Die mit Sal­mo­nel­len kon­ta­mi­nier­ten Fleischdrehspieße

Der Her­stel­ler von mit Sal­mo­nel­len kon­ta­mi­nier­ten Fleisch­dreh­spie­ßen muss die bereits in den Ver­kehr gebrach­ten Lebens­mit­tel zurück­neh­men. Es kommt nicht dar­auf an, ob eine Gesund­heits­ge­fähr­dung der End­ver­brau­cher durch ord­nungs­ge­mä­ßes Durch­ga­ren der Fleisch­dreh­spie­ße in den Gas­tro­no­mie­be­trie­ben ver­mie­den wer­den könnte.

Die mit Sal­mo­nel­len kon­ta­mi­nier­ten Fleischdrehspieße

Das hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge einer Lebens­mit­tel­her­stel­le­rin ent­schie­den, die Fleisch­dreh­spie­ße her­stellt und die­se in tief­ge­fro­re­nem Zustand an Gas­tro­no­mie­be­trie­be aus­lie­fert. Dort wer­den sie erhitzt und por­tio­niert an End­ver­brau­cher ver­kauft, etwa als Döner Kebab. Die Fleisch­dreh­spie­ße sind bei Aus­lie­fe­rung mit dem Hin­weis „Vor Ver­zehr voll­stän­dig durch­ga­ren!“ ver­se­hen. Nach dem Hygie­nekon­zept der Klä­ge­rin wer­den vor der Aus­lie­fe­rung stich­pro­ben­ar­tig Eigen­kon­trol­len vor­ge­nom­men und die Pro­ben mikro­bio­lo­gisch unter­sucht. Für den Fall einer Sal­mo­nel­len­fest­stel­lung sind unter­schied­li­che Maß­nah­men vor­ge­se­hen; eine zwin­gen­de Rück­nah­me der betrof­fe­nen Char­ge sieht das Kon­zept der Klä­ge­rin aber nicht vor. Sie ist der Auf­fas­sung, eine Bepro­bung im Her­stel­lungs­pro­zess betref­fe nur die Pro­zess­hy­gie­ne und müs­se daher zu Abhil­fe­maß­nah­men im Her­stel­lungs­ver­fah­ren füh­ren. Eine Rück­nah­me der Lebens­mit­tel sei indes nur ver­an­lasst, wenn die­se unsi­cher sei­en. Da unter Gas­tro­no­men bekannt sei, dass Fleisch­dreh­spie­ße durch­er­hitzt wer­den müss­ten und auf den Lebens­mit­teln auch ein ent­spre­chen­der Hin­weis ange­bracht wer­de, erwei­se sich das End­pro­dukt bei nor­ma­len Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen nicht als gesundheitsschädlich.

Nach­dem der Beklag­te das Hygie­nekon­zept der Klä­ge­rin bean­stan­det hat­te, erhob sie Kla­ge und begehr­te die Fest­stel­lung, dass sie nicht ver­pflich­tet sei, bei jedem Sal­mo­nel­len­be­fall zwin­gend die betrof­fe­ne Char­ge zurück­zu­neh­men und dies in ihrem Hygie­nekon­zept vor­zu­schrei­ben. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben [1]. Auf die Beru­fung des Beklag­ten hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof das Urteil geän­dert und die Kla­ge abge­wie­sen [2]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin ist vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg geblieben:

Die Pflich­ten eines Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mers in Bezug auf mikro­bio­lo­gi­sche Kri­te­ri­en erge­ben sich aus der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2073/​2005. Nach Art. 7 Abs. 2 die­ser Ver­ord­nung ist das Erzeug­nis oder die Par­tie Lebens­mit­tel gemäß Art. 19 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 vom Markt zu neh­men, wenn die Unter­su­chung anhand der Lebens­mit­tel­si­cher­heits­kri­te­ri­en unbe­frie­di­gen­de Ergeb­nis­se lie­fert. Sal­mo­nel­len dür­fen in Fleisch­zu­be­rei­tun­gen mit den vor­ge­se­he­nen Unter­su­chungs­ver­fah­ren nicht nach­weis­bar sein. Zur Gewähr­leis­tung der Lebens­mit­tel­si­cher­heit hat der Her­stel­ler sei­ne Pro­duk­te im abga­be­fer­ti­gen Zustand zu bepro­ben. Ergibt die vor­ge­schrie­be­ne Unter­su­chung eine unzu­läs­si­ge Kon­ta­mi­na­ti­on mit Sal­mo­nel­len, ist die betrof­fe­ne Par­tie vom Markt zu neh­men. Es kommt nicht dar­auf an, ob auch die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von Art. 19 und 14 VO (EG) Nr. 178/​2002 erfüllt sind. Damit kann sich die Klä­ge­rin gegen das Bestehen einer Rück­nah­me­pflicht nicht dar­auf beru­fen, dass die Dreh­spie­ße vor dem Ver­zehr des Flei­sches durch­zuga­ren sind und auf die­ses Erfor­der­nis in der Eti­ket­tie­rung hin­ge­wie­sen wird. Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 2073/​2005 ent­hält für mikro­bio­lo­gi­sche Kri­te­ri­en eine Spe­zi­al­re­ge­lung, mit der ein stren­ge­rer und prä­ven­ti­ver Ansatz ver­folgt wird. Mit dem Ver­weis auf Art. 19 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 wird ledig­lich auf die dort gere­gel­te Aus­for­mung der Pflich­ten des Lebens­un­ter­neh­mers bei dem vom-Markt-Neh­men des betrof­fe­nen Lebens­mit­tels Bezug genommen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. Okto­ber 2020 – 3 C 10.19

Die mit Salmonellen kontaminierten Fleischdrehspieße
  1. VG Augs­burg, Urteil vom 04.07.2017 – Au 1 K 16.1531[]
  2. BayVGH, Urteil vom 07.02.2019 – 20 BV 17.1560[]