Die 100. Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Miß­brauchs­ge­bühr

Ein Miss­brauch im Sin­ne von § 34 Abs. 2 BVerfGG liegt unter ande­rem dann vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig ist und ihre Ein­le­gung von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss [1].

Die 100. Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Miß­brauchs­ge­bühr

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss nicht hin­neh­men, dass es in der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben, näm­lich grund­sätz­li­che Ver­fas­sungs­fra­gen zu ent­schei­den und – wo nötig – die Grund­rech­te des Ein­zel­nen durch­zu­set­zen, durch für jeder­mann erkenn­bar aus­sichts­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den behin­dert wird und dadurch ande­ren Bür­gern den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann [2].

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen war die Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de hier nach nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts miss­bräuch­lich: Für die Auf­er­le­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr spricht, dass die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de durch den Beschwer­de­füh­rer aus den genann­ten Grün­den in mehr­fa­cher Hin­sicht erkenn­bar nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spricht und kei­ner­lei ver­fas­sungs­recht­li­che Sub­stanz hat. Die Beschwer­de­be­grün­dung zeugt von einer grund­sätz­li­chen Ver­ken­nung der Rol­le und Funk­ti­on des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bei der Über­prü­fung der Aus­le­gung und Anwen­dung des ein­fa­chen Rechts durch die dazu beru­fe­nen Fach­ge­rich­te. Jeder Ein­sich­ti­ge hät­te erkannt, dass die vor­lie­gen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen nicht ein­mal ansatz­wei­se genügt und damit offen­sicht­lich unzu­läs­sig ist.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Gesichts­punk­te hält das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall eine Miss­brauchs­ge­bühr in Höhe von 500 € für ange­mes­sen, aber auch erfor­der­lich, um den Beschwer­de­füh­rer nach­drück­lich zur sorg­fäl­ti­gen Prü­fung und Beach­tung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen für die Erhe­bung von Ver­fas­sungs­be­schwer­den anzu­hal­ten. Der Beschwer­de­füh­rer hat bereits weit über hun­dert Ver­fas­sungs­be­schwer­den ein­ge­legt, die nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den sind.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2016 – 2 BvR 871/​16

  1. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97; 14, 468, 470; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGK 3, 219, 222; 6, 219 f.; 10, 94, 97[]