Die nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­me­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und ihr Gegenstandswert

Der auf den Antrag des Rechts­an­walts des Beschwer­de­füh­rers hin fest­zu­set­zen­de Gegen­stands­wert ent­spricht bei einer nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­me­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Regel dem gesetz­li­chen Min­dest­be­trag nach § 37 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 2 RVG in Höhe von 5.000 €. 

Die nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­me­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und ihr Gegenstandswert

Die Höhe des Gegen­stands­werts für das Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren wird nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Ver­bin­dung mit § 14 Abs. 1 RVG bestimmt. Der Gegen­stands­wert ist danach unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de, ins­be­son­de­re der Bedeu­tung der Ange­le­gen­heit, des Umfangs und der Schwie­rig­keit der anwalt­li­chen Tätig­keit sowie der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Auf­trag­ge­bers nach bil­li­gem Ermes­sen zu ermit­teln und beträgt min­des­tens 5.000 €.

In objek­ti­ver Hin­sicht kommt auch dem Erfolg der Ver­fas­sungs­be­schwer­de für die Bemes­sung des Gegen­stands­werts Bedeu­tung zu. Wird die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, über sie also nicht inhalt­lich befun­den, ist es des­halb im Regel­fall nicht gerecht­fer­tigt, über den gesetz­li­chen Min­dest­wert hin­aus­zu­ge­hen1

Der vor­lie­gen­de Fall bot dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kei­nen Anlass, von die­ser Regel abzu­wei­chen: Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Anhalts­punk­te, die es gleich­wohl recht­fer­ti­gen könn­ten, für das Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren einen über den gesetz­li­chen Min­dest­be­trag hin­aus­ge­hen­den Gegen­stands­wert fest­zu­set­zen, sind durch den pau­scha­len Ver­weis des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Beschwer­de­füh­rers auf die Bedeu­tung für den Beschwer­de­füh­rer und die Schwie­rig­keit der Sach- und Rechts­la­ge – ins­be­son­de­re ange­sichts der weit­ge­hen­den Klä­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen im Bereich der Unter­su­chungs­haft – nicht dar­ge­tan und auch sonst nicht ersichtlich. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2021 – 2 BvR 200/​20

  1. vgl. BVerfGE 79, 365 <369> BVerfG, Beschluss vom 15.04.2013 – 1 BvR 1252/​03 2[]