Die Kos­ten einer rechts­wid­ri­gen Siche­rungs­haft

Ein Aus­län­der haf­tet nicht für die Kos­ten einer rechts­wid­ri­gen Siche­rungs­haft. Bei der Über­prü­fung eines Kos­ten­er­stat­tungs­be­schei­des müs­sen die Ver­wal­tungs­ge­rich­te daher inzi­dent auch die Recht­mä­ßig­keit der amts­ge­richt­li­chen Haft­an­ord­nung prü­fen, auf der die Haft­un­ter­brin­gung beruh­te.

Die Kos­ten einer rechts­wid­ri­gen Siche­rungs­haft

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall wur­de der Klä­ger, ein nige­ria­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, im August 2009 von Beam­ten der Bun­des­po­li­zei in Eisen­hüt­ten­stadt kon­trol­liert und gab sich unter Nen­nung fal­scher Per­so­na­li­en als kame­ru­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger aus. Wegen des Ver­dachts der ille­ga­len Ein­rei­se ver­füg­te die Bun­des­po­li­zei die Zurück­schie­bung des Klä­gers nach Kame­run und bean­trag­te die Ver­hän­gung von Siche­rungs­haft. Auf­grund amts­ge­richt­li­cher Anord­nun­gen befand sich der Klä­ger von August 2009 bis zu sei­ner krank­heits­be­ding­ten Ent­las­sung Ende Febru­ar 2010 in Siche­rungs­haft. Die Bun­des­po­li­zei for­der­te den Klä­ger zur Erstat­tung der aus Anlass der ein­ge­lei­te­ten Zurück­schie­bungs­maß­nah­men ent­stan­de­nen Kos­ten ein­schließ­lich der bis 5. Febru­ar 2010 ange­fal­le­nen Haft­kos­ten auf.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 2 teil­wei­se Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ist davon aus­ge­gan­gen, dass der Klä­ger nicht für die in der Zeit vom 5. Novem­ber 2009 bis 5. Febru­ar 2010 ange­fal­le­nen Haft­kos­ten in Höhe von 11.590,09 € haf­tet. Für die­sen Zeit­raum feh­le es an einer recht­mä­ßi­gen Haft­an­ord­nung, da dem Klä­ger im Novem­ber 2009 anläss­lich der Ent­schei­dung des Amts­ge­richts über die Ver­län­ge­rung der Siche­rungs­haft nicht der Haft­an­trag der Bun­des­po­li­zei aus­ge­hän­digt wor­den sei.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg im Ergeb­nis bestä­tigt und die Revi­si­on der Behör­de zurück­ge­wie­sen. Zwar muss ein Aus­län­der die Kos­ten, die durch eine Zurück­schie­bung ent­ste­hen, nach § 66 Auf­ent­halts­ge­setz selbst tra­gen. Davon wer­den auch Kos­ten für vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men wie eine Haft­un­ter­brin­gung zur Siche­rung einer beab­sich­tig­ten Zurück­schie­bung erfasst. Ein Anspruch auf Kos­ten­er­satz besteht aller­dings nicht, wenn die Haft­un­ter­brin­gung auf einer rechts­wid­ri­gen gericht­li­chen Haft­an­ord­nung beruht. Uner­heb­lich ist in dem der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit zuge­wie­se­nen Kos­ten­er­stat­tungs­ver­fah­ren, dass die Anord­nung einer Frei­heits­ent­zie­hung zur Siche­rung einer Zurück­schie­bung den ordent­li­chen Gerich­ten obliegt und der Aus­län­der gegen den Haft(verlängerungs)beschluss des Amts­ge­richts kei­ne Beschwer­de beim Land­ge­richt ein­ge­legt hat. Nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Gerichts­ver­fas­sungs­ge­setz ent­schei­det das Gericht des zuläs­si­gen Rechts­wegs den Rechts­streit unter allen in Betracht kom­men­den recht­li­chen Gesichts­punk­ten. Dies schließt auch rechts­weg­frem­de Vor­fra­gen ein, sofern gesetz­lich nicht aus­drück­lich etwas ande­res bestimmt ist und die an sich zustän­di­gen Gerich­te über die strei­ti­ge Vor­fra­ge nicht mit mate­ri­el­ler Rechts­kraft ent­schie­den haben. Für einen gesetz­li­chen Aus­schluss der Inzi­dent­kon­trol­le in Bezug auf Ent­schei­dun­gen in Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen ist nichts ersicht­lich. Auch erwach­sen die­se Ent­schei­dun­gen nicht in mate­ri­el­le Rechts­kraft, so dass ande­re Gerich­te an die recht­li­che Beur­tei­lung des Sach­ver­hal­tes nicht gebun­den sind.

Hier beruh­te die Haft­un­ter­brin­gung ab dem 5. Novem­ber 2009 schon des­halb auf einer rechts­wid­ri­gen Haft­an­ord­nung, weil dem maß­geb­li­chen Ver­län­ge­rungs­be­schluss des Amts­ge­richts kein hin­rei­chend begrün­de­ter Haft­an­trag zugrun­de lag.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2014 – 1 C 11.2014 -

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 28.05.2013 – 21 K 342.12[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 11.12.2013 – 3 B 17.13[]