Die Sperr­zo­ne für Ping­ler

Eine der Erlaub­nis zum ambu­lan­ten Stra­ßen­han­del (Pin­geln) bei­gefüg­te Auf­la­ge über eine 250 m‑Sperrzone um gro­ße Ver­an­stal­tun­gen, Märk­ten und Schul­stand­or­ten ist stra­ßen­recht­lich unzu­läs­sig. Zur Wah­rung einer Abgren­zung zwi­schen ver­schie­de­nen Son­der­nut­zun­gen des Stra­ßen­raums ist kei­ne 250 m‑Bannmeile not­wen­dig.

Die Sperr­zo­ne für Ping­ler

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Kla­gen zwei­er ambu­lan­ter Stra­ßen­händ­ler gegen die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Ambu­lan­ter Stra­ßen­han­del (Pin­geln) ist der Han­del, wel­cher im Umher­zie­hen und Umher­fah­ren zu Fuß, auf dem Fahr­rad oder per Kraft­fahr­zeug aus­ge­übt wird, wobei das Ver­wei­len an einer Stel­le ledig­lich der Bedie­nung vor­han­de­ner Kun­den die­nen darf. Der Klä­ger in dem Ver­fah­ren 7 A 498/​13 betreibt Stra­ßen­han­del mit Geträn­ken, Lebens­mit­teln und Süß­wa­ren, der Klä­ger in dem Ver­fah­ren 7 A 2097/​13 mit Fan­ar­ti­keln und Geträn­ken. Bei­den erteil­te die beklag­te Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver für den Zeit­raum vom 1. Janu­ar bis 31. Dezem­ber 2013 die erfor­der­li­che Son­der­nut­zungs­er­laub­nis. Die Erlaub­nis­se gel­ten für das gesam­te Stadt­ge­biet der Beklag­ten außer­halb der Innen­stadt und mit Aus­nah­me der Lis­ter Mei­le und der Fuß­gän­ger­zo­ne der Lim­mer Stra­ße. Der Bereich der Innen­stadt, in dem das Pin­geln nicht erlaubt ist, ist durch eine Anla­ge zu jedem Bescheid zeich­ne­risch dar­ge­stellt. Sie umfasst unter ande­rem den Bereich um das Lan­des- und das Spren­gel-Muse­um sowie die Bruch­meis­ter­al­lee und die Water­loo­stra­ße. Den Erlaub­nis­sen ist unter ande­rem die Auf­la­ge bei­gefügt, nach der die Erlaub­nis­in­ha­ber zu den fest­ge­setz­ten Märk­ten (Wochen‑, Weih­nachts- und Son­der­märk­ten), Schul­stand­or­ten sowie zu gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen, wel­che durch mehr als 1.000 Besu­cher gekenn­zeich­net sind, einen Min­dest­ab­stand von 250 m Luft­li­nie zu wah­ren haben. Mit die­ser Rege­lung hat die Stadt­ver­wal­tung den Wort­laut einer Bestim­mung ihrer Son­der­nut­zungs­sat­zung in die­se Beschei­de über­nom­men und um die Schul­stand­or­te erwei­tert. Gegen die­se Bann­mei­le rich­ten sich die Kla­gen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver ist die­se Bestim­mung stra­ßen­recht­lich unzu­läs­sig, soweit mit ihr nach dem Wil­len der Lan­des­haupt­stadt der Schutz der Ver­an­stal­tungs- und Markt­teil­neh­mer vor Kon­kur­renz durch die Ping­ler bewirkt wer­den soll. Im Übri­gen ist die Rege­lung in die­sem Umfang auch nicht erfor­der­lich und erweist sich dar­über hin­aus als unver­hält­nis­mä­ßig. Zur Wah­rung einer Abgren­zung zwi­schen ver­schie­de­nen Son­der­nut­zun­gen des Stra­ßen­raums ist kei­ne 250 m ‑Bann­mei­le not­wen­dig.

Dage­gen kön­nen nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver die Klä­ger jedoch nicht bean­spru­chen, dass ihnen die Stadt den ambu­lan­ten Stra­ßen­han­del auch in dem durch ihre Sat­zung geschütz­ten Innen­stadt­be­reich erlaubt. Es ist höchst­rich­ter­lich geklärt, dass weder das Grund­ge­setz noch das Stra­ßen­recht einen – unein­ge­schränk­ten bzw. nicht ein­schränk­ba­ren – Anspruch des Stra­ßen­händ­lers auf Son­der­nut­zung aller Stra­ßen einer Stadt zum ambu­lan­ten Han­del ver­mit­telt. Viel­mehr steht es im Ermes­sen der Lan­des­haupt­stadt, bestimm­te Berei­che für das Pin­geln zu sper­ren. Die Erwä­gun­gen der Lan­des­haupt­stadt, dass die städ­te­bau­li­che Beson­der­heit der Gar­ten­denk­ma­le bzw. des Ensem­bles Rat­haus, Masch­park, Lan­des­mu­se­um sowie Spren­gel-Muse­um schüt­zens­wert sei­en und die­ses Erschei­nungs­bild im Zusam­men­hang ins­be­son­de­re mit Groß­ver­an­stal­tun­gen in der AWD-Are­na durch einen unat­trak­ti­ven ambu­lan­ten Han­del (über­wie­gend Alko­hol­ver­kauf) im Bereich des Lan­des­mu­se­ums sowie des Spren­gel-Muse­ums stark beein­träch­tigt wer­de, tra­gen nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts das Pin­gel-Ver­bot. Die glei­chen Erwä­gun­gen gel­ten für den Bereich Bruch­meis­ter­al­lee und Water­loo­stra­ße mit dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um, der Finanz­be­hör­den sowie dem Poli­zei­prä­si­di­um, der Lan­des­bi­blio­thek und der Inter­na­tio­na­len Schu­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urtei­le vom 30. April 2013 – 7 A 498/​13 und 7 A 2097/​13