Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men gegen einen rück­fäl­li­gen alko­hol­kran­ken Beam­ten

Nach § 62 Satz 1 NBG a.F. (jetzt § 34 Satz 1 BeamtStG) hat sich der Beam­te mit vol­ler Hin­ga­be sei­nem Beruf zu wid­men. Dar­aus folgt die Ver­pflich­tung, dem Dienst­herrn sei­ne vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len und die­se zu erhal­ten. Zu den kon­kre­ten Pflich­ten in die­sem Zusam­men­hang gehört es, nach einer Alko­hol­ent­zie­hungs­the­ra­pie den Griff zum so genann­ten “ers­ten Glas Alko­hol“ zu unter­las­sen, weil jeg­li­cher Genuss von Alko­hol nach einer Ent­zie­hungs­the­ra­pie das Ver­lan­gen nach wei­te­rem Alko­hol wie­der auf­le­ben lässt und erfah­rungs­ge­mäß in die nas­se Pha­se der Alko­hol­ab­hän­gig­keit zurück­füh­ren kann 1. Gleich­wohl begrün­det nicht der Griff zum Alko­hol den Vor­wurf der Ver­let­zung beam­ten­recht­li­cher Pflich­ten, denn die Trunk­sucht ist im Ent­ste­hen nicht selbst­ver­schul­det. Dis­zi­pli­nar­recht­lich rele­vant ist der Rück­fall in die nas­se Pha­se der Alko­hol­sucht viel­mehr erst dann, wenn die Ent­zie­hungs­kur erfolg­reich war, d. h. den Beam­ten in die Lage ver­setzt hat, der Gefahr eines Rück­falls in die Alko­hol­ab­hän­gig­keit mit Erfolg zu begeg­nen, und wenn die erneu­te Alko­hol­ab­hän­gig­keit nega­ti­ve Aus­wir­kung auf den dienst­li­chen Betrieb hat 2. Wich­ti­ge Indi­zi­en hier­für sind u.a. Ver­lauf und Ergeb­nis der The­ra­pie und Dau­er der anschlie­ßen­den Absti­nenz­pha­se, wobei sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts der Erfolg einer Kur nicht aus einer bestimm­ten, zeit­lich fest­ge­leg­ten Dau­er alko­ho­li­scher Ent­halt­sam­keit ergibt 3. Hat ein Beam­ter erfolg­reich eine The­ra­pie absol­viert, was man­gels Heil­bar­keit einer sol­chen Erkran­kung nur die Fähig­keit bedeu­tet, ohne Alko­hol leben zu kön­nen, hat er die wei­te­re Pflicht, einen Rück­fall in die Alko­hol­sucht nach bes­ten Kräf­ten zu ver­mei­den 4.

Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men gegen einen rück­fäl­li­gen alko­hol­kran­ken Beam­ten

Eine Ent­zie­hungs­kur eines chro­nisch alko­hol­kran­ken Beam­ten ist nicht erst dann erfolg­reich, wenn der Beam­te von der Alko­hol­krank­heit geheilt ist oder wenn er ohne jede wei­te­re Hil­fe alko­hol­ab­sti­nent leben kann.

Eine Ent­zie­hungs­kur ist bereits dann erfolg­reich, wenn der Beam­te durch die The­ra­pie in die Lage ver­setzt wor­den ist, über einen nach­hal­ti­gen Zeit­raum (hier über ein Jahr lang) absti­nent zu leben, auch wenn er in die­sem Zeit­raum zur Ver­fes­ti­gung der ver­mit­tel­ten Ver­hal­tens­tech­ni­ken einer ambu­lan­ten The­ra­pie bedurf­te.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Mai 2010 – 20 LD 13/​08

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.11.2001 – 1 D 64/​01; BVerwG, Urteil vom 11.02.1998 – 1 D 21.97; Nds. OVG, Urteil vom 13.05.2004 – 1 NDH L 3/​03[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.11.2001, a.a.O.; BVerwG, vom 12.10.1999 – 1 D 25.98; Nds. OVG, Urteil vom 28.01.2005 – 1 NDH L 6/​03; und Urteil vom 13.05.2004 – 1 NDH L 3/​03[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 11.03.1997 – BVerwG 1 D 68.95[]
  4. vgl. Gan­sen, Dis­zi­pli­nar­recht in Bund und Län­dern, Kom­men­tar, Stand: Novem­ber 2009, § 13 BDG Rn. 77[]