Die ver­fris­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die iso­lier­te einst­wei­li­ge Anord­nung

Als Mit­tel des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes hat die einst­wei­li­ge Anord­nung auch im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren die Schaf­fung voll­ende­ter Tat­sa­chen zu ver­hin­dern. Sie soll auf die­se Wei­se dazu bei­tra­gen, Wir­kung und Bedeu­tung einer erst noch zu erwar­ten­den Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che zu sichern und zu erhal­ten 1.

Die ver­fris­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die iso­lier­te einst­wei­li­ge Anord­nung

Gemäß die­ser Siche­rungs­funk­ti­on ist im Rah­men eines Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens kein Raum für den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung, wenn davon aus­zu­ge­hen ist, dass die erho­be­ne oder noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß den §§ 93a, 93b BVerfGG nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wird. Eine einst­wei­li­ge Anord­nung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist daher aus­ge­schlos­sen, wenn sich das in der Haupt­sa­che ver­folg­te Begeh­ren von vorn­her­ein als unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det erweist 2.

Eine vor Anhän­gig­keit der Haupt­sa­che – hier vor einer noch zu erhe­ben­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de – erlas­se­ne einst­wei­li­ge Anord­nung ist auf­zu­he­ben, sobald fest­steht, dass das Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht mehr zuläs­sig erho­ben wer­den kann 3. Eine noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de wäre hier aber von vorn­her­ein unzu­läs­sig, da ver­fris­tet.

Die Auf­he­bung der erlas­se­nen einst­wei­li­gen Anord­nung infol­ge Ver­fris­tung einer noch zu erhe­ben­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de macht die (nach­zu­ho­len­de) Anhö­rung der Antrag­stel­ler im Aus­gangs­ver­fah­ren indes in der Sache nicht ent­behr­lich.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 15. August 2019 – 1 BvQ 51/​19

  1. vgl. BVerfGE 42, 103, 119[]
  2. vgl. BVerfGE 103, 41, 42; 111, 147, 152 f.; stRspr[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 29.06.2000 – 1 BvQ 8/​00, Rn. 18 f.; Graß­hof, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib-treu/Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 32 Rn.20 [Febru­ar 2019][]