Dua­le Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg – und ihre Lei­tungs­or­ga­ne

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de von 80 Pro­fes­so­ren der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, mit der die­se sich gegen die Regeln des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes zur Beset­zung der Lei­tungs­gre­mi­en der Dua­len Hoch­schu­le wand­ten.

Dua­le Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg – und ihre Lei­tungs­or­ga­ne

Die in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit garan­tiert, dass Hoch­schul­lehrin­nen und Hoch­schul­leh­rer im Wis­sen­schafts­be­trieb in einem Maße mit­wir­ken und mit­ent­schei­den kön­nen, dass Gefah­ren für die Frei­heit von For­schung und Leh­re ver­mie­den wer­den. Ent­schei­dend ist dabei die Gewich­tung der Befug­nis­se zwi­schen Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen – also den Gre­mi­en, in denen wis­sen­schaft­lich Täti­ge ver­tre­ten sind – und den Lei­tungs­or­ga­nen von Hoch­schu­len und Uni­ver­si­tä­ten.

Im Fal­le der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg (DHBW) sind die­se Vor­ga­ben nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­ge­hal­ten. Der Gesetz­ge­ber hat sei­nen Gestal­tungs­spiel­raum mit den im Lan­des­hoch­schul­ge­setz (LHG) ent­hal­te­nen Vor­schrif­ten in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se genutzt. Die Regeln zur Orga­ni­sa­ti­on der Hoch­schu­le bewir­ken im Ergeb­nis kei­ne struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit.

Die Ver­fas­sung der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg[↑]

Die DHBW ent­stand mit Wir­kung zum 1.03.2009, als das Land die dama­li­gen Berufs­aka­de­mien in die neu errich­te­te Hoch­schu­le als Stu­di­en­aka­de­mien ein­glie­der­te [1]. In der DHBW sind Stu­di­en­aka­de­mien (§ 27a LHG) und Aus­bil­dungs­stät­ten (§ 65c LHG) in einer Kör­per­schaft zusam­men­ge­schlos­sen; aner­kann­te Aus­bil­dungs­stät­ten sind Mit­glie­der der Hoch­schu­le (§ 9 Abs. 1 Satz 6, § 65c Abs. 2 LHG) und in den Gre­mi­en der DHBW ver­tre­ten. Die DHBW ist zudem zwei­stu­fig auf­ge­baut, mit einer zen­tra­len Ebe­ne, wo nach § 6 der Grund­ord­nung (GrO) das Prä­si­di­um als Hoch­schul­lei­tung, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und der Auf­sichts­rat ange­sie­delt sind, und einer ört­li­chen dezen­tra­len Ebe­ne der neun Stu­di­en­aka­de­mien, wo nach § 17 GrO der Rek­tor, der Ört­li­che Hoch­schul­rat und der Ört­li­che Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­rich­tet wer­den. Die Auf­ga­ben der DHBW sind in § 2 Abs. 1 Satz 1 und Satz 3 Nr. 5 LHG fest­ge­legt.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Die Beschwer­de­füh­ren­den sind Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren an ver­schie­de­nen Stand­or­ten der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg (DHBW). Sie wen­den sich gegen die Vor­ga­ben zur Wahl und Abwahl der zen­tra­len Lei­tungs­or­ga­ne sowie der ört­li­chen Rek­to­ra­te nach dem Gesetz über die Hoch­schu­len in Baden-Würt­tem­berg, dem Lan­des­hoch­schul­ge­setz (LHG) vom 01.01.2005 [2], mit Anpas­sun­gen im Drit­ten Gesetz zur Ände­rung hoch­schul­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Drit­tes Hoch­schul­rechts­än­de­rungs­ge­setz – 3. HRÄG) vom 01.04.2014 [3], zuletzt geän­dert durch Arti­kel 1 des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts vom 13.03.2018 [4].

Die am 13.06.2014 erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­te­te sich zunächst gegen Ände­run­gen des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes aus dem Jahr 2014. Nach dem Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Baden-Würt­tem­berg vom 14.11.2016 – 1 VB 16/​15 – und der nach­fol­gen­den Ände­rung des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes im Jahr 2018 im Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts vom 13.03.2018 [4] wur­de die Ver­fas­sungs­be­schwer­de teil­wei­se auf­recht­erhal­ten und teil­wei­se für erle­digt erklärt, dies aber spä­ter teil­wei­se wider­ru­fen. Nun­mehr rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 18 Abs. 2 Satz 3 bis 6, Abs. 3 und Abs. 5 Satz 1 bis 4 LHG sowie § 18a LHG in der Fas­sung des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts vom 13.03.2018, gegen § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 15 LHG in der Fas­sung des Drit­ten Hoch­schulän­de­rungs­ge­set­zes vom 01.04.2014 sowie hilfs­wei­se gegen § 27a Abs. 3 Satz 1 bis 4, Abs. 4 Satz 6 und 7 LHG in der Fas­sung des Drit­ten Hoch­schulän­de­rungs­ge­set­zes vom 01.04.2014 und § 27e LHG in der Fas­sung des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts vom 13.03.2018.

Die Beschwer­de­füh­ren­den mei­nen, die Rege­lun­gen zur zen­tra­len und zur dezen­tra­len Orga­ni­sa­ti­on der DHBW sei­en wei­ter­hin wis­sen­schafts­i­nad­äquat und ver­letz­ten sie in ihrem Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG. Auf der zen­tra­len Ebe­ne der DHBW sei­en dem Prä­si­di­um zahl­rei­che wis­sen­schafts­re­le­van­te Kom­pe­ten­zen zuge­wie­sen, die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te aber von fast allen wesent­li­chen wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen. Dies wer­de nicht durch hin­rei­chen­de Mit­wir­kungs, Ein­fluss, Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te kom­pen­siert. Die lau­fen­de Geschäfts­tä­tig­keit des Prä­si­di­ums kön­ne nicht aus­rei­chend beein­flusst wer­den. Auf die Zusam­men­set­zung des Prä­si­di­ums könn­ten die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Grund­rechts­be­rech­tig­ten nicht wirk­sam Ein­fluss neh­men.

