Dort­mun­der Wett­bü­ro­steu­er

Die Wett­bü­ro­steu­er der Stadt Dort­mund ist, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt ent­schie­den hat, in der der­zei­ti­gen Aus­ge­stal­tung unzu­läs­sig.

Dort­mun­der Wett­bü­ro­steu­er

Mit der 2014 neu ein­ge­führ­ten Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung besteu­ert die Stadt das Ver­mit­teln oder Ver­an­stal­ten von Pfer­de- und Sport­wet­ten in Wett­bü­ros. Das sind Ein­rich­tun­gen, die neben der Annah­me von Wett­schei­nen das Mit­ver­fol­gen der Wet­ter­eig­nis­se, u.a. durch Live­über­tra­gung, ermög­li­chen. Steu­er­schuld­ner ist nach der Sat­zung der Betrei­ber des Wett­bü­ros. Bemes­sungs­grund­la­ge ist die näher defi­nier­te Ver­an­stal­tungs­flä­che. Der Steu­er­satz beträgt für jeden Kalen­der­mo­nat 250 € je 20 m² Ver­an­stal­tungs­flä­che.

Drei Klä­ger, die in Dort­mund Wett­bü­ros betrei­ben, wand­ten sich gegen ihre Her­an­zie­hung zu der Steu­er. Sie sol­len – abhän­gig von der Grö­ße der Ver­an­stal­tungs­flä­che ihrer Wett­bü­ros – 1 000 und 1 250 € monat­lich zah­len. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen 1 und in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 2 haben die Kla­gen abge­wie­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sah dies nun jedoch anders hat den Kla­gen statt­ge­ge­ben:

Zwar han­delt es sich bei der Wett­bü­ro­steu­er um eine ört­li­che Auf­wand­steu­er, zu deren Erhe­bung die Kom­mu­nen im Prin­zip berech­tigt sind. Denn mit der neu­en Steu­er soll der über die Befrie­di­gung der all­ge­mei­nen Lebens­füh­rung hin­aus­ge­hen­de Auf­wand – das Wet­ten in einem orts­an­säs­si­gen Wett­bü­ro – besteu­ert wer­den. Die Steu­er ist dar­auf ange­legt, dass sie auf den Wett­kun­den als den eigent­li­chen Steu­er­trä­ger abge­wälzt wird.

Die Wett­bü­ro­steu­er setzt sich auch nicht in einen unzu­läs­si­gen Wider­spruch zur 2012 ein­ge­führ­ten Sport­wet­ten­steu­er des Bun­des. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hält einen rela­tiv gerin­gen Steu­er­satz von 5 % auf den Wett­ein­satz für gerecht­fer­tigt. Er will damit im Zusam­men­hang mit dem von den Bun­des­län­dern im Glücks­spiel­staats­ver­trag ver­ein­bar­ten Kon­zes­si­ons­sys­tem einen Anreiz dafür bie­ten, den der­zeit ille­ga­len Markt für Sport­wet­ten in die Lega­li­tät zu über­füh­ren. Mit die­ser Ziel­set­zung steht die (zusätz­li­che) kom­mu­na­le Wett­bü­ro­steu­er jeden­falls dann nicht in Wider­spruch, wenn sie – wie vor­lie­gend – einen hin­rei­chen­den Abstand zu der bereits durch die Bun­des­steu­er ver­ur­sach­ten Steu­er­last wahrt.

Der von der Stadt gewähl­te Flä­chen­maß­stab ver­letzt aber die Steu­er­ge­rech­tig­keit. Den sach­ge­rech­tes­ten Maß­stab für eine Ver­gnü­gungs­steu­er bil­det der indi­vi­du­el­le, wirk­li­che Ver­gnü­gungs­auf­wand, hier also der Wett­ein­satz. Der Recht­fer­ti­gungs­be­darf für einen Ersatz­maß­stab ist umso höher, je wei­ter er sich von dem eigent­li­chen Belas­tungs­grund ent­fernt. Mit dem Flä­chen­maß­stab sind gra­vie­ren­de Abwei­chun­gen von dem wirk­li­chen Ver­gnü­gungs­auf­wand ver­bun­den, den die Wett­kun­den tat­säch­lich betrei­ben. Statt­des­sen steht mit dem Wett­ein­satz ein prak­ti­ka­bler Wirk­lich­keits­maß­stab zur Ver­fü­gung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. Juni 2017 – 9 C 7.16

  1. VG Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 12.06.2015 – 2 K 280/​15[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 13.04.2016 – 14 A 1648/​15[]