Die Zweitkorrektur im Juristischen Staatsexamen

An die Begründungspflichten des Zweitprüfers in der juristischen Staatsprüfung sind auch dann keine gesteigerten Anforderungen zu stellen, wenn er von der Bewertung des Erstprüfers abweicht und sein Votum zu einer Bewertung der Prüfungsleistung als nicht bestanden führt.

Die Zweitkorrektur im Juristischen Staatsexamen

Dies stellte jetzt das Bundesverwaltungsgericht zumindest für das Hessische Staatsexamen auf der Grundlage der aus den Regelungen der §§ 47 Abs. 2, 15 Abs. 2 des Hessischen Juristenausbildungsgesetzes abgeleiteten Gleichgewichtigkeit der Bewertungen von Erst- und Zweitprüfer fest. Denn der Zweitkorrektor kann im Zeitpunkt der Anfertigung seiner Korrektur noch gar nicht wissen, ob der Prüfling aufgrund seiner Benotung einer Klausur das schriftliche Examen insgesamt bestehen wird oder nicht.

Aus diesem Grund könnte sich die Frage überhaupt erst im Überdenkensverfahren stellen. Aber auch in dieser Phase des Prüfungsverfahrens ist sie zu verneinen. Denn ein Prüfer hat seine Bewertungen anhand der von ihm in Bezug auf die konkrete Prüfungsaufgabe autonom erstellten Maßstäbe im Rahmen des von ihm gebildeten Bezugssystems aus Gründen der Chancengleichheit auf die Bewertung aller Bearbeitungen derselben Prüfungsaufgabe anzuwenden1. Diese aus Art. 3 Abs. 1 GG abgeleitete Verpflichtung erstreckt sich auch auf eine Nachkorrektur im Überdenkensverfahren2.

Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 24. Oktober 2018 – 6 B 151.18

  1. BVerwG, Beschluss vom 05.03.2018 – 6 B 71.17 ECLI:DE:BVerwG:2018:050318B6B71.17.0, Buchholz 421.0 Prüfungswesen Nr. 429 Rn. 8 []
  2. BVerwG, Beschluss vom 05.10.2018 – 6 B 148.18 ECLI:DE:BVerwG:2018:051018B6B148.18.0, Rn. 17; BayVGH, Beschluss vom 17.05.2018 – 7 B 18.12 8 ECLI: DE: BAYVGH: 2018: 0517.7B18.128.00, Rn. 18 []