Die Schlie­ßung eines Bewe­gungs­ba­des

Ein bean­trag­ter gericht­li­cher Eil­rechts­schutz durch die Ver­tre­ter eines Bür­ger­be­geh­ren, mit dem die Schlie­ßung eines Bades durch den Bür­ger­meis­ter abge­wen­det wer­den soll, hat dann kei­nen Erfolg, wenn das Bür­ger­be­geh­ren nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spricht.

Die Schlie­ßung eines Bewe­gungs­ba­des

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Eil­an­tra­ges gegen die Schlie­ßung des Bewe­gungs­ba­des in Bad Müns­ter. Der Stadt­rat der Stadt Bad Müns­ter am Stein-Ebern­burg beschloss am 19. Juni 2012, am kom­mu­na­len Ent­schul­dungs­fonds teil­zu­neh­men. Als eine von meh­re­ren Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men ist die Schlie­ßung des städ­ti­schen Bewe­gungs­ba­des ab Okto­ber 2012 vor­ge­se­hen. Hier­ge­gen rich­te­te sich ein Bür­ger­be­geh­ren, das den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern fol­gen­de Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­le­gen woll­te: „Wol­len Sie, dass das der Stadt Bad Müns­ter am Stein-Ebern­burg gehö­ren­de Bewe­gungs­bad bis zur Gewähr­leis­tung eines ganz­jäh­ri­gen Bade­be­triebs im Frei­bad geöff­net bleibt?“ Obwohl die erfor­der­li­chen Unter­schrif­ten für das Begeh­ren gesam­melt wor­den waren, ließ der Stadt­rat das Bür­ger­be­geh­ren nicht zu. Die Ver­tre­ter des Bür­ger­be­geh­rens bean­trag­ten gericht­li­chen Eil­rechts­schutz, um die Schlie­ßung des Bewe­gungs­ba­des am 1. Okto­ber 2012 durch die Bür­ger­meis­te­rin vor­läu­fig abzu­wen­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ent­spre­che das Bür­ger­be­geh­ren nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Die von ihm for­mu­lier­te Fra­ge gebe nicht prä­zi­se zu erken­nen, ob ledig­lich die Auf­recht­erhal­tung des Bewe­gungs­ba­des Gegen­stand des Bür­ger­be­geh­rens sei oder ob dar­über hin­aus gleich­zei­tig fest­ge­legt wer­den soll, dass im Frei­bad ein ganz­jäh­ri­ger Bade­be­trieb zu gewähr­leis­ten sei. Da die Fra­ge eines ganz­jäh­ri­gen Bade­be­trie­bes im Frei­bad nicht Gegen­stand des Stadt­rats­be­schlus­ses vom 19. Juni 2012 gewe­sen sei, das Bür­ger­be­geh­ren sich aber gegen die­sen Beschluss rich­te, habe es zudem zwei Fra­ge­stel­lun­gen in einer Fra­ge inhalt­lich mit­ein­an­der ver­knüpft, näm­lich ob das Bewe­gungs­bad wei­ter­be­trie­ben und ob im Frei­bad ein ganz­jäh­ri­ger Bade­be­trieb geschaf­fen wer­den sol­le. Die­se Ver­knüp­fung sei recht­lich bedenk­lich. Denn der Bür­ger­schaft wer­de die Mög­lich­keit genom­men, die bei­den unter­schied­li­chen Fra­gen selb­stän­dig mit „ja“ oder „nein“ zu beant­wor­ten.

Es bestün­den eben­falls erheb­li­che Zwei­fel, ob das Bür­ger­be­geh­ren über einen aus­rei­chen­den Kos­ten­de­ckungs­vor­schlag ver­fü­ge. Die­ses gesetz­li­che Erfor­der­nis die­ne dazu, der Bür­ger­schaft die finan­zi­el­le Selbst­ver­ant­wor­tung für die Ent­schei­dung deut­lich vor Augen zu füh­ren. Des­we­gen müss­ten dem Begeh­ren eine min­des­tens über­schlä­gi­ge Kos­ten­schät­zung und ein recht­mä­ßi­ger Vor­schlag zur Finan­zie­rung der Kos­ten der Ein­rich­tung bei­gefügt sein. Die hier­zu in dem Bür­ger­be­geh­ren getä­tig­ten Anga­ben sei­en nicht aus­rei­chend, da die Schlie­ßung des Bewe­gungs­ba­des aus­weis­lich der Ent­schei­dung des Stadt­ra­tes in einem untrenn­ba­ren Zusam­men­hang mit der Teil­nah­me der Stadt am kom­mu­na­len Ent­schul­dungs­fonds Rhein­land-Pfalz (KEF-RP) ste­he. Ange­sichts des­sen hät­te das Begeh­ren auf­zei­gen müs­sen, ob beim Wei­ter­be­trieb des Bades die Teil­nah­me am KEF-RP auf­ge­ge­ben wer­de oder ob ande­re gleich­wer­ti­ge Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men von der Stadt zu ergrei­fen sei­en. Dies sei nicht nach­voll­zieh­bar gesche­hen. Es sei näm­lich nicht zu erken­nen, ob die vom Bür­ger­be­geh­ren vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men geeig­net sei­en, den für die Teil­nah­me am KEF-RP not­wen­di­gen Kon­so­li­die­rungs­bei­trag in ver­gleich­ba­rer Wei­se wie die vom Stadt­rat beschlos­se­ne Schlie­ßung des Bewe­gungs­ba­des zu erbrin­gen. Des­halb dür­fe der Rats­be­schluss vom 19. Juni 2012 von der Bür­ger­meis­te­rin vor­läu­fig voll­zo­gen wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 28. Sep­tem­ber 2012 – 1 L 891/​12.KO