Die Schlie­ßung von Shi­sha-Bars wegen Coro­na

Lie­gen kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se vor, wonach die Infek­ti­ons­ge­fahr beim Aus­stoß von Atem­luft beim Kon­sum einer Shi­sha-Pfei­fe gegen­über dem gewöhn­li­chen Aus­at­men in rele­van­ter Wei­se erhöht ist oder dass Shi­sha-Bars soge­nann­te Hot­spots der Virus­ver­brei­tung sein könn­ten, ist die coro­nabe­ding­te Anord­nung der Schlie­ßung von Shi­sha-Bars außer Voll­zug zu set­zen.

Die Schlie­ßung von Shi­sha-Bars wegen Coro­na

So hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Restau­rant­be­trei­be­rin aus Han­no­ver ent­schie­den, bei der in der Ver­gan­gen­heit auch Shi­sha-Pfei­fen zum Kon­sum ange­bo­ten wor­den sind. Mit ihrem Nor­men­kon­troll­ei­lver­fah­ren hat sie gel­tend gemacht, die vom Land Nie­der­sach­sen ver­ord­ne­te voll­stän­di­ge Schlie­ßung von Ein­rich­tun­gen, in denen Shi­sha-Pfei­fen zum Kon­sum ange­bo­ten wer­den, sei als infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Schutz­maß­nah­me nicht mehr not­wen­dig (§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der (6.) Nie­der­säch­si­schen Ver­ord­nung zur Neu­ord­nung der Maß­nah­men gegen die Aus­brei­tung des Coro­na-Virus SARS-CoV‑2 vom 10. Juli 2020). Die nie­der­säch­si­schen Ver­ord­nungs­re­ge­lun­gen zu ande­ren Geschäfts­be­rei­chen und die Ver­ord­nungs­re­ge­lun­gen ande­rer Bun­des­län­der zu Shi­sha-Bars zeig­ten, dass gege­be­nen Infek­ti­ons­ge­fah­ren durch Hygie­nekon­zep­te und ande­re Beschrän­kun­gen hin­rei­chend begeg­net wer­den kön­ne.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sind zwar die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ein staat­li­ches Han­deln auch ange­sichts des aktu­el­len Infek­ti­ons­ge­sche­hens wei­ter­hin erfüllt. Die zustän­di­gen Infek­ti­ons­schutz­be­hör­den sind aller­dings ver­pflich­tet, die Schutz­maß­nah­men fort­lau­fend zu über­prü­fen und zu hin­ter­fra­gen, ob es ange­sichts neu­er Erkennt­nis­se etwa zu den Ver­brei­tungs­we­gen des Virus oder zur Gefahr einer Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems ver­ant­wor­tet wer­den kann, die Schlie­ßung unter – gege­be­nen­falls stren­gen – Auf­la­gen wei­ter zu lockern. Die­ser Ver­pflich­tung sei das Nie­der­säch­si­sche Minis­te­ri­um für Sozia­les, Gesund­heit und Gleich­stel­lung nicht nach­ge­kom­men. Es habe die zuletzt in § 1 Abs. 3 Nr. 1 der (5.) Coro­na-VO ange­ord­ne­te Schlie­ßung von Ein­rich­tun­gen, in denen Shi­sha-Pfei­fen zum Kon­sum ange­bo­ten wer­den, in § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der (6.) Coro­na-VO unver­än­dert fort­ge­schrie­ben. Dabei habe das Minis­te­ri­um aber kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se prä­sen­tiert, wonach die Infek­ti­ons­ge­fahr beim Aus­stoß von Atem­luft beim Kon­sum einer Shi­sha-Pfei­fe gegen­über dem gewöhn­li­chen Aus­at­men in rele­van­ter Wei­se erhöht sei. Das Minis­te­ri­um habe zudem nicht dar­ge­tan, dass etwai­gen erhöh­ten Infek­ti­ons­ge­fah­ren nicht durch gege­be­nen­falls stren­ge Auf­la­gen im Rah­men eines Hygie­nekon­zepts (Pflicht zur Begren­zung und Steue­rung der Zahl der Besu­cher, Abstands­re­geln, Vor­ga­ben für eine regel­mä­ßi­ge Be- und Ent­lüf­tung der Räum­lich­kei­ten, Ver­bot der gemein­sa­men Benut­zung ein und der­sel­ben Shi­sha durch meh­re­re Per­so­nen zum Rau­chen, Pflicht zur Ver­wen­dung neu­er (Einweg-)Mundstücke und ‑schläu­che bei jedem Nut­zer sowie zur Rei­ni­gung und Des­in­fek­ti­on jeder Shi­sha nach Ende des Gebrauchs, Kon­takt­da­ten­er­he­bungs- und ‑doku­men­ta­ti­ons­pflicht) hin­rei­chend effek­tiv begeg­net wer­den kön­ne.

Nach­voll­zieh­ba­re Anhalts­punk­te dafür, dass Shi­sha-Bars soge­nann­te Hot­spots der Virus­ver­brei­tung sein könn­ten, ergä­ben sich weder aus bis­he­ri­gen Ereig­nis­sen in Nie­der­sach­sen noch in ande­ren Bun­des­län­dern, in denen die Shi­sha-Bars seit gerau­mer Zeit wie­der mit Beschrän­kun­gen öff­nen dürf­ten.

Aus die­sen Grün­den hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Coro­na-VO vor­läu­fig außer Voll­zug gesetzt, soweit danach Ein­rich­tun­gen, in denen Shi­sha-Pfei­fen zum Kon­sum ange­bo­ten wer­den, für den Publi­kums­ver­kehr und Besu­che geschlos­sen sind.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Juli 2020 – 13 MN 272/​20