Die Pflicht des Land­ta­ges zur Infor­ma­ti­ons­her­aus­ga­be

Lie­gen kei­ne beson­de­ren, nach dem Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­ge­setz für das Land Schles­wig-Hol­stein vor­ge­se­he­nen Grün­de vor, die einer Infor­ma­ti­ons­her­aus­ga­be ent­ge­gen­ste­hen, ist der Land­tag ver­pflich­tet, eine Über­sicht über alle vom Wis­sen­schaft­li­chen Dienst des Land­tags gefer­tig­ten Gut­ach­ten aus einer abge­lau­fe­nen Legis­la­tur­pe­ri­ode her­aus­zu­ge­ben. Eine in das Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­ge­setz ein­ge­füg­te Aus­nah­me­re­ge­lung für die gut­ach­ter­li­che und rechts­be­ra­ten­de Tätig­keit des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes gegen­über den Frak­tio­nen muss so aus­ge­legt wer­den, dass die­se nur für die lau­fen­de Legis­la­tur­pe­ri­ode gilt.

Die Pflicht des Land­ta­ges zur Infor­ma­ti­ons­her­aus­ga­be

Mit die­ser Begrün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Prä­si­den­ten des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Land­tags zur Her­aus­ga­be von Gut­ach­ten sei­nes Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes aus der abge­lau­fe­nen 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode ver­pflich­tet und damit der Kla­ge eines Bür­gers statt­ge­ge­ben. Der Bür­ger inter­es­sier­te sich für eine Über­sicht über alle vom Wis­sen­schaft­li­chen Dienst des Land­tags gefer­tig­ten Gut­ach­ten aus der (im Juni 2017) abge­lau­fe­nen 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode. Nach­dem sei­ne Kla­ge in der ers­ten Instanz wegen Unzu­läs­sig­keit abge­lehnt wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass der Klä­ger einen Anspruch aus dem Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­ge­setz für das Land Schles­wig-Hol­stein habe. Bei dem Land­tags­prä­si­den­ten han­de­le es sich um eine aus­kunfts­pflich­ti­ge Stel­le, da es sich bei ihm um eine Behör­de han­de­le, in der auch der Wis­sen­schaft­li­che Dienst ange­sie­delt sei.

Außer­dem müs­se eine im Lau­fe des Ver­fah­rens vom Land­tag – als Gesetz­ge­bungs­or­gan – in das Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­ge­setz ein­ge­füg­te Aus­nah­me­re­ge­lung für die gut­ach­ter­li­che und rechts­be­ra­ten­de Tätig­keit des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes gegen­über den Frak­tio­nen so aus­ge­legt wer­den, dass die­se nur für die lau­fen­de Legis­la­tur­pe­ri­ode gel­te. Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts wäre ein zeit­lich unbe­grenzt wir­ken­der Aus­schluss mit dem Trans­pa­renz­ge­bot in Arti­kel 53 der Lan­des­ver­fas­sung nicht ver­ein­bar.

Dar­über hin­aus konn­ten beson­de­re im Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­ge­setz vor­ge­se­he­ne Grün­de, die Her­aus­ga­be der Infor­ma­tio­nen zu ver­wei­gern, vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt anhand der Dar­le­gun­gen des Beklag­ten nicht fest­ge­stellt wer­den.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Juli 2020 – 4 LB 45/​17