Die zu nach­läs­sig begrün­de­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Miss­brauchs­ge­bühr

Unter Berück­sich­ti­gung ins­be­son­de­re der Nach­läs­sig­keit sei­nes Vor­trags in der Beschwer­de­be­grün­dung kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt von sei­ner Befug­nis Gebrauch machen, dem Beschwer­de­füh­rer gemäß § 34 Abs. 2, 1. Alter­na­ti­ve BVerfGG eine Miss­brauchs­ge­bühr auf­zu­er­le­gen.

Die zu nach­läs­sig begrün­de­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Miss­brauchs­ge­bühr

Ein Miss­brauch in die­sem Sin­ne liegt unter ande­rem dann vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig und ihre Ein­le­gung von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss 1. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss nicht hin­neh­men, dass es in der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben, näm­lich grund­sätz­li­che Ver­fas­sungs­fra­gen zu ent­schei­den und – wo nötig – die Grund­rech­te des Ein­zel­nen durch­zu­set­zen, durch für jeder­mann erkenn­bar aus­sichts­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den behin­dert wird und dadurch ande­ren Bür­gern den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann 2.

Dies gilt ins­be­son­de­re gegen­über dem Beschwer­de­füh­rer als Rechts­an­walt. Von einem Rechts­an­walt – als Bevoll­mäch­tig­tem wie auch in eige­ner Sache – ist zu erwar­ten, dass er sich mit der ver­fas­sungs­recht­li­chen Mate­rie und der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung sowie den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de aus­ein­an­der­setzt, die Erfolgs­aus­sich­ten des Rechts­be­helfs ein­ge­hend abwägt und sich den Ergeb­nis­sen sei­ner Prü­fung ent­spre­chend ver­hält 3.

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen spricht für die Auf­er­le­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr zunächst, dass die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de in mehr­fa­cher Hin­sicht erkenn­bar nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spricht. Hin­zu kommt, dass es sich mitt­ler­wei­le um die 24. Ver­fas­sungs­be­schwer­de han­delt, die der Beschwer­de­füh­rer in eige­ner Sache erho­ben hat und die alle­samt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den sind. Des­we­gen hat die Kam­mer ihm bereits mit den Beschlüs­sen vom 19.08.2011 und 3.03.2013 jeweils eine Miss­brauchs­ge­bühr auf­er­legt 4. Nun­mehr hat der Beschwer­de­füh­rer erneut zwei offen­sicht­lich unzu­läs­si­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­den erho­ben, die nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den sind 5. Die Beschwer­de­be­grün­dung in bei­den Ver­fah­ren ist bereits auf Grund­la­ge des ein­fa­chen Rechts fern­lie­gend und zeugt von einer grund­sätz­li­chen Ver­ken­nung der Rol­le und Funk­ti­on des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bei der Über­prü­fung der Aus­le­gung und Anwen­dung des ein­fa­chen Rechts durch die dazu beru­fe­nen Fach­ge­rich­te.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Gesichts­punk­te sowie der mut­maß­li­chen Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Beschwer­de­füh­rers erscheint der Kam­mer eine Miss­brauchs­ge­bühr in Höhe von 500 € als ange­mes­sen, aber auch erfor­der­lich, um ihn erneut nach­drück­lich zur sorg­fäl­ti­gen Prü­fung und Beach­tung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen für die Erhe­bung von Ver­fas­sungs­be­schwer­den anzu­hal­ten.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Okto­ber 2016 – 1 BvR 2248/​16

  1. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97; 14, 468, 470; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGK 3, 219, 222; 6, 219 f.; 10, 94, 97[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 29.05.1996 – 2 BvR 725/​96, NJW 1996, S. 2785; Beschluss vom 19.02.2009 – 2 BvR 191/​09 4; Beschluss vom 24.08.2010 – 1 BvR 1584/​10, NZS 2011, S. 257[]
  4. 1 BvR 1960/​11 und 1 BvR 370/​13[]
  5. 2 BvR 460/​16 und 1 BvR 2248/​16[]