Die Nut­zung eines Schul­ho­fes am Nach­mit­tag

Die von einem Schul­hof aus­ge­hen­den Lärm­im­mis­sio­nen, die bei Berück­sich­ti­gung des Gebots der Rück­sicht­nah­me auf die Nach­bar­schaft durch die außer­schu­li­sche Nut­zung ent­ste­hen, sind den Nach­barn zumut­bar. Dar­über hin­aus steht der Kin­der­lärm grund­sätz­lich unter einem beson­de­ren Tole­ranz­ge­bot der Gesell­schaft und ist als sozi­al­ad­äquat von der Nach­bar­schaft hin­zu­neh­men.

Die Nut­zung eines Schul­ho­fes am Nach­mit­tag

Mit die­ser Begrün­dung ist in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Ehe­paa­res vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz abge­wie­sen wor­den, mit der die Klä­ger bei der Nut­zung des Schul­ho­fes der sich in der Nach­bar­schaft befin­den­den Grund­schu­le die Ein­hal­tung der zuläs­si­gen Grenz­wer­te für Lärm­im­mis­sio­nen in einem Wohn­ge­biet begehr­ten. Die Grund­schu­le in der Orts­ge­mein­de Kirch­wald ver­fügt neben dem Gebäu­de und einer Gym­nas­tik­hal­le über einen Schul­hof, der seit 1997 auch außer­halb der Unter­richts­zeit zum Spie­len genutzt wer­den darf. Es wur­den ein Tisch und zwei Bän­ke auf­ge­stellt sowie ein Bas­ket­ball­korb auf­ge­hängt. Ein Ehe­paar, das in der Nach­bar­schaft lebt, stört schon seit Jah­ren der Lärm, der durch die Nut­zung des Schul­ho­fes am Nach­mit­tag ver­ur­sacht wird. Im Jah­re 2005 ließ die Orts­ge­mein­de auf dem Schul­hof ein Hin­weis­schild fol­gen­den Inhalts anbrin­gen: „Ball­spie­le sind außer­halb der Schul­zeit nur mit Soft­bäl­len erlaubt. Ball­spie­le sind ver­bo­ten an Sonn- und Fei­er­ta­gen, zwi­schen 13:00 Uhr und 15:00 Uhr und nach 19:00 Uhr“. Auch in der Fol­ge­zeit mach­ten die Klä­ger immer wie­der Stö­run­gen ihrer Wohn­ru­he gel­tend und erho­ben schließ­lich beim Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz Kla­ge um sicher­zu­stel­len, dass bei der Nut­zung des Schul­ho­fes die für Lärm­im­mis­sio­nen in einem Wohn­ge­biet zuläs­si­gen Grenz­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den und der Schul­hof nicht als Park­platz bei Ver­an­stal­tun­gen genutzt wird.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz sei­en die der­zeit vom Schul­hof der Grund­schu­le in Kirch­wald aus­ge­hen­den Lärm­im­mis­sio­nen, die durch die außer­schu­li­sche Nut­zung ent­stün­den, dem Ehe­paar zumut­bar. Die Orts­ge­mein­de Kirch­wald habe die Nut­zung des Schul­ho­fes für Ball­spie­le außer­halb der Schul­zeit dem Gebot der Rück­sicht­nah­me ent­spre­chend nach­bar­ver­träg­lich gere­gelt. Sie habe ins­be­son­de­re die Zei­ten, an denen der Platz genutzt wer­den dür­fe, in ver­tret­ba­rer Wei­se fest­ge­legt. Wür­den die­se Maß­ga­ben ein­ge­hal­ten, sei­en kei­ner­lei erheb­li­che Beein­träch­ti­gun­gen der Nach­barn zu erwar­ten.

Dabei sei der Kin­der­lärm als sol­cher aus­zu­blen­den; er ste­he grund­sätz­lich unter einem beson­de­ren Tole­ranz­ge­bot der Gesell­schaft und sei als sozi­al­ad­äquat von der Nach­bar­schaft hin­zu­neh­men.

Ein even­tu­el­ler Miss­brauch des Schul­ho­fes kön­ne der Kom­mu­ne nicht zuge­rech­net wer­den. Die Orts­ge­mein­de sei nicht ver­ant­wort­lich für Trink­ge­la­ge auf dem Schul­hof oder wenn Drit­te Bäl­le gegen den Roll­la­den des Wohn­zim­mer­fens­ters der Klä­ger wer­fen. Fer­ner habe das Ver­wal­tungs­ge­richt ange­sichts vor­ge­leg­ter Bele­gungs­plä­ne kei­nen Grund anzu­neh­men, der Schul­hof wer­de als Park­platz bei Ver­an­stal­tun­gen in der Gym­nas­tik­hal­le über­mä­ßig genutzt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2012 – 7 K 985/​11.KO