Die Note 6 für eine schrift­li­che Prü­fungs­ar­beit

Eine Schu­le kann eine schrift­li­che Prü­fung, die eine Wie­der­ga­be eines aus­wen­dig gelern­ten Tex­tes dar­stellt, mit der Note 6 bewer­ten, und zwar unab­hän­gig davon, wel­che eigen­stän­di­gen Leis­tun­gen bei der Bear­bei­tung ande­rer Teil­auf­ga­ben erbracht wur­den.

Die Note 6 für eine schrift­li­che Prü­fungs­ar­beit

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Schü­lers abge­wie­sen, der gericht­lich eine bes­se­re Bewer­tung einer schrift­li­chen Prü­fungs­ar­beit errei­chen woll­te. Der Betref­fen­de hat­te sich im Mai/​Juni 2012 an der von ihm im Rah­men der Fach­ober­schu­le besuch­ten Max-Weber-Schu­le der Fach­hoch­schul­rei­fe­prü­fung unter­zo­gen. Sei­ne schrift­li­che Arbeit im Fach Eng­lisch wur­de mit der Note 6 bewer­tet. Gegen die­se Beno­tung zog er vor Gericht, weil die ihm dar­auf­hin gege­be­ne Gesamt­no­te man­gel­haft in Eng­lisch zusam­men mit sei­nen eben­falls man­gel­haf­ten Leis­tun­gen in Mathe­ma­tik zum Nicht­be­stehen der Fach­hoch­schul­rei­fe­prü­fung führ­te und wegen der man­gel­haf­ten Leis­tun­gen in zwei Fächern ein Aus­gleich nicht mög­lich war. Die Beno­tung sei­ner schrift­li­chen Arbeit im Fach Eng­lisch mit der Note 6 war damit begrün­det, dass er bei einer Teil­auf­ga­be einen – nach sei­ner Dar­stell­lung – aus­wen­dig gelern­ten Text einer Übungs­klau­sur wie­der­ge­ge­ben habe und damit gegen die Vor­ga­be der Ver­wen­dung eige­ner Wor­te ver­sto­ßen habe. Dies hielt der Klä­ger für rechts­feh­ler­haft und hat gegen das Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Lan­des­schul­amt, Abtei­lung Staat­li­ches Schul­amt für den Land­kreis Gie­ßen und den Vogels­berg­kreis geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen sei die Beno­tung der Arbeit des Klä­gers mit der Note 6 ange­sichts des den Prü­fern zuste­hen­den prü­fungs­spe­zi­fi­schen Beur­tei­lungs­spiel­rau­mes nicht zu bean­stan­den. Mit der Wie­der­ga­be eines aus­wen­dig gelern­ten Tex­tes wer­de den Anfor­de­run­gen nicht genügt, die ein Prüf­ling in der schrift­li­chen Prü­fung bewei­sen sol­le. Nach den Vor­ga­ben der Schu­le, gegen die das Gericht kei­ne Beden­ken äußer­te, wer­de die Wie­der­ga­be eines aus­wen­dig gelern­ten Tex­tes mit der Note 6 bewer­tet, und zwar unab­hän­gig davon, wel­che eigen­stän­di­gen Leis­tun­gen bei der Bear­bei­tung ande­rer Teil­auf­ga­ben erbracht wur­den. Die­se Vor­ga­ben waren auch jedem Schü­ler bekannt, weil sie mehr­fach auf unter­schied­li­che Wei­se und bei unter­schied­li­chen Gele­gen­hei­ten dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den sei­en. Auch in der zur schrift­li­chen Prü­fung damals aus­ge­hän­dig­ten Auf­ga­ben­stel­lung sei aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, nur eige­ne Wor­te zu ver­wen­den. Daher ist die Kla­ge abge­wie­sen wor­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, Urteil vom 3. Juli 2013 – 7 K 3318/​12.GI