Die vor­ge­schrie­be­ne ein­heit­li­che Dach­far­be

Es fehlt an einem gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se für den Erlass gestal­te­ri­scher Bau­vor­schrif­ten durch eine Gemein­de, wenn das gesam­te Bau­ge­biet Aus­druck einer gro­ßen Bau­f­rei­heit ist, so dass die Fest­set­zung über eine bestimm­te Dach­ein­de­ckung und Far­be rechts­wid­rig ist.

Die vor­ge­schrie­be­ne ein­heit­li­che Dach­far­be

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge der Orts­ge­mein­de Vel­denz gegen den Land­kreis Bern­kas­tel-Witt­lich auf bau­ord­nungs­recht­li­ches Ein­schrei­ten gegen einen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer im Bebau­ungs­plan­ge­biet "Hin­ter den Bann­gär­ten" abge­wie­sen. Die Orts­ge­mein­de Vel­denz hat in die­sem Bebau­ungs­plan fest­ge­setzt, dass die Dach­ein­de­ckung mit Schie­fer, schie­fer­ähn­li­chem Mate­ri­al oder blau­b­raun engo­bier­ten Zie­geln zu erfol­gen hat. In die­sem Fall hat­te der Haus­ei­gen­tü­mer sein durch den Hagel­sturm im Som­mer 2011 beschä­dig­tes Haus mit roten Dach­zie­geln neu ein­ge­deckt. Die Orts­ge­mein­de sah hier­in einen Ver­stoß gegen die Fest­set­zun­gen ihres Bebau­ungs­pla­nes und for­der­te den Land­kreis als dafür zustän­di­ge Behör­de dazu auf, gegen­über dem Haus­ei­gen­tü­mer eine Besei­ti­gungs­an­ord­nung zu erlas­sen, was der beklag­te Land­kreis jedoch mit der Begrün­dung ablehn­te, dass die rote Dach­ein­de­ckung nicht gegen bau­recht­li­che Vor­schrif­ten ver­sto­ße, ins­be­son­de­re die maß­geb­li­che Text­fest­set­zung im Bebau­ungs­plan unwirk­sam sei.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier ste­he Gemein­den zwar nach den ein­schlä­gi­gen bau­recht­li­chen Vor­schrif­ten auch das Recht zu, Bau­ge­stal­tungs­vor­schrif­ten zu erlas­sen. Ein unein­ge­schränk­tes Gestal­tungs­recht der Gemein­den sei hier­mit wegen der grund­ge­setz­lich garan­tier­ten Bau­f­rei­heit jedoch nicht ver­bun­den. Viel­mehr müs­se ein gewich­ti­ges öffent­li­ches Inter­es­se für den Erlass gestal­te­ri­scher Vor­schrif­ten bestehen. Ein sol­ches lie­ge nur vor, wenn für ein abge­grenz­tes Gemein­de­ge­biet eine gestal­te­ri­sche, gebiets­spe­zi­fi­sche Absicht ver­folgt wer­de; die­se müs­se durch die Beson­der­hei­ten des betref­fen­den Gemein­de­ge­bie­tes geprägt sein. An sol­chen für die Gestal­tung des Orts­bil­des not­wen­di­gen Anläs­sen feh­le es jedoch im streit­ge­gen­ständ­li­chen Bereich. Das Plan­ge­biet lie­ge deut­lich getrennt vom alten Orts­kern. Die Bebau­ung im Plan­ge­biet wer­de geprägt durch ein Neben- und Mit­ein­an­der unter­schied­li­cher Bau­sti­le, Dach­for­men und Fas­sa­den­ge­stal­tun­gen. Das gesam­te Bau­ge­biet sei Aus­druck einer gro­ßen Bau­f­rei­heit, wes­halb sich ange­sichts der Viel­falt von vor­han­de­nen Gestal­tungs­ele­men­ten ein Zwang für eine ein­heit­li­che Dach­far­be nicht begrün­den las­se. Die blo­ße Beschrän­kung der Dach­far­be kön­ne nicht den Ein­druck eines typi­schen mosel­län­di­schen Ortes ver­mit­teln, wes­halb die streit­ge­gen­ständ­li­che Fest­set­zung wegen feh­len­der gebiets­be­zo­ge­ner Recht­fer­ti­gung unwirk­sam sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2012 – 5 K 441/​12.TR