Die unzu­tref­fen­de Ver­wei­sung an einen ande­ren Rechtsweg

Die Bin­dungs­wir­kung einer Ver­wei­sung gemäß § 173 VwGO i.V.m. § 17a Abs. 2 Satz 3 GVG gilt auch dann, wenn das ver­wei­sen­de Gericht den zu ihm beschrit­te­nen Rechts­weg zu Unrecht für unzu­läs­sig erklärt und des­we­gen die Ver­wei­sung an einen ande­ren Gerichts­zweig aus­ge­spro­chen hat; das Adres­sat­ge­richt über­nimmt die Rechts­schutz­funk­ti­on, die an sich das ver­wei­sen­de Gericht wahr­zu­neh­men gehabt hätte.

Die unzu­tref­fen­de Ver­wei­sung an einen ande­ren Rechtsweg

Unge­ach­tet des­sen, dass die Ver­wei­sung (hier: vom Land­ge­richt an das Ver­wal­tungs­ge­richt) zu Unrecht erfolgt ist, ist die­se Ver­wei­sung gemäß § 173 VwGO i.V.m. § 17a Abs. 2 Satz 3 GVG hin­sicht­lich des Rechts­wegs bin­dend; die­se Bin­dungs­wir­kung gilt auch dann, wenn das ver­wei­sen­de Gericht den zu ihm beschrit­te­nen Rechts­weg zu Unrecht für unzu­läs­sig erklärt und des­we­gen die Ver­wei­sung an einen ande­ren Gerichts­zweig aus­ge­spro­chen hat [1].

Infol­ge der bin­den­den Ver­wei­sung des Rechts­streits in den Ver­wal­tungs­rechts­weg über­nimmt das erken­nen­de Gericht als „Adres­sat­ge­richt“ die Rechts­schutz­funk­ti­on, die an sich das ver­wei­sen­de Gericht wahr­zu­neh­men gehabt hät­te [2].

Pro­zes­su­al hat dies zur Fol­ge, dass die­je­ni­ge Kla­ge– und Ver­fah­rens­art gewählt wer­den muss, die am meis­ten dem Rechts­schutz­be­geh­ren des Klä­gers ent­spricht [3]. Dies ist hier die all­ge­mei­ne Leis­tungs­kla­ge, denn der Klä­ger begehrt von der Beklag­ten ein tat­säch­li­ches Handeln.

Weil das Gericht über die Kla­ge nach der für die Ver­wal­tungs­ge­rich­te gel­ten­den Pro­zess­ord­nung zu ent­schei­den hat, gilt bei sei­ner Prü­fung nach § 86 Abs. 1 VwGO der Grund­satz der Amts­er­mitt­lung [4]. Mate­ri­ell-recht­lich hat die Ver­wei­sung zur Fol­ge, dass das erken­nen­de Gericht die zivil­recht­li­chen Anspruchs­grund­la­gen und vor­lie­gend ins­be­son­de­re die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 903, 1004 BGB wie ein ordent­li­ches Gericht prü­fen muss [5].

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Urteil vom 24. Juli 2014 – 1 A 221/​12

  1. BVerwG, Urteil vom 06.06.1967 – IV C 216.65, BVerw­GE 27, 170[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.06.1967, a.a.O.; Hess. VGH, Urteil vom 20.03.1996 – 1 UE 3234/​94, juris m.w.N.[]
  3. BVerwG, Urteil vom 06.06.1967, a.a.O.[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 02.07.1982 – 3 B 30/​82, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 213[]
  5. BVerwG, Urteil vom 06.06.1967, a.a.O; Hess.VGH, Urteil vom 20.03.1996, a.a.O.[]