Die Hin­ter­grund­ge­sprä­che des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes

Bun­des­nach­rich­ten­dienst muss der Pres­se Aus­kunft über Hin­ter­grund­ge­sprä­che mit Jour­na­lis­ten ertei­len. Pres­se­ver­tre­ter kön­nen auf der Grund­la­ge des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs der Pres­se aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­lan­gen, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ihnen bestimm­te Infor­ma­tio­nen über ver­trau­li­che Hin­ter­grund­ge­sprä­che erteilt, die Ver­tre­ter des BND mit aus­ge­wähl­ten Jour­na­lis­ten füh­ren.

Die Hin­ter­grund­ge­sprä­che des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes

Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge eines Jour­na­lis­ten und Redak­teurs einer Tages­zei­tung ent­schie­den. Der kla­gen­de Jour­na­list gehört dem Kreis der von dem BND für Hin­ter­grund­ge­sprä­che berück­sich­tig­ten Jour­na­lis­ten nicht an. Er bat den BND im Früh­jahr 2017 um die Ertei­lung von Aus­künf­ten zu der Anzahl, den The­men, dem per­so­nel­len Rah­men sowie den Zei­ten und Orten der im Vor­jahr und im lau­fen­den Jahr orga­ni­sier­ten Hin­ter­grund­ge­sprä­che. Er begehr­te außer­dem Aus­kunft über den Umgang mit Erkennt­nis­sen im Zusam­men­hang mit dem Mili­tär­putsch in der Tür­kei im Juli 2016. Der BND lehn­te die Ertei­lung der ver­lang­ten Aus­künf­te ab. Der Jour­na­list hat vor dem für Kla­gen gegen den BND in ers­ter und letz­ter Instanz zustän­di­gen Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Kla­ge erho­ben und zusätz­lich einen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gestellt. Nach­dem der Eil­an­trag in Bezug auf Fra­gen zum Mili­tär­putsch in der Tür­kei teil­wei­se Erfolg gehabt hat­te und der BND in der münd­li­chen Ver­hand­lung die Fra­gen des Jour­na­lis­ten nach der Anzahl, den Zei­ten und den Orten der Hin­ter­grund­ge­sprä­che beant­wor­tet hat, haben die Betei­lig­ten den Rechts­streit für teil­wei­se erle­digt erklärt. In Bezug auf einen klei­nen Teil der begehr­ten Aus­künf­te hat der Jour­na­list sei­ne Kla­ge zurück­ge­nom­men.

Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eine Ver­pflich­tung des BND zur Beant­wor­tung einer wei­te­ren Fra­ge abge­lehnt, mit der der Jour­na­list wis­sen woll­te, ob und gege­be­nen­falls wie eine Unter­rich­tung des Bun­des­kanz­ler­amts über Äuße­run­gen statt­ge­fun­den habe, die der Prä­si­dent des BND in einem Zei­tungs­in­ter­view über eine Betei­li­gung der Gülen-Bewe­gung an dem Mili­tär­putsch abge­ge­ben hat. Einer Beant­wor­tung steht das schutz­wür­di­ge öffent­li­che Inter­es­se an der Siche­rung der Auf­ga­ben­er­fül­lung des BND ent­ge­gen.

Dem­ge­gen­über kann der Jour­na­list eine Beant­wor­tung der noch strei­ti­gen Fra­gen über die Hin­ter­grund­ge­sprä­che ver­lan­gen. Zum einen hat die Bun­des­re­pu­blik schutz­wür­di­ge öffent­li­che Inter­es­sen, die einer Ertei­lung die­ser Aus­künf­te durch den BND ent­ge­gen­ste­hen könn­ten, nicht hin­rei­chend dar­ge­legt. Die Aus­kunfts­er­tei­lung schafft bzw. erhöht nicht in beacht­li­cher Wei­se die Gefahr von Rück­schlüs­sen auf die Arbeits­fel­der und die Arbeits­wei­se des BND. Dass der BND Hin­ter­grund­ge­sprä­che mit Jour­na­lis­ten auch unter Betei­li­gung sei­nes Prä­si­den­ten durch­führt, ist all­ge­mein bekannt. Dadurch, dass dem Jour­na­lis­ten mit­ge­teilt wird, wel­che Medi­en bzw. Medi­en­ver­tre­ter jeweils ein­ge­la­den waren und an wel­chen Gesprä­chen der Prä­si­dent des BND teil­ge­nom­men hat, wer­den kei­ne für eine Gefähr­dung der Auf­ga­ben­er­fül­lung des BND rele­van­ten zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen ver­brei­tet. Dass eine sol­che Gefähr­dung durch die Benen­nung der all­ge­mei­nen The­men – also nicht der kon­kre­ten Inhal­te – der jewei­li­gen Hin­ter­grund­ge­sprä­che ein­tre­ten könn­te, ist gleich­falls nicht ersicht­lich. Den BND trifft inso­weit in Anbe­tracht des Umstands, dass er die The­men auf Grund eige­nen Ent­schlus­ses und ohne hier­zu ver­pflich­tet zu sein, mit Jour­na­lis­ten – wenn auch unter vor­aus­ge­setz­ter Ver­trau­lich­keit – erör­tert hat, eine gestei­ger­te Dar­le­gungs­last. Die­ser ist er nicht nach­ge­kom­men.

Zum ande­ren wird die Ertei­lung der begehr­ten Aus­künf­te über die Hin­ter­grund­ge­sprä­che nicht durch das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung der ein­ge­la­de­nen Jour­na­lis­ten und der durch sie ver­tre­te­nen Medi­en gehin­dert. Zwar ist das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung grund­sätz­lich schutz­wür­dig, jedoch über­wiegt im vor­lie­gen­den Fall das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se. Der Jour­na­list nimmt die­ses Inter­es­se mit sei­nen Recher­chen wahr, die Trans­pa­renz im Hin­blick auf die Bezie­hun­gen zwi­schen den Nach­rich­ten­diens­ten und der Pres­se her­stel­len sol­len. Dem­ge­gen­über betrifft das schutz­wür­di­ge Inter­es­se der Jour­na­lis­ten allein die Aus­übung ihres auf Öffent­lich­keit ange­leg­ten Berufs. Zudem geht es bei den Hin­ter­grund­ge­sprä­chen um eine beson­de­re Form der Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit des BND, die sich an einen grund­sätz­lich fes­ten Kreis von Jour­na­lis­ten rich­tet.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2019 – 6 A 7.18