Die Ken­nen­lern­ter­mi­ne des Bundesnachrichtendienstes

Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst muss Jour­na­lis­ten auf Anfra­ge Aus­künf­te zu soge­nann­ten „Ken­nen­lern­ter­mi­nen“, nicht aber zu von Jour­na­lis­ten initi­ier­ten Ein­zel­ge­sprä­chen erteilen.

Die Ken­nen­lern­ter­mi­ne des Bundesnachrichtendienstes

Jour­na­lis­ten kön­nen auf der Grund­la­ge des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs der Pres­se aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­lan­gen, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) mit­teilt, wel­che Medi­en­ver­tre­ter aus Anlass sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne Zugang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin erhal­ten haben. Dem­ge­gen­über muss der BND nicht die Namen der Medi­en­ver­tre­ter und der von ihnen ver­tre­te­nen Medi­en nen­nen, mit denen er auf deren Initia­ti­ve Ein­zel­ge­sprä­che geführt hat.

Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge eines Jour­na­lis­ten und Redak­teurs einer Tages­zei­tung ent­schie­den. Die­ser bat den BND um Aus­kunft, wel­chen Medi­en­ver­tre­tern die­ser Zugang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin gewährt und mit wel­chen die­ser im Jahr 2019 ver­trau­li­che Ein­zel­ge­sprä­che geführt hat. Ziel des Aus­kunfts­be­geh­rens ist, Infor­ma­tio­nen über die Pres­se­ar­beit des BND und ins­be­son­de­re über die Pra­xis der Ein­zel­ge­sprä­che zu erhal­ten. Der BND hat vor­pro­zes­su­al nur einen Teil der Fra­gen beant­wor­tet. Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens hat er wei­te­re Fra­gen beant­wor­tet und unter ande­rem mit­ge­teilt, dass seit Anfang 2019 bis zur Aus­kunfts­er­tei­lung 44 Medi­en­ver­tre­ter um Ein­zel­ge­sprä­che nach­ge­sucht haben und 51 Ein­zel­ge­sprä­che geführt wor­den sind.

Mit sei­ner Kla­ge hat der Redak­teur Aus­kunft begehrt, wel­chen Medi­en­ver­tre­tern und wel­chen von ihnen ver­tre­te­nen Medi­en der BND seit dem 4.06.2019 an wel­chem Tag aus wel­chem Anlass Zugang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin gewährt hat und wel­che wei­te­ren schrift­li­chen Infor­ma­tio­nen dem BND zu dem jewei­li­gen Ter­min vor­lie­gen. Zudem hat er wis­sen wol­len, mit wel­chen Medi­en­ver­tre­tern der BND an wel­chem Tag ein Ein­zel­ge­spräch geführt hat und wel­che Medi­en die­se ver­tre­ten haben.

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Die Kla­ge, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ers­ter und letz­ter Instanz zu ent­schei­den hat, hat teil­wei­se Erfolg gehabt. Hin­sicht­lich des ers­ten Aus­kunfts­be­geh­rens hat der BND wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens mit­ge­teilt, dass er Medi­en­ver­tre­tern Zugang zu sei­ner Lie­gen­schaft nur aus Anlass von sog. Ken­nen­lern­ter­mi­nen gewährt hat. Inso­weit hat der BND den Aus­kunfts­an­spruch erfüllt und die Kla­ge war abzu­wei­sen. Dem­ge­gen­über hat­te die Kla­ge inso­weit Erfolg, als der BND dar­über Aus­kunft zu ertei­len hat, wel­chen Medi­en­ver­tre­tern er an wel­chem Tag zum Zwe­cke des Ken­nen­ler­nens Zugang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin gewährt hat. Dem Aus­kunfts­in­ter­es­se ste­hen schutz­wür­di­ge pri­va­te Inter­es­sen der betrof­fe­nen Jour­na­lis­ten und der von ihnen ver­tre­te­nen Medi­en nicht ent­ge­gen. Der Nen­nung ihrer Namen kann der BND nicht das Recher­che- und Redak­ti­ons­ge­heim­nis ent­ge­gen­hal­ten, weil die begehr­ten Aus­künf­te kei­nen Bezug zu einer kon­kre­ten Recher­che erken­nen las­sen und daher kei­ne Gefahr besteht, dass durch die Aus­künf­te über die Ken­nen­lern­ter­mi­ne kon­kre­te Recher­che­tä­tig­kei­ten auf­ge­deckt wer­den. Eben­so wenig steht das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht der Medi­en­ver­tre­ter ent­ge­gen, da die Aus­kunft deren auf Öffent­lich­keit ange­leg­te beruf­li­che Sphä­re betrifft.

Soweit der Redak­teur wei­te­re Aus­künf­te zu den Ein­zel­ge­sprä­chen begehrt hat, ist die Kla­ge erfolg­los geblie­ben. Soll­ten die Namen der Medi­en­ver­tre­ter und der von ihnen ver­tre­te­nen Medi­en sowie das Datum der Ein­zel­ge­sprä­che bekannt wer­den, bestün­de die Gefahr, dass die­se Infor­ma­tio­nen Rück­schlüs­se auf die kon­kre­ten Recher­che­tä­tig­kei­ten zulas­sen. Die­se Infor­ma­tio­nen kön­nen unter Berück­sich­ti­gung des zeit­li­chen Rah­mens, auf den sich das Aus­kunfts­be­geh­ren bezieht, und unter Ein­be­zie­hung von Ver­öf­fent­li­chun­gen der jewei­li­gen Medi­en­ver­tre­ter Anhalts­punk­te zu deren kon­kre­ten Recher­che­the­men geben. Dies stellt einen Ein­griff in das durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG geschütz­te Recher­che- und Redak­ti­ons­ge­heim­nis der betrof­fe­nen Medi­en­ver­tre­ter und Medi­en dar mit der Fol­ge, dass das eben­falls auf Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG beru­hen­de Aus­kunfts­in­ter­es­se des Redak­teurs im Rah­men der gebo­te­nen Abwä­gung der wider­strei­ten­den Inter­es­sen nicht überwiegt.

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