Die Lärm­be­las­tung durch den ver­län­ger­ten Hori­zon­tal­an­flug

Die Unzu­mut­bar­keits­schwel­le einer Lärm­be­las­tung durch einen Flug­be­trieb wird durch das Flug­lärm­schutz­ge­setz defi­niert. Die­se Schwel­le ist auf­grund des vom Bun­des­auf­sichts­amt fest­ge­setz­ten, sog. ver­län­ger­ten Hori­zont­al­lan­de­an­flugs zum Flug­ha­fen Frank­furt Main nicht über­schrit­ten.

Die Lärm­be­las­tung durch den ver­län­ger­ten Hori­zon­tal­an­flug

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des Main-Kin­zig-Krei­ses und eines pri­va­ten Grund­ei­gen­tü­mers aus der Gemein­de Has­sel­roth (OT Nie­der­mitt­lau) gegen den ver­län­ger­ten Hori­zont­al­lan­de­an­flug auf die Süd­bahn (25L) und die Nord­west-Lan­de­bahn (25R) des Flug­ha­fens Frank­furt Main abge­wie­sen. Damit hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung bestä­tigt.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­ho­fes die­nen die durch Rechts­ver­ord­nung fest­zu­le­gen­den An- und Abflug­ver­fah­ren der siche­ren und flüs­si­gen Abwick­lung des Flug­ver­kehrs, des­sen Kapa­zi­tät durch das in einem geson­der­ten Ver­fah­ren zuvor plan­fest­ge­stell­te Vor­ha­ben zum Bau bzw. zum Aus­bau eines Flug­ha­fens bestimmt wird. Aber auch Lärm­be­lan­ge poten­zi­ell Betrof­fe­ner sei­en bei der Fest­le­gung bzw. bei der Ände­rung von An- und Abflug­ver­fah­ren in eine Abwä­gung ein­zu­stel­len, die das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung vor­zu­neh­men habe. Die­se Abwä­gung erfol­ge jedoch nicht nach den recht­li­chen Grund­sät­zen des Pla­nungs­rechts für den Bau bzw. Aus­bau eines Flug­ha­fens als sol­chen, bei dem sicher­heits­recht­li­che Vor­schrif­ten über die Fest­set­zung von Flug­ver­fah­ren nicht zu berück­sich­ti­gen sei­en.

Die Betei­li­gung Lärm­be­trof­fe­ner im Ver­fah­ren zur Fest­le­gung bzw. Ände­rung von Anund Abflug­ver­fah­ren wer­de durch die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Flug­lärm­kom­mis­si­on gewahrt. Wei­ter­ge­hen­de Betei­li­gungs­rech­te ergä­ben sich weder aus den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten des Pla­nungs­rechts noch aus den Rege­lun­gen zur Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung, die eben­falls schon im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren über Anla­ge oder Aus­bau eines Flug­ha­fens durch­zu­füh­ren sei.

Der Umfang der vom Bun­des­auf­sichts­amt anzu­stel­len­den Ermitt­lun­gen von betrof­fe­nen Lärm­be­lan­gen als auch die sach­li­che Recht­fer­ti­gung bei Fest­set­zung oder bei Ände­rung von An- und Abflug­ver­fah­ren sei nach stän­di­ger und gefes­tig­ter Recht­spre­chung davon abhän­gig, ob die dro­hen­de Lärm­be­las­tung die Unzu­mut­bar­keits­schwel­le erreicht oder gar über­schrei­tet. Die­se Schwel­le wer­de durch das Flug­lärm­schutz­ge­setz defi­niert, an des­sen Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof kei­ne Zwei­fel habe.

Im Fall der Klä­ger sei die Schwel­le zur Unzu­mut­bar­keit durch die Lärm­be­las­tun­gen auf­grund des vom Bun­des­auf­sichts­amt fest­ge­setz­ten, sog. ver­län­ger­ten Hori­zont­al­lan­de­an­flugs zum Flug­ha­fen Frank­furt Main nicht über­schrit­ten; auch sei dies zukünf­tig nicht zu erwar­ten. Die Fest­set­zung die­ses Anflug­ver­fah­rens infol­ge der Inbe­trieb­nah­me der Nord­west-Lan­de­bahn sei sach­lich auch beson­ders gerecht­fer­tigt. Die Ver­län­ge­rung des Hori­zont­al­lan­de­an­flugs und damit der Ein­dreh­be­rei­che in den End­an­flug wür­den weit­ge­hend durch die Lage der Lan­de­bah­nen einer­seits sowie durch den nörd­li­chen Gegen­an­flug ande­rer­seits bestimmt. Dies die­ne der siche­ren Durch­füh­rung der Anflü­ge, die auf zwei Lan­de­bah­nen par­al­lel und unab­hän­gig von­ein­an­der unter Beach­tung der Vor­ga­ben zu den ein­zu­hal­ten­den Sicher­heits­ab­stän­den durch­ge­führt wer­den müss­ten. Die von dem Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung dazu ange­stell­ten Erwä­gun­gen sei­en nach der Über­zeu­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs nicht zu bean­stan­den; ins­be­son­de­re kämen kei­ne zur Ver­kehrs­ab­wick­lung in glei­chem Maße geeig­ne­ten Alter­na­ti­ven in Betracht.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Okto­ber 2013 – 9 C 573/​12.T