Die nicht wei­ter betrie­be­ne Kla­ge – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Gemäß § 92 Abs. 2 Satz 1 VwGO gilt die Kla­ge als zurück­ge­nom­men, wenn der Klä­ger das Ver­fah­ren trotz Auf­for­de­rung des Gerichts län­ger als zwei Mona­te nicht betreibt. In die­sen Fäl­len stellt das Gericht gemäß § 92 Abs. 3 Satz 1 VwGO das Ver­fah­ren durch Beschluss ein und spricht die Rechts­fol­ge der Zurück­nah­me aus. Der Beschluss ist unan­fecht­bar (§ 92 Abs. 3 Satz 2 VwGO).

Die nicht wei­ter betrie­be­ne Kla­ge – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Der Zuläs­sig­keit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de steht in einem sol­chen Fall der in § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG zum Aus­druck kom­men­de Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät ent­ge­gen [1]. Die­ser for­dert, dass ein Beschwer­de­füh­rer über das Gebot der Erschöp­fung des Rechts­wegs im enge­ren Sin­ne hin­aus alle nach Lage der Sache zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten ergreift, um eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen zu erwir­ken [2]. Die­ser Ver­pflich­tung ist der Beschwer­de­füh­rer nicht nach­ge­kom­men.

Der Beschwer­de­füh­rer wen­det sich mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens mit der Begrün­dung, sei­ne Kla­ge gel­te gemäß § 92 Abs. 2 Satz 1 VwGO als zurück­ge­nom­men. Bei Anwen­dung des § 92 Abs. 2 Satz 1 VwGO hat der Beschwer­de­füh­rer die Mög­lich­keit, beim Ver­wal­tungs­ge­richt einen Antrag auf Fort­set­zung des Ver­fah­rens zu stel­len, um das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen nach § 92 Abs. 2 VwGO gericht­lich über­prü­fen zu las­sen. Die Ver­wal­tungs­ge­rich­te haben in die­sem Ver­fah­ren durch Urteil zu ent­schei­den, ob das Ver­fah­ren durch Kla­ge­rück­nah­me been­det ist oder fort­ge­setzt wer­den muss [3].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2016 – 1 BvR 661/​13

  1. vgl. BVerfGE 81, 22, 27[]
  2. vgl. BVerfGE 107, 395, 414; 134, 106, 115; stRspr[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.07.1998 – 1 BvR 666/​98; vgl. Clausing in Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, § 92 Rn. 77, Stand Febru­ar 2016; Kopp/​Schenke, VwGO, 21. Aufl.2015, § 92 Rn. 26, 28[]