Doch kein Glas im Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­val

Vor einer Woche hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln den Voll­zug des von der Stadt Köln für die Kar­ne­vals­ta­ge ver­füg­ten Glaus­ver­bots für die Köl­ner Innen­stadt aus­ge­setzt. Buch­stäb­lich am letz­ten Tag vor Beginn der när­ri­schen Tage hat heu­te jedoch auf die Beschwer­de des Ober­bür­ger­meis­ters der Stadt Köln hin das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter das für den Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­val ver­füg­te Glas­ver­bot der Stadt Köln bestä­tigt und damit die anders­lau­ten­den Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln auf­ge­ho­ben.

Doch kein Glas im Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­val

Zwar wer­de, so das OVG Müns­ter zur Begrün­dung sei­ner im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen, im All­ge­mei­nen durch das blo­ße Mit­füh­ren und Benut­zen von Glas­be­hält­nis­sen eine Gefah­renschwel­le nicht über­schrit­ten. Jedoch gäben die beson­de­ren Ver­hält­nis­se des Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­vals nach den Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re Anlass zu einer dif­fe­ren­zier­te­ren Betrach­tung. Es kom­me all­jähr­lich durch am Boden lie­gen­de Glas­fla­schen und Scher­ben inmit­ten dicht gedräng­ter Men­schen­mas­sen zu einer Stö­rung der öffent­li­chen Sicher­heit. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sei zwar frag­lich, ob die­se Gefah­ren­la­ge effek­tiv durch das in Rede ste­hen­de Glas­ver­bot bekämpft wer­den kön­ne, ob unter Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­sichts­punk­ten auch die Inan­spruch­nah­me nicht ver­ant­wort­li­cher Per­so­nen gerecht­fer­tigt sei und ob das Vor­ge­hen der Stadt Köln nicht einer beson­de­ren gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung bedür­fe.

Bei der im vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren gebo­te­nen all­ge­mei­nen Fol­genab­wä­gung bestehe jedoch ein über­wie­gen­des öffent­li­ches Inter­es­se an der sofor­ti­gen Durch­set­zung des Glas­ver­bots. Das von der Stadt Köln aus­ge­ar­bei­te­te Kon­troll­kon­zept sei nicht von vorn­her­ein unge­eig­net zur Bekämp­fung der von Glas­bruch beim Kar­ne­val aus­ge­hen­den Gefah­ren. Es spre­che viel­mehr vie­les dafür, dass die­ses Kon­zept zu einer erheb­li­chen Redu­zie­rung der durch Glas­bruch ver­ur­sach­ten Schä­den füh­ren wer­de. Die­se Annah­me recht­fer­tig­ten ins­be­son­de­re die Erfah­run­gen, wel­che die Stadt Dort­mund anläss­lich der Lovepa­ra­de im Jah­re 2008 mit einem ähn­li­chen Kon­zept gemacht habe. Danach sei die Zahl der Schnitt­ver­let­zun­gen gegen­über einer ent­spre­chen­den Vor­jah­res­ver­an­stal­tung in Essen ganz erheb­lich zurück­ge­gan­gen. Gegen­über die­sen Gesichts­punk­ten wie­ge die mit dem Ver­bot ein­her­ge­hen­de Belas­tung für die Kar­ne­va­lis­ten, Glas­be­hält­nis­se weder mit­füh­ren noch benut­zen zu dür­fen, weni­ger schwer.

Hin­ge­gen hat­te der Antrag Erfolg, soweit er sich gegen die Andro­hung von Zwangs­mit­teln im Wege der All­ge­mein­ver­fü­gung rich­te­te. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die bereits vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ange­führ­ten Beden­ken gegen eine ord­nungs­ge­mä­ße förm­li­che Zustel­lung an die Betrof­fe­nen. Er wies dar­auf hin, dass es der Stadt aller­dings unbe­nom­men sei, etwai­ge Zwangs­mit­telan­dro­hun­gen den jeweils Betrof­fe­nen vor Ort unmit­tel­bar zuzu­stel­len.

Zeit­gleich lehn­te das OVG Müns­ter vier wei­te­re Beschwer­den von Imbiss- und Kiosk – Betrei­bern gegen ihnen gegen­über aus­ge­spro­che­ne Ver­kaufs­ver­bo­te für Geträn­ke in Glas­be­hält­nis­sen ab.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschlüs­se vom 10. Febru­ar 2010 – 5 B 119/​10 sowie 5 B 147, 148, 149 und 150/​10