Die Qua­ran­tä­ne eines Schülers

Zu den Kon­takt­per­so­nen der Kate­go­rie I zählt auch ein Schü­ler, der eine Unter­richts­stun­de (45 Minu­ten) mit einer posi­tiv auf den Krank­heits­er­re­ger SARS-CoV‑2 getes­te­ten Lehr­kraft in einem durch­gän­gig gelüf­te­ten Klas­sen­zim­mer ver­bracht hat.

Die Qua­ran­tä­ne eines Schülers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall den gegen die Qua­ran­tä­nean­ord­nung gerich­te­ten Antrag eines Schü­lers im Eil­ver­fah­ren abge­lehnt. Das Gesund­heits­amt der Stadt Düs­sel­dorf hat­te ange­ord­net, dass eine häus­li­che Qua­ran­tä­ne von 14 Tagen ein­zu­hal­ten ist. Dage­gen hat sich der Antrag­stel­ler gewährt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf auf das Robert-Koch-Insti­tuts (RKI) ver­wie­sen. Danach wer­den Per­so­nen, die sich gemein­sam mit einer infi­zier­ten Per­son in einem Zeit­raum von mehr als 30 Minu­ten inner­halb eines geschlos­se­nen Rau­mes mit schlech­ter Belüf­tung auf­ge­hal­ten haben, unab­hän­gig vom Abstand zu der Per­son und vom Tra­gen einer Mund-Nase-Bede­ckung den Kon­takt­per­so­nen der Kate­go­rie I zuge­ord­net, für die das RKI eine häus­li­che Qua­ran­tä­ne von 14 Tagen emp­fiehlt. Der Schü­ler sei vom Gesund­heits­amt zu Recht als Kon­takt­per­son der Kate­go­rie I ein­ge­stuft wor­den. Es sei zwar mög­lich, dass wegen des kon­stan­ten Lüf­tens des Klas­sen­rau­mes durch das Offen­hal­ten jeweils eines Flü­gels von drei Flü­gel­fens­tern und der gegen­über­lie­gen­den Klas­sen­zim­mer­tü­re eine gewis­se Reduk­ti­on des Infek­ti­ons­ri­si­kos erreicht wor­den sei. Ob die Lüf­tung aus­rei­chend gewe­sen sei, kön­ne im Rah­men der effek­ti­ven Gefah­ren­ab­wehr aber nicht beur­teilt wer­den. So hän­ge der durch Lüf­tung erreich­ba­re Luft­aus­tausch von der Wit­te­rung und dem kon­kre­ten Ver­hal­ten ab. Hier sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass durch die Kon­takt­dau­er von 45 Minu­ten der vom RKI vor­ge­ge­be­ne Wert von 30 Minu­ten um 50% über­schrit­ten wor­den sei. Zudem dürf­te es zu einer Aero­sol­ver­brei­tung durch mensch­li­che Bewe­gung bei Umher­ge­hen der Lehr­kraft im Klas­sen­zim­mer trotz Tra­gens einer Mund-Nase-Bede­ckung gekom­men sein.

Außer­dem hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf betont, dass eine Abwä­gung der betrof­fe­nen Grund­rech­te und Rechts­gü­ter zu dem Ergeb­nis füh­re, dass das öffent­li­che Inter­es­se an dem Schutz von Leben und Gesund­heit der Bevöl­ke­rung und der Siche­rung des Gesund­heits­sys­tems eine kurz­zei­ti­ge Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit rechtfertige.

Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 16. Okto­ber 2020 – 7 L 2038/​20

Die Quarantäne eines Schülers