DIN-Nor­men in Bebau­ungs­plä­nen

Bestimmt erst eine in den text­li­chen Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans in Bezug genom­me­ne DIN-Vor­schrift, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen bau­li­che Anla­gen im Plan­ge­biet zuläs­sig sind, ist den rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen an die Ver­kün­dung von Rechts­nor­men genügt, wenn die Gemein­de sicher­stellt, dass die Betrof­fe­nen von der DIN-Vor­schrift ver­läss­lich und in zumut­ba­rer Wei­se Kennt­nis erlan­gen kön­nen.

DIN-Nor­men in Bebau­ungs­plä­nen

Bebau­ungs­plä­ne gehö­ren als Sat­zun­gen zu den förm­lich gesetz­ten Rechts­nor­men 1. Bei ihnen ist aller­dings nur die Ertei­lung der Geneh­mi­gung oder, soweit eine Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich ist, der Beschluss des Bebau­ungs­plans durch die Gemein­de orts­üb­lich bekannt zu machen (§ 10 Abs. 3 Satz 1 Bau­GB). Im Übri­gen genügt es, den Bebau­ungs­plan mit der Begrün­dung und der zusam­men­fas­sen­den Erklä­rung nach § 10 Abs. 4 Bau­GB zu jeder­manns Ein­sicht bereit zu hal­ten, auf Ver­lan­gen über den Inhalt Aus­kunft zu geben und in der Bekannt­ma­chung dar­auf hin­zu­wei­sen, wo der Bebau­ungs­plan ein­ge­se­hen wer­den kann (§ 10 Abs. 3 Satz 2 und 3 Bau­GB) 2.

Die dar­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen an die Ver­kün­dung von Rechts­nor­men ste­hen einer Ver­wei­sung auf nicht öffent­lich zugäng­li­che DIN-Vor­schrif­ten in den text­li­chen Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen, und zwar auch dann nicht, wenn erst die Anwen­dung der DIN-Vor­schrift ergibt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Vor­ha­ben im Plan­ge­biet zuläs­sig ist. Die Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te haben Ver­wei­sun­gen auf DIN-Vor­schrif­ten zwar wie­der­holt bean­stan­det, weil unter den jeweils gege­be­nen Umstän­den die Publi­zi­täts­an­for­de­run­gen nicht gewahrt waren; die grund­sätz­li­che Zuläs­sig­keit einer sol­chen Ver­wei­sung haben sie jedoch nicht in Fra­ge gestellt 3. Auch aus § 10 Abs. 3 Satz 2 Bau­GB ergibt sich nicht, dass der nor­ma­ti­ve Inhalt eines Bebau­ungs­plans allein aus sich selbst her­aus erkenn­bar sein muss.

Ver­weist eine Fest­set­zung auf eine DIN-Vor­schrift und ergibt sich erst aus die­ser Vor­schrift, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Vor­ha­ben pla­nungs­recht­lich zuläs­sig ist, muss der Plan­ge­ber jedoch sicher­stel­len, dass die Plan­be­trof­fe­nen sich auch vom Inhalt der DIN-Vor­schrift ver­läss­lich Kennt­nis ver­schaf­fen kön­nen. Das dürf­te unab­hän­gig davon gel­ten, ob der Plan­ge­ber eine Rege­lung ins­ge­samt dem Ergeb­nis der Anwen­dung der DIN-Vor­schrift über­lässt oder ob er zwar dem Grun­de nach selbst bestimmt, wel­chen Anfor­de­run­gen die bau­li­chen Anla­gen genü­gen müs­sen, aber erst der Ver­weis auf die DIN-Vor­schrift ergibt, nach wel­chen Metho­den und Berech­nungs­ver­fah­ren der Inhalt der Anfor­de­run­gen im Ein­zel­nen zu ermit­teln ist. Denn auch im zuletzt genann­ten Fall kön­nen die Plan­be­trof­fe­nen nicht dem Bebau­ungs­plan selbst, son­dern erst dem Plan in Ver­bin­dung mit der DIN-Vor­schrift ent­neh­men, wel­che Anfor­de­run­gen im Ein­zel­nen der Plan an die Zulas­sung von Gebäu­den stellt. Zudem ist die Gren­ze zwi­schen die­sen bei­den Fall­grup­pen schwer zu zie­hen. Auch wenn der Bebau­ungs­plan – wie in dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall – die Lärm­pe­gel­be­rei­che selbst fest­legt, ist damit nicht abschlie­ßend bestimmt, wel­che Schall­dämm­ma­ße in den jewei­li­gen Lärm­pe­gel­be­rei­chen gewähr­leis­tet wer­den müs­sen. Denn die Anfor­de­run­gen an die Schall­dämm­ma­ße erge­ben sich nicht ohne wei­te­res aus der Tabel­le 8 der DIN 4109, son­dern erst aus einer Anwen­dung der Zif­fern 5.2 bis 5.4 der DIN 4109 in Ver­bin­dung mit den Tabel­len 8 bis 10.

Wenn erst eine in den text­li­chen Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans in Bezug genom­me­ne DIN-Vor­schrift abschlie­ßend bestimmt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen bau­li­che Anla­gen im Plan­ge­biet zuläs­sig sind, ist den dar­ge­leg­ten rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen an die Ver­kün­dung von Rechts­nor­men nicht allein dadurch genügt, dass die Gemein­de den Bebau­ungs­plan gemäß § 10 Abs. 3 Bau­GB bekannt macht. Sie muss viel­mehr sicher­stel­len, dass die Betrof­fe­nen auch von der DIN-Vor­schrift ver­läss­lich und in zumut­ba­rer Wei­se Kennt­nis erlan­gen kön­nen. Das kann sie dadurch bewir­ken, dass sie die in Bezug genom­me­ne DIN-Vor­schrift bei der Ver­wal­tungs­stel­le, bei der auch der Bebau­ungs­plan ein­ge­se­hen wer­den kann, zur Ein­sicht bereit hält und hier­auf in der Bebau­ungs­planu­r­kun­de hin­weist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Juli 2010 – 4 BN 21.10

  1. BVerwG, Beschluss vom 16.05.1991 – 4 NB 26.90, BVerw­GE 88, 204, 207[]
  2. vgl. hier­zu BVerwG, Beschluss vom 03.06.2010 – 4 BN 55.09[]
  3. vgl. OVG RLP, Urtei­le vom 04.07.2006 – 8 C 11709/​05, BRS 70 Nr. 23; und vom 26.03.2009 – 8 C 10729/​08; OVG NRW, Urtei­le vom 09.05.2006 – 15 A 4247/​03, NWVBl 2006, 461, vom 13.09.2007 – 7 D 91/​06.NE; und vom 13.09.2009 – 10 D 87/​07.NE[]