Die Zustän­dig­keit für den Asyl­an­trag bei Frist­ver­säu­mung

Ein Mit­glied­staat wird für die Prü­fung des Asyl­an­trags zustän­dig, wenn er für die Stel­lung eines Über­nah­me­ersu­chens die Drei­mo­nats­frist in Art. 17 Abs. 2 Dub­lin-II-VO ver­säumt. Dar­auf kann der Asyl­be­wer­ber sich zur Ver­hin­de­rung sei­ner Rück­über­stel­lung beru­fen.

Die Zustän­dig­keit für den Asyl­an­trag bei Frist­ver­säu­mung

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall, in dem es um die auf­schie­ben­de Wir­kung der Kla­ge gegen eine Abschie­bungs­an­ord­nung ging, ent­schie­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart hat die Antrags­geg­ne­rin in dem ange­foch­te­nen Bescheid zu Unrecht ihre Zustän­dig­keit ver­neint und die Rück­über­stel­lung des Antrag­stel­lers nach Däne­mark ange­ord­net. Die Zustän­dig­keit für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens rich­tet sich nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 343/​2003 des Rates zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Mit­glied­staa­tes, der für die Prü­fung eines von einem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen in einem Mit­glied­staat gestell­ten Asyl­an­trag zustän­dig ist, vom 18.02.2003 (Dub­lin-II-VO). Hält ein Mit­glieds­staat, in dem ein Asyl­an­trag gestellt wur­de, einen ande­ren Mit­glieds­staat für die Prü­fung des Antrags für zustän­dig, so kann er gemäß Art. 17 Abs. 1 Dub­lin-II-VO so bald wie mög­lich, in jedem Fall aber inner­halb von drei Mona­ten nach Ein­rei­chung des Antrags im Sin­ne von Art. 4 Abs. 2, den ande­ren Mit­glieds­staat ersu­chen, den Asyl­be­wer­ber auf­zu­neh­men. Wird das Gesuch um Auf­nah­me eines Antrag­stel­lers nicht inner­halb der Frist von drei Mona­ten unter­brei­ten, so ist gemäß Art. 17 Abs. 2 Dub­lin-II-VO der Mit­glied­staat, in dem der Asyl­an­trag gestellt wur­de, für die Prü­fung des Asyl­an­tra­ges zustän­dig.

Der Antrag­stel­ler hat aus­weis­lich des ange­foch­te­nen Bescheid bereits am 15.06.2011 einen Asyl­an­trag gestellt. Nach­dem das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge Ent­schei­dun­gen über Asyl­an­trä­ge syri­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, wie gerichts­be­kannt ist, vor­über­ge­hend zurück­ge­stellt hat, erfolg­te erst nach über ein­jäh­ri­ger Untä­tig­keit am 21.08.2012 die per­sön­li­che Anhö­rung des Antrag­stel­lers sowie unmit­tel­bar danach, eben­falls am 21.08.2012, das Über­nah­me­ersu­chen nach der Dub­lin-II-VO an Däne­mark.

Die Ver­säu­mung der Drei-Monats­frist führt gem. Art. 17 Abs. 1 Satz 2 Dub­lin-II-VO zur Zustän­dig­keit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für die Prü­fung des Antrags auf Asyl­ge­wäh­rung.

Hier­auf kann sich die Antrag­stel­ler auch beru­fen. Die Nicht­ein­hal­tung der Vor­schrift des Art. 17 Abs. 1 Satz 2 Dub­lin-II-VO ver­letzt den Antrag­stel­ler in sei­nen Rech­ten.

Für die Norm des § 17 Abs. 1 Satz 2 Dub­lin-II-VO folgt das Bestehen eines sub­jek­ti­ven Rech­tes aus der Rege­lung des § 26 a Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 AsylVfG, wonach sich ein Aus­län­der im Bun­des­ge­biet auf das Grund­recht des Art. 16 a Abs. 1 GG beru­fen kann, wenn die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf Grund von Rechts­vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten oder eines völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges mit dem siche­ren Dritt­staat für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist. Etwas ande­res folgt vor­lie­gend nicht dar­aus, dass Däne­mark der Über­nah­me trotz des ver­spä­te­ten Über­nah­me­ersu­chens zuge­stimmt hat 1.

Das Prin­zip des effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Art. 19 Abs. 4 GG) gebie­tet es vor­lie­gend, dem Antrag­stel­ler vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes zu gewäh­ren, da die zeit­na­he Abschie­bung des Antrag­stel­lers nach Däne­mark droht mit der fak­ti­schen Fol­ge, dass er sein Asyl­be­geh­ren im Bun­des­ge­biet nicht mehr gel­tend machen kann.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2012 – A 7 K 4330/​12

  1. eben­so VG Bre­men, Beschluss vom 26.07.2012 – 4 V 815/​12.A[]