Die Neu­erschlie­ßung eines Grund­stücks

Das Erschlie­ßungs­bei­trags­recht, nament­lich § 131 Abs. 1 Bau­GB, bie­tet kei­nen Raum für eine Betrach­tung, wonach bei Weg­fall einer bis­lang vor­han­de­nen Erschlie­ßung und deren "Erset­zung" durch Her­stel­lung einer ande­ren Anbau­stra­ße, die das Grund­stück ander­wei­tig neu erschließt, "per sal­do" kei­ne einen Erschlie­ßungs­vor­teil begrün­den­de Ver­än­de­rung der Erschlie­ßungs­si­tua­ti­on vor­lie­ge 1.

Die Neu­erschlie­ßung eines Grund­stücks

Das Gesetz selbst hat in § 135 Abs. 2 bis 5 Bau­GB bestimm­te Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen nor­miert. Nach der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann die Gemein­de aus­nahms­wei­se (im Fal­le einer Ermes­sens­re­du­zie­rung auf Null) ver­pflich­tet sein, bereits bei der Her­an­zie­hung offen­sicht­lich erkenn­ba­re Här­te­grün­de von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen, sofern die­se aus sach­li­chen Grün­den einen (teil­wei­sen) Bil­lig­keits­er­lass i.S.v. § 135 Abs. 5 Bau­GB gebie­ten 2. Jedoch führt ein Ver­stoß gegen die­se Berück­sich­ti­gungs­pflicht nicht zur Rechts­wid­rig­keit eines gleich­wohl (unge­kürzt) erge­hen­den Erschlie­ßungs­bei­trags­be­scheids.

Den Gemein­den ist eine sat­zungs­recht­li­che Ver­tei­lungs­re­ge­lung gestat­tet, der­zu­fol­ge einem mehr­fach (durch die glei­che Art von bei­trags­fä­hi­gen Anla­gen) erschlos­se­nen Grund­stück eine Ver­güns­ti­gung mit der Fol­ge zu gewäh­ren ist, dass die­ses Grund­stück zu Las­ten der übri­gen Bei­trags­pflich­ti­gen nicht in vol­lem Umfang, son­dern nur zu einem Teil des­sel­ben an der Ver­tei­lung des umla­ge­fä­hi­gen Erschlie­ßungs­auf­wands teil­nimmt; dies liegt im Rah­men der Typi­sie­rungs­be­fug­nis des Sat­zungs­ge­bers und stellt kei­ne Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes dar 3. Dabei unter­liegt der Umfang der zuläs­si­gen Eck­grund­stücks­er­mä­ßi­gung bun­des­recht­li­chen Gren­zen 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Dezem­ber 2010 – 9 B 58.10

  1. wie BVerwG, Urteil vom 01.12.1989 – 8 C 52.88, Buch­holz 406.11 § 131 BBauG Nr. 82 S. 50[]
  2. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 12.09.1984 – 8 C 124.82, BVerw­GE 70, 96, 97 ff. = Buch­holz 406.11 § 135 BBauG Nr. 25 S. 25 f.; und vom 05.10.1984 – 8 C 41.83, KStZ 1985, 49, 50, (inso­weit in Buch­holz 406.11 § 135 BBauG Nr. 26 S. 31 f. nicht abge­druckt) []
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 08.10.1976 – 4 C 56.74, BVerw­GE 51, 158, 159 f. = Buch­holz 406.11 § 131 BBauG Nr. 18 S. 16 f., stRspr; vgl. auch Drie­haus, a.a.O. § 18 Rn. 76 ff.[]
  4. vgl. etwa BVerwG, Urtei­le vom 08.10.1976, a.a.O., S. 161 ff. bzw. S. 18 f.; und vom 03.02.1989 – 8 C 78.88, Buch­holz 406.11 § 131 BBauG Nr. 79 S. 32 und 35[]