Die Hun­de­trai­ner-Show und das Tier­schutz­recht

Seit dem 1.08.2014 bedarf, wer gewerbs­mä­ßig für Drit­te Hun­de aus­bil­den oder die Aus­bil­dung der Hun­de durch den Tier­hal­ter anlei­ten will, nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 f TierSchG der Erlaub­nis der zustän­di­gen Behör­de. Wer­den bei einer Show an Hun­den frem­der Hun­de­hal­ter Trai­nings­me­tho­den demons­triert, stellt dies ein Anlei­ten der Hun­de­hal­ter zur Aus­bil­dung ihrer Hun­de dar, sodass die Erlaub­nis­pflicht ein­greift und ein Sach­kun­de­nach­weis erfor­der­lich ist.

Die Hun­de­trai­ner-Show und das Tier­schutz­recht

Auch die im Rah­men der Show ("The Lea­der Of The Pack") durch­ge­führ­ten Sequen­zen mit frem­den Hun­den erfor­dern eine sol­che Erlaub­nis.

Soweit der Hun­de­trai­ner gel­tend macht, bei der Show wür­den nicht im Sin­ne des § 11 Abs. Nr. 8 f) TierSchG frem­de Hun­de aus­ge­bil­det oder Hun­de­hal­ter zur Aus­bil­dung ihrer Hun­de ange­lei­tet wer­den, da es an der erfor­der­li­chen Dau­er­haf­tig­keit bzw. Nach­hal­tig­keit feh­le, kann dem nicht gefolgt wer­den. Nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ist die Erlaub­nis­pflicht vor dem Hin­ter­grund ein­ge­führt wor­den, dass sich Feh­ler bei der Aus­bil­dung oder Erzie­hung von Hun­den auf das Wohl­erge­hen der Tie­re aus­wir­ken kön­nen. Sie soll sicher­stel­len, dass Per­so­nen, die gewerbs­mä­ßig Hun­de aus­bil­den oder die Aus­bil­dung der Hun­de durch den Tier­hal­ter anlei­ten, die dazu erfor­der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten haben1. Die Erlaub­nis­pflicht ist nach ihrem Sinn und Zweck daher nicht auf Trai­ner klas­si­scher Hun­de­schu­len beschränkt, die Hun­de über einen län­ge­ren Zeit­raum trai­nie­ren. Auch das gewerbs­mä­ßi­ge ein­ma­li­ge Aus­bil­den von Hun­den oder Anlei­ten von Hun­de­hal­tern zur Aus­bil­dung ihrer Hun­de kann zu nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Wohl­erge­hen der Tie­re füh­ren. Nach den Anga­ben des Hun­de­trai­ners wer­den bei sei­ner Show in Deutsch­land auf der Büh­ne an Hun­den frem­der Hun­de­hal­ter in ver­schie­de­nen Situa­tio­nen Trai­nings­me­tho­den in Anwe­sen­heit des jewei­li­gen Hun­de­hal­ters demons­triert. Die Hun­de, die auf die Büh­ne kom­men, wer­den am Tag der Vor­stel­lung aus 20 Bewer­bun­gen aus­ge­wählt und auf den Ein­satz in der Show vor­be­rei­tet. Für die Show wird u.a. auf der Inter­net­sei­te des Ver­an­stal­ters Sem­mel Con­certs damit gewor­ben, dass "Live trai­ning" statt­fin­det und neue Tech­ni­ken prä­sen­tiert wer­den. Ein sol­ches Vor­füh­ren von Trai­nings­me­tho­den stellt zumin­dest ein Anlei­ten der Hun­de­hal­ter zur Aus­bil­dung ihrer Hun­de im Sin­ne des § 11 Abs. Nr. 8 f) TierSchG dar, so dass die Erlaub­nis­pflicht ein­greift und ein Sach­kun­de­nach­weis erfor­der­lich ist. Inso­fern kommt es nicht dar­auf an, ob und in wel­chem Umfang bereits wäh­rend der Vor­be­rei­tung der Hun­de auf die Show eine Aus­bil­dung der Hun­de bzw. ein Anlei­ten der Hun­de­hal­ter statt­fin­det.

Auch an der Gewerbs­mä­ßig­keit der Hun­de­trai­ner-Show bestehen für das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg eben­falls kei­ne Zwei­fel. Gewerbs­mä­ßi­ges Han­deln liegt vor, wenn eine Tätig­keit selb­stän­dig, plan­mä­ßig, fort­ge­setzt und mit der Absicht der Gewinn­erzie­lung aus­ge­übt wird. Dies ist hier der Fall. Das Vor­füh­ren von Trai­nings­me­tho­den mit frem­den Hun­den auf der Büh­ne ist wesent­li­cher Bestand­teil der Show des Hun­de­trai­ners, für die alle Zuschau­er Ein­tritts­geld ent­rich­ten.

Soweit der Hun­de­trai­ner sich auf die Kunst­frei­heit beruft, kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob der sach­li­che Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG über­haupt betrof­fen ist. Denn ein unzu­läs­si­ger Ein­griff in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG liegt nicht vor, weil die Sequen­zen mit frem­den Hun­den von Zuschau­ern auf der Büh­ne durch­ge­führt wer­den kön­nen, wenn die für die Ertei­lung einer Erlaub­nis aus Grün­den des ver­fas­sungs­recht­lich beson­ders geschütz­ten Inter­es­se des Tier­schut­zes (Art.20 a GG) erfor­der­li­che Sach­kun­de nach­ge­wie­sen ist. Die Erlaub­nis kann nach § 11 Abs. Nr. 8 f) TierSchG hier unter bestimm­ten Auf­la­gen erteilt wer­den, auch wenn der Hun­de­trai­ner den Sach­kun­de­nach­weis bis­her nicht erbracht hat.

So hat auch im vor­lie­gen­den Fall der – fern­seh­be­kann­te – Hun­de­trai­ner eine Per­son benannt, die über eine von der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg erteil­te Erlaub­nis nach § 11 Abs. Nr. 8 f) TierSchG ver­fügt und die vor und wäh­rend der Show die Ver­ant­wor­tung für die Aus­bil­dung der Hun­de bzw. die Anlei­tung der Hun­de­hal­ter über­neh­men könn­te.

Das Rück­wir­kungs­ver­bot aus Art.20 Abs. 3 GG steht der Erlaub­nis­pflicht nicht ent­ge­gen. Die erst zum 1.08.2014 in Kraft getre­te­ne Vor­schrift des § 11 Abs. Nr. 8 f) TierSchG ist bereits mit dem drit­ten Ände­rungs­ge­set­zes zum Tier­schutz­ge­setz vom 04.07.20132 und damit über ein Jahr vor der geplan­ten Deutsch­land­tour­nee in das Tier­schutz­ge­setz auf­ge­nom­men wor­den. Die Län­ge der Über­gangs­frist ist recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – 11 ME 228/​14

  1. BT-Drs. 17/​11811, S. 29 []
  2. BGBl. I S. 2182 []