Die kon­takt­lo­se Dienst­leis­tung im Hundesalon

Die für den geschlos­se­nen Ein­zel­han­del zuge­las­se­ne Abhol­an­ge­bo­te (Click&Collect) muss auch ver­gleich­ba­ren Hun­de­sa­lons gestat­tet sein, da ansons­ten ein Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG vorliegt.

Die kon­takt­lo­se Dienst­leis­tung im Hundesalon

Mit die­ser Begrün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Vor­schrift in der Coro­na-Ver­ord­nung, die den Betrieb von Hun­de­sa­lons und Hun­de­fri­seur­lä­den ver­bie­tet (§ 1d Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 13 Abs. 1 Nr. 12 Coro­na­VO), mit sofor­ti­ger Wir­kung inso­weit außer Voll­zug gesetzt, als Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­te auch dann unter­sagt wer­den, wenn eine kon­takt­lo­se Über­ga­be der Hun­de inner­halb fes­ter Zeit­fens­ter erfolgt. Der Eil­an­trag der Inha­be­rin eines Hun­de­sa­lons gegen die aus­nahms­lo­se Betriebs­un­ter­sa­gung nach der Coro­na-Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung (Antrags­geg­ner) ist daher statt­ge­ge­ben worden.

Mit ihrem Antrag hat die Hun­de­sa­lon­be­trei­be­rin vor­ge­tra­gen, in ihrem Salon fän­den kei­ne einen Infek­ti­ons­weg begrün­den­den Kon­tak­te zwi­schen Men­schen statt. Sie habe bereits im März 2020 einen „Schleu­sen­be­trieb“ zur Über­ga­be der Tie­re ein­ge­rich­tet, der einen direk­ten Kon­takt zwi­schen ihr und den Kun­den ver­hin­de­re. Die Bezah­lung erfol­ge auf Rech­nung oder über ande­re Wege des kon­takt­lo­sen Zah­lens. Ter­mi­ne wür­den mit Puf­fer­zeit so ver­ge­ben, dass es kei­ne Kon­tak­te zwi­schen Kun­den gebe.

In sei­ner Ent­schei­dung ver­weist der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg dar­auf, dass mitt­ler­wei­le die Sach­la­ge eine ande­re sei als Anfang Janu­ar, als ein Eil­an­trag eines ande­ren Hun­de­sa­lons beim Ver­wal­tungs­ge­richts­hof erfolg­los blieb [1]. Denn inzwi­schen sei­en für den geschlos­se­nen Ein­zel­han­del Abhol­an­ge­bo­te (Click&Collect) zuge­las­sen. Ver­gleich­ba­res den Hun­de­sa­lons nicht zu gestat­ten, ver­sto­ße nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg gegen den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG. Ein sach­li­cher, im Infek­ti­ons­schutz wur­zeln­der Grund dafür, Ein­zel­han­dels­be­trie­ben Ver­triebs­for­men, die in der Art von „Click & Collect“-Angeboten weit­ge­hend kon­takt­los und ohne einen Kun­den­be­such im Laden­in­ne­ren statt­fän­den, zu gestat­ten, Inha­bern von Hun­de­sa­lons und Hun­de­fri­seur­be­trie­ben ähn­li­che Mög­lich­kei­ten zur Dienst­leis­tungs­er­brin­gung aber aus­nahms­los zu ver­bie­ten, sei nicht erkennbar.

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Dar­über hin­aus gin­gen das Robert-Koch-Insti­tut und die Bun­des­re­gie­rung gegen­wär­tig über­ein­stim­mend davon aus, dass es bis­her kei­ne Hin­wei­se dar­auf gebe, dass Haus­tie­re das neu­ar­ti­ge Coro­na­vi­rus über­tra­gen könn­ten. Bei der Über­tra­gung des Virus sei der Kon­takt von Mensch zu Mensch aus­schlag­ge­bend. Das unter­schei­de Hun­de­fri­sier­sa­lons auch von Fri­seur­be­trie­ben für Men­schen, die wei­ter­hin aus­nahms­los geschlos­sen sind.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 22.01.2021 – 1 S 139/​21

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 04.01.2021 – 1 S 4171/​20[]

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  • Hund: Bild­rech­te beim Autor