Die Löschung eines Ein­trags in der Lost Art Daten­bank

Die Such­lis­te der Lost Art Daten­bank soll die Suche nach ver­schol­le­nen Kunst­gü­tern erleich­tern, die den Eigen­tü­mern infol­ge natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­fol­gungs­maß­nah­men zwi­schen 1933 und 1945 ent­zo­gen wor­den sind. Ist den Erben eines Kunst­wer­kes bekannt, wo es sich befin­det, ist der Zweck der Such­mel­dung erfüllt und der Ein­trag in der Lost Art Daten­bank zu löschen.

Die Löschung eines Ein­trags in der Lost Art Daten­bank

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ver­pflich­tung der Koor­di­nie­rungs­stel­le zur Löschung der Ein­tra­gung eines Gemäl­des durch das Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg bestä­tigt. Die Erben eines ehe­mals in Ber­lin ansäs­si­gen Gale­ris­ten und Kunst­händ­lers erwirk­ten im Jahr 2005 die Ein­tra­gung einer Such­mel­dung hin­sicht­lich eines Gemäl­des in die vom Kul­tus­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Sach­sen-Anhalt (Koor­di­nie­rungstel­le Mag­de­burg) im Inter­net betrie­be­ne Lost Art Daten­bank. Die Erben hat­ten zur Begrün­dung der Such­mel­dung erklärt, dass ihr Vor­fah­re wegen sei­nes jüdi­schen Glau­bens von den Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt wor­den sei und im April 1933 unter Ver­lust sei­nes Ver­mö­gens nach Frank­reich habe flie­hen müs­sen. Die zur Gale­rie gehö­ren­den Kunst­wer­ke sei­en auf Betrei­ben der Natio­nal­so­zia­lis­ten 1935 zu Schleu­der­prei­sen ver­stei­gert wor­den. Auch das hier in Rede ste­hen­de Gemäl­de sei nach 1935 ver­schol­len geblie­ben. Nach­dem das Gemäl­de im Jahr 2009 bei einem Pri­vat­mann in Süd­afri­ka auf­ge­fun­den wor­den war, bean­trag­ten die Erben die Löschung der Such­mel­dung in der Daten­bank. Dies wur­de von der Koor­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass im Jahr 2009 die Erben von jüdi­schen Gesell­schaf­tern eines ehe­mals in Ber­lin ansäs­si­gen Bank­hau­ses eben­falls Rech­te an dem Gemäl­de gel­tend gemacht und einer Löschung des Ein­tra­ges nicht zuge­stimmt hät­ten. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg [1] hat der Kla­ge der Erben des jüdi­schen Kunst­händ­lers statt­ge­ge­ben und die Koor­di­nie­rungs­stel­le zur Löschung der Ein­tra­gung ver­pflich­tet.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Sach­sen-Anhalt sol­le mit der Such­lis­te der Lost Art Daten­bank die Suche nach ver­schol­le­nen Kunst­gü­tern erleich­tert wer­den, wel­che den Eigen­tü­mern infol­ge natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­fol­gungs­maß­nah­men zwi­schen 1933 und 1945 ent­zo­gen wor­den sei­en (soge­nann­te Raub­kunst). Da alle Betei­lig­ten nun­mehr wüss­ten, wo sich das Gemäl­de befin­de, sei der Zweck der Such­mel­dung erfüllt und der Ein­trag des Gemäl­des zu löschen.

Die Klä­rung eigen­tums­recht­li­cher Fra­gen sei allein zwi­schen den­je­ni­gen her­bei­zu­füh­ren, die Rech­te an dem Kunst­werk gel­tend mach­ten. Die Auf­recht­erhal­tung der Ein­tra­gung stel­le eine Beein­träch­ti­gung der Rech­te der Klä­ger dar, da seriö­se Auk­ti­ons­häu­ser die Ver­stei­ge­rung eines Kunst­wer­kes, wel­ches auf­grund der Ein­tra­gung in der Lost Art Daten­bank im Ver­dacht ste­he, sog. Raub­kunst zu sein, im Regel­fall ablehn­ten.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt, Urteil vm 23. Okto­ber 2013 – 3 L 84/​12

  1. VG Mag­de­burg, Urteil vom 17.01.2012 – 7 A 326/​10 MD[]