [3] haben sich aller­dings die Beru­fungs­ge­rich­te nach § 108 VwGO (erkenn­bar) mit abwei­chen­den Tat­sa­chen- und Lage­be­ur­tei­lun­gen ande­rer Oberverwaltungsgerichte/​Verwaltungsgerichtshöfe aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Novem­ber 2019 – 1 B 78.19

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 01.04.2014 – 1 B 1.14 – AuAS 2014, 110; und vom 10.03.2015 – 1 B 7.15 3[]
  2. BVerwG, Urteil vom 31.07.1984 – 9 C 46.84, BVerw­GE 70, 24, 26[]
  3. BVerwG, Urteil vom 08.09.2011 – 10 C 14.10, BVerw­GE 140, 319 Rn. 28 – zur Fest­stel­lung einer extre­men Gefah­ren­la­ge[]