Die Pfle­ge kran­ker Schwä­ne

Da es durch natur- und tier­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen erlaubt ist, ver­letz­te, hilf­lo­se und kran­ke Tie­re auf­zu­neh­men und gesund zu pfle­gen, kann ein unein­ge­schränk­tes Ver­bot, wild­le­ben­de Schwä­ne ein­zu­fan­gen, nur Bestand haben, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für ein natur- oder tier­schutz­wid­ri­ges Ver­hal­ten vor­lie­gen.

Die Pfle­ge kran­ker Schwä­ne

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall die gegen­über dem Vor­sit­zen­den eines Ver­eins, der sich um die Betreu­ung kran­ker Schwä­ne küm­mert, aus­ge­spro­che­ne Unter­sa­gungs­ver­fü­gung auf­ge­ho­ben. Der beklag­te Land­kreis hat­te dem Klä­ger mit Ver­fü­gung vom 3. April 2013 unter Andro­hung von Zwangs­geld das Aneig­nen und Ein­fan­gen wild­le­ben­der Schwä­ne unter­sagt und dabei zur Begrün­dung ange­führt, der Klä­ger habe in der Ver­gan­gen­heit in einer Viel­zahl von Fäl­len dadurch, dass er Schwä­ne in Besitz genom­men habe, die­se in der Fol­ge zum Teil hal­tungs­be­ding­te Krank­heits­bil­der auf­ge­wie­sen hät­ten und zum Teil nicht recht­zei­tig aus­ge­wil­dert wor­den sei­en, gegen jagd- und natur­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen ver­sto­ßen. Dage­gen wand­te der Klä­ger ein, sich nie­mals Schwä­ne ange­eig­net, son­dern ledig­lich ver­letz­te, kran­ke Schwä­ne auf­ge­nom­men, gepflegt und anschlie­ßend wie­der aus­ge­wil­dert zu haben. Zudem ver­wies er dar­auf, dass er in einer Viel­zahl von Fäl­len von deut­schen und luxem­bur­gi­schen Behör­den zu Hil­fe geru­fen wor­den sei.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier dar­auf ver­wie­sen, dass in Anbe­tracht von natur- und tier­schutz­recht­li­chen Bestim­mun­gen, die es u.a. zulie­ßen, ver­letz­te, hilf­lo­se und kran­ke Tie­re auf­zu­neh­men und gesund zu pfle­gen, ein unein­ge­schränk­tes Ver­bot, wild­le­ben­de Schwä­ne ein­zu­fan­gen nur dann Bestand haben kön­ne, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für ein natur- oder tier­schutz­wid­ri­ges Ver­hal­ten vor­lä­gen. An sol­chen kon­kre­ten Anhalts­punk­ten feh­le es jedoch, da nicht ersicht­lich sei, wo und wann der Klä­ger kon­kret gegen natur- oder tier­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen ver­sto­ßen haben sol­le. Die in der Ver­fü­gung pau­schal auf­ge­stell­te Behaup­tung, dass der Klä­ger in der Ver­gan­gen­heit in einer Viel­zahl von Fäl­len gegen sol­che Vor­schrif­ten ver­sto­ßen habe, wer­de nicht durch kon­kre­te Fak­ten belegt. Zudem las­se die Begrün­dung der Ver­fü­gung den Umstand unbe­rück­sich­tigt, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in einem vor­an­ge­gan­ge­nen, den Ver­ein betref­fen­den Ver­fah­ren aus­ge­führt habe, dass die Schwa­nen­be­treu­ung durch den Ver­ein ein­schrän­kungs­los als posi­tiv zu beur­tei­len sei und ein erheb­li­cher Bedarf an der Tätig­keit des Ver­eins gese­hen wer­de. Ange­sichts die­ser Fest­stel­lun­gen sei die Begrün­dung der strei­ti­gen Ver­fü­gung unzu­rei­chend. Dass der Klä­ger als Ver­eins­vor­sit­zen­der zwi­schen­zeit­lich sein Ver­hal­ten so grund­le­gend ver­än­dert haben sol­le, dass durch ihn nun­mehr erheb­li­che Gefah­ren für Schwä­ne aus­ge­löst wür­den, sei ihr nicht zu ent­neh­men.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 20. Novem­ber 2013 – 5 K 966/​13.TR