Die Sire­ne auf dem Dach

Nach dem Gesetz über den Feu­er­schutz und die Hil­fe­leis­tung sind Eigen­tü­mer und Besit­zer von Gebäu­den und Grund­stü­cken ver­pflich­tet, die Anbrin­gung und auch den Fort­be­stand von Feu­er­mel­de- und Alarm­ein­rich­tun­gen ohne Ent­schä­di­gung zu dul­den. Das ist Teil der Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums.

Die Sire­ne auf dem Dach

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg die Kla­ge einer Eigen­tü­me­rin abge­wie­sen, die eine auf dem Dach ein­ge­rich­te­te Feu­er­wehr­si­re­ne ent­fernt haben möch­te. Die Klä­ge­rin hat­te 2010 von der Stadt Hagen die ehe­ma­li­ge Grund­schu­le Hagen-Dahl erwor­ben. In dem frü­he­ren Schul­ge­bäu­de hat sie Semi­nar-, Behand­lungs- und Büro­räu­me ein­ge­rich­tet. Auf dem Dach des Gebäu­des befin­det sich seit vie­len Jah­ren eine der drei Feu­er­wehr­si­re­nen im Orts­teil Dahl. Einen 2011 gestell­ten Antrag auf Ent­fer­nung der Sire­ne lehn­te die Stadt ab. Für die flä­chen­de­cken­de Alar­mie­rung der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr und die War­nung der Bevöl­ke­rung vor Gefah­ren in der Orts­la­ge Dahl sei­en ange­sichts der topo­gra­phi­schen Ver­hält­nis­se drei Sire­nen, auch die­je­ni­gen auf dem Grund­stück der Klä­ge­rin, not­wen­dig. Ein öffent­li­ches Gebäu­de, auf dem eine ent­spre­chen­de Anla­ge mit annä­hernd glei­cher Wir­kung mit ver­tret­ba­rem Auf­wand instal­liert wer­den könn­te, ste­he nicht zur Ver­fü­gung. Dies gel­te ins­be­son­de­re für das Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus in Dahl. Die geän­der­te Nut­zung des Gebäu­des wider­spre­che dem Stand­ort der Anla­ge nicht. In der Ver­gan­gen­heit sei­en Kin­der im Grund­schul­al­ter in der Schu­le ohne kör­per­li­che oder see­li­sche Schä­den unter­rich­tet wor­den, so dass kein nach­voll­zieh­ba­rer Grund erkenn­bar sei, die Fort­bil­dung von Erwach­se­nen nicht unter den glei­chen Rah­men­be­din­gun­gen durch­zu­füh­ren. Auch die Behand­lung von Pati­en­ten in einem Gebäu­de, auf des­sen Dach eine Sire­ne instal­liert sei, sei ohne Bean­stan­dun­gen mög­lich.

Zur Begrün­dung ihrer Kla­ge hat­te sich die Klä­ge­rin dar­auf beru­fen, die Sire­ne gefähr­de den wirt­schaft­li­chen Erfolg ihres Nut­zungs­kon­zep­tes. Außer­dem kom­me die Errich­tung der Sire­ne auf öffent­li­chen Gebäu­den wie dem Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus in Betracht. Die Kos­ten und der Auf­wand hier­für sei­en gerin­ger als von der Stadt ange­ge­ben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ver­weist in sei­ner Urteils­be­grün­dung auf das Gesetz über den Feu­er­schutz und die Hil­fe­leis­tung, nach dem sei­en Eigen­tü­mer und Besit­zer von Gebäu­den und Grund­stü­cken ver­pflich­tet, die Anbrin­gung und auch den Fort­be­stand von Feu­er­mel­de- und Alarm­ein­rich­tun­gen ohne Ent­schä­di­gung zu dul­den. Dies sei Teil der Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums.

Die Stadt habe auch ohne Ermes­sens­feh­ler über den Anspruch der Klä­ge­rin auf Über­prü­fung der gesetz­li­chen Dul­dungs­pflicht und damit auch des Stand­or­tes der Sire­ne ent­schie­den. Dabei habe sie mit sach­ge­rech­ten Erwä­gun­gen eine Ver­le­gung des Stand­or­tes abge­lehnt. Sie habe sowohl die geneh­mig­te Nut­zungs­än­de­rung des frü­he­ren Schul­ge­bäu­des als auch die effek­ti­ve Siche­rung der Ein­satz­fä­hig­keit der Ret­tungs­kräf­te gewür­digt. Dabei habe sie auch berück­sich­tigt, dass sich die Sire­ne bereits seit Jah­ren ohne Bean­stan­dun­gen an dem bis­he­ri­gen Stand­ort befin­de und dies der Klä­ge­rin beim Erwerb des Grund­stü­ckes bekannt gewe­sen sein müs­se.

Sach­ge­recht sei auch die Über­le­gung, dass die Schall­be­las­tung in einem Gebäu­de, auf dem sich eine Sire­ne befin­de, gerin­ger sei, als wenn der Bau­kör­per durch Schall­wel­len einer in der Nach­bar­schaft befind­li­chen Sire­ne getrof­fen wer­de. Auch die Dar­le­gun­gen, war­um ein ande­rer Stand­ort, ins­be­son­de­re das neue Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus, nicht in Betracht kom­me, sei­en nach­voll­zieh­bar. Dabei habe die Stadt zu Recht auch finan­zi­el­le Erwä­gun­gen ein­be­zo­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 6. Juli 2012 – 7 K 3053/​11

  1. vgl. BAG 25.04.2018 – 2 AZR 493/​17, Rn. 15, BAGE 162, 317; 26.03.2015 – 2 AZR 483/​14, Rn. 37[]