Kon­zes­si­ons­ver­ga­be für Sport­wet­ten

Das Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren stellt sich nicht als dis­kri­mi­nie­rungs­frei bzw. trans­pa­rent dar. Auch die kon­kre­ten Auf­ga­ben und Befug­nis­se des im Glücks­spiel­staats­ver­trag vor­ge­se­he­ne soge­nann­te „Glücks­spiel­kol­le­gi­um“ sind nicht hin­rei­chend trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar umschrie­ben.

Kon­zes­si­ons­ver­ga­be für Sport­wet­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Antrags einer in Öster­reich ansäs­si­gen Sport­wet­ten­an­bie­te­rin ent­schie­den, die Kon­zes­si­ons­ver­ga­be für Sport­wet­ten zu stop­pen. Auf Grund­la­ge des Glücks­spiel­staats­ver­tra­ges und des aktu­el­len Hes­si­schen Glücks­spiel­ge­set­zes ist das Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt, bun­des­weit für die Ver­ga­be von Kon­zes­sio­nen zur Ver­an­stal­tung von Sport­wet­ten zustän­dig. Die öster­rei­chi­sche Sport­wet­ten­an­bie­te­rin ist der Mei­nung, im Kon­zes­si­ons­ver­ga­be­ver­fah­ren durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt sei die Ein­hal­tung der in der aktu­el­len Fas­sung des Glücks­spiel­staats­ver­tra­ges ver­an­ker­ten Maß­stä­be für ein trans­pa­ren­tes und nicht dis­kri­mi­nie­ren­des Ver­ga­be­ver­fah­ren nicht gewähr­leis­tet, mit der Fol­ge, dass sie, die Antrag­stel­le­rin, durch die nun­mehr unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Ver­ga­be von Kon­zes­sio­nen an Mit­be­wer­ber Wett­be­werbs­nach­tei­le zu befürch­ten habe.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Darm­stadt ergä­be sich aus den vor­han­de­nen Unter­la­gen, dass das aktu­el­le Ver­ga­be­ver­fah­ren bereits bis jetzt nicht dis­kri­mi­nie­rungs­frei ver­lau­fen sei. So habe das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt im Som­mer 2019 die damals am Markt bekann­ten Sport­wett­an­bie­ter über das neue Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren vor­zei­tig infor­miert und zu einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung im August 2019 ein­ge­la­den. Für die damals nicht akti­ven Anbie­ter – ins­be­son­de­re aus ande­ren Mit­glieds­staa­ten der EU – sei zu die­sem Zeit­punkt kaum erkenn­bar gewe­sen, dass sie sich dies­be­züg­lich über die Home­page des Regie­rungs­prä­si­di­ums Darm­stadt über das neue Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren hät­ten infor­mie­ren kön­nen. Durch die früh­zei­ti­gen Hin­wei­se auf das geplan­te neue Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren sei­en für die bereits am Markt täti­gen Anbie­ter deut­li­che Vor­tei­le ent­stan­den.

Dar­über hin­aus stel­le sich das Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren auch des­halb als nicht dis­kri­mi­nie­rungs­frei bzw. trans­pa­rent dar, weil das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt auf Anfra­ge poten­zi­el­ler Inter­es­sen­ten dar­auf hin­ge­wie­sen habe, dass man einen Antrag auf Ver­rin­ge­rung der im Glücks­spiel­staats­ver­trag vor­ge­se­he­nen Sicher­heits­leis­tung in Höhe von fünf Mil­lio­nen Euro stel­len kön­ne, ohne mit­zu­tei­len, nach wel­chen Maß­stä­ben die­se Redu­zie­rung erfol­gen kön­ne.

Wei­ter sei zu bean­stan­den, dass kein ein­heit­li­cher Zeit­punkt für den gemein­sa­men Markt­ein­tritt der Kon­zes­si­ons­in­ha­ber fest­ge­legt wor­den sei.

Schließ­lich man­ge­le es dem Kon­zes­si­ons­ver­ga­be­ver­fah­ren auch des­halb an der erfor­der­li­chen Trans­pa­renz, weil das im Glücks­spiel­staats­ver­trag vor­ge­se­he­ne soge­nann­te „Glücks­spiel­kol­le­gi­um“, das aus 16 durch die Bun­des­län­der ent­sand­ten Mit­glie­dern bestehe, wei­ter­hin in die Kon­zes­si­ons­ver­ga­be ein­ge­bun­den blei­be. Die kon­kre­ten Auf­ga­ben und Befug­nis­se die­ses Kol­le­gi­ums sei­en nicht hin­rei­chend trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar umschrie­ben, obwohl das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt als zustän­di­ge Behör­de an die von dem Glücks­spiel­kol­le­gi­um gefass­ten Beschlüs­se inhalt­lich gebun­den sei.

Aus die­sen Grün­den hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt dem Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Regie­rungs­prä­si­di­um in Darm­stadt, auf­ge­ge­ben, im Rah­men des aktu­ell statt­fin­den­den Kon­zes­si­ons­ver­ga­be­ver­fah­rens vor­läu­fig kei­ne Kon­zes­sio­nen für Sport­wet­ten an teil­neh­men­de Bewer­ber zu ver­ge­ben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt, Beschluss vom 1. April 2020 – 3 L 446/​20.DA