Die Nach­bar­schaft behin­der­ter Men­schen

Durch eine geplan­te von behin­der­ten Men­schen selbst­be­stimm­te Wohn­ge­mein­schaft wer­den kei­ne Nach­bar­rech­te ver­letzt. Nach­barn müs­sen den Anblick und die Lebens­äu­ße­run­gen behin­der­ter Men­schen hin­neh­men.

Die Nach­bar­schaft behin­der­ter Men­schen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz die Kla­ge einer Eigen­tü­me­rin abge­wie­sen, in deren Nach­bar­schaft eine Wohn­an­la­ge für Behin­der­te geneh­migt wor­den ist. Die Klä­ge­rin ist Eigen­tü­me­rin eines Wohn­ge­bäu­des in Kal­tenen­gers. Es befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zu einem Gebiet der Orts­ge­mein­de St. Sebas­ti­an, das im Bebau­ungs­plan "Am Kal­tenen­ger­ser Weg III" als all­ge­mei­nes Wohn­ge­biet fest­ge­setzt ist. Die Pla­nung bezweckt, eine von behin­der­ten Men­schen selbst­be­stimm­te Wohn­ge­mein­schaft anzu­sie­deln. Auf Antrag eines pri­va­ten Unter­neh­mens erteil­te der Land­kreis May­en-Koblenz im ver­ein­fach­ten Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren drei Bau­ge­neh­mi­gun­gen zur Errich­tung von jeweils einem Wohn­haus zu die­sem Zweck. Außer­dem geneh­mig­te er ein Ser­vice­ge­bäu­de mit Bis­tro, Räu­men für ambu­lan­te Ange­bo­te, Ergo­the­ra­pie, Kurz­zeit­pfle­ge und Ver­wal­tung. Gegen alle vier Bau­ge­neh­mi­gun­gen erhob die Klä­ge­rin Wider­spruch und nach der Durch­füh­rung ver­schie­de­ner vor­läu­fi­ger Rechts­schutz­ver­fah­ren, die alle ohne Erfolg blie­ben, Untä­tig­keits­kla­ge.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz unter Hin­weis auf die Aus­füh­run­gen in den vor­an­ge­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren aus­ge­führt, die Bau­ge­neh­mi­gun­gen ver­letz­ten kei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te der Klä­ge­rin. Ins­be­son­de­re sei­en Vor­schrif­ten über die Gebiets­art nicht miss­ach­tet. Zudem sei­en die drei Wohn­häu­ser und das Bistro­ge­bäu­de auch nicht rück­sichts­los. Nach­barn müss­ten den Anblick und die Lebens­äu­ße­run­gen behin­der­ter Men­schen hin­neh­men. Es sei­en auch kei­ne erheb­li­chen Ver­kehrs­stö­run­gen zu erwar­ten. Auf­grund der Ent­fer­nung und Grö­ße der Gebäu­de gehe von die­sen kei­ne erdrü­cken­de Wir­kung auf die benach­bar­ten Wohn­häu­ser aus. Die Geneh­mi­gun­gen ver­stie­ßen auch nicht zum Nach­teil der Klä­ge­rin gegen Bestim­mun­gen zum Brand­schutz. Die Wohn­häu­ser sei­en im ver­ein­fach­ten Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zuge­las­sen wor­den, in denen Vor­schrif­ten des Brand­schut­zes nicht geprüft wür­den. Hin­sicht­lich des Ser­vice­ge­bäu­des sei für einen sol­chen Ver­stoß nichts ersicht­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 8. Mai 2014 – 1 K 1104/​13.KO