Die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines durch Leih­mut­ter­schaft in Indi­en aus­ge­tra­ge­nes Kin­des

Die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besteht nicht für ein in Indi­en gebo­re­nes Kind einer indi­schen Leih­mut­ter.

Die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines durch Leih­mut­ter­schaft in Indi­en aus­ge­tra­ge­nes Kin­des

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines deut­schen Ehe­paa­res, das für sein durch eine indi­sche Leih­mut­ter aus­ge­tra­ge­nes Kind einen deut­schen Pass begehrt hat. Der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau sind deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge. Sie schlos­sen mit einer ver­hei­ra­te­ten indi­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen einen Ver­trag über eine Leih­mut­ter­schaft. Die Eizel­len einer unbe­kann­ten Spen­de­rin wur­den mit den Samen­zel­len des Klä­gers befruch­tet und der Leih­mut­ter über­tra­gen. Die Leih­mut­ter brach­te im Sep­tem­ber 2010 in Neu Delhi ein Kind zur Welt, das dem Klä­ger und sei­ner Ehe­frau über­ge­ben wur­de. Der Klä­ger erkann­te vor einem deut­schen Notar die Vater­schaft an; zugleich erwirk­te er das Urteil eines indi­schen Gerichts, in dem sei­ne bio­lo­gi­sche Vater­schaft fest­ge­stellt wur­de. Die deut­sche Bot­schaft in Neu Delhi stell­te dem Kind jedoch kei­nen deut­schen Pass aus, da der Klä­ger recht­lich nicht als Vater des Kin­des anzu­se­hen sei. Das Kind konn­te des­halb bis­her nicht nach Deutsch­land ein­rei­sen. Ein Antrag bei dem in Köln ansäs­si­gen – für Staats­an­ge­hö­rig­keits­fra­gen mit Aus­lands­be­zug zustän­di­gen – Bun­des­ver­wal­tungs­amt, dem Kind einen Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­weis aus­zu­stel­len, blieb ohne Erfolg. Mit der dage­gen gerich­te­ten Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Köln mach­te der Klä­ger gel­tend, er sei nach den maß­geb­li­chen indi­schen Bestim­mun­gen auch recht­lich der Vater des Kin­des, das des­halb die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besit­ze.

Ande­rer Auf­fas­sung war das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln: Sowohl nach deut­schem als auch nach indi­schem Recht sei der Klä­ger zwar der bio­lo­gi­sche, nicht aber der recht­li­che Vater des Kin­des. Denn das von einer ver­hei­ra­te­ten Frau gebo­re­ne Kind gel­te recht­lich als Kind des Ehe­man­nes, hier also des indi­schen Ehe­man­nes der Leih­mut­ter. Auch das von dem Klä­ger vor­ge­leg­te Urteil eines indi­schen Gerichts bestä­ti­ge nur die bio­lo­gi­sche, nicht aber die recht­li­che Vater­schaft des Klä­gers.

Ob die Klä­ger das Kind als Pfle­ge­kind anneh­men und auf die­ser Grund­la­ge bei der deut­schen Bot­schaft in Neu Delhi für das Kind ein Visum zur Ein­rei­se nach Deutsch­land bean­tra­gen kön­nen, war im vor­lie­gen­den – nur auf die Fra­ge der Staats­an­ge­hö­rig­keit beschränk­ten – Ver­fah­ren nicht zu prü­fen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 20. Febru­ar 2013 – 10 K 6710/​11