Auch die dezen­tra­le Ebe­ne der DHBW sei ver­fas­sungs­wid­rig orga­ni­siert. Zwar sol­le die Lei­tung der Stu­di­en­aka­de­mien grund­sätz­lich den ört­li­chen Rek­to­rin­nen oder Rek­to­ren über­tra­gen wer­den, doch kön­ne das Prä­si­di­um Auf­ga­ben jeder­zeit an sich zie­hen; es sei daher recht­lich und tat­säch­lich das Lei­tungs­or­gan. Prä­si­di­um und Ört­li­che Hoch­schul­rä­te hät­ten zudem sub­stan­zi­el­le Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se, die Ört­li­chen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te als Kol­le­gi­al­or­gan der Grund­rechts­trä­ge­rin­nen und Grund­rechts­rechts­trä­ger dage­gen nur begrenz­te Mit­wir­kungs­rech­te.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­me (§ 93a Abs. 2 BVerfGG): Ihr kom­me kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung zu (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG) und ihre Annah­me sei auch nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genann­ten Rech­te ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG).

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung [5]. Die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen kön­nen auf der Grund­la­ge der vor­han­de­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be ent­schie­den wer­den. Inso­weit kann offen blei­ben, ob, wovon der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof aus­geht, auf­grund des Reprä­sen­ta­ti­ons­prin­zips in kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en für die Grup­pe der Hoch­schul­leh­ren­den nur gewer­tet wer­den kön­ne, wer von die­sen mit einem ent­spre­chen­den Reprä­sen­ta­ti­ons­man­dat gewählt wur­de [6]. Dazu hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis­lang nicht ent­schie­den und eine sol­che Begren­zung ergibt sich aus der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nicht [7]. Auf die Fra­ge kommt es vor­lie­gend aber auch nicht an. Die Anfor­de­run­gen an die Mög­lich­keit des hoch­schu­li­schen Kol­le­gi­al­or­gans, das Lei­tungs­or­gan zu wäh­len und abzu­wäh­len, sind von der Ver­tei­lung der Befug­nis­se zwi­schen bei­den Orga­nen abhän­gig [8] und für die Beur­tei­lung der nöti­gen Mit­wir­kung ist der Ein­fluss der wis­sen­schaft­lich Täti­gen bezie­hungs­wei­se der Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler ins­ge­samt ent­schei­dend [9].

Die Annah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auch nicht zur Durch­set­zung des Grund­rechts der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG). Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne Aus­sicht auf Erfolg [10], denn sie ist teil­wei­se unzu­läs­sig und im Übri­gen unbe­grün­det.

Die Frist zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (§ 93 Abs. 3 BVerfGG) ist nicht in jedem Fall gewahrt. Die Beschwer­de­füh­ren­den zu 35)) bis 80)) haben sich der Ver­fas­sungs­be­schwer­de erst nach der Geset­zes­än­de­rung im Jahr 2018 ange­schlos­sen. Sie kön­nen sich daher grund­sätz­lich nur gegen die in die­sem Jahr in Kraft gesetz­ten Neu­re­ge­lun­gen des Lan­des­hoch­schul­rechts wen­den. Hin­sicht­lich der vor­an­ge­gan­ge­nen Fas­sun­gen des Geset­zes war die Jah­res­frist ver­stri­chen.

DHBW und die Wis­sen­schafts­frei­heit[↑]

Die Rege­lun­gen zur Orga­ni­sa­ti­on der DHBW ver­let­zen nicht die in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit.

Die Beschwer­de­füh­ren­den kön­nen sich als an der DHBW täti­ge Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren auf den Schutz der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG beru­fen.

Soweit die eigen­stän­di­ge Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches in For­schung und Leh­re über­tra­gen wird, fällt dies unter den Schutz des Art. 5 Abs. 3 GG [11]. In wel­chen Ein­rich­tun­gen, in wel­chem Umfang und bezo­gen auf wel­chen Fächer­zu­schnitt Per­so­nen amt­lich damit betraut wer­den, wis­sen­schaft­lich eigen­stän­dig zu for­schen und zu leh­ren, ist eine Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers. Er ist dabei nicht auf die Fort­schrei­bung von Tra­di­tio­nen beschränkt. Zwar wur­den die Grund­sät­ze der Wis­sen­schafts­frei­heit für Uni­ver­si­tä­ten ent­wi­ckelt, dann aber auf Fach­hoch­schu­len über­tra­gen [12]. Die wis­sen­schaft­li­che Leh­re ist insti­tu­tio­nell nicht an Uni­ver­si­tä­ten gebun­den [13] und nicht nur Grund­la­gen­for­schung, son­dern auch anwen­dungs­be­zo­ge­ne For­schung als Wis­sen­schaft von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschützt [14].

Danach sind die DHBW als wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tung und die wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit der dort Beschäf­tig­ten von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG erfasst [15]. Nach § 1 Abs. 2 Nr. 5 LHG ist die DHBW eine staat­li­che Hoch­schu­le, die der Gesetz­ge­ber im Lan­des­hoch­schul­ge­setz aus­drück­lich „in die Rei­he der vor­han­de­nen Hoch­schu­len“ gestellt hat [16]. Nach § 2 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 LHG ver­mit­telt die DHBW im „dua­len Sys­tem“ des Stu­di­ums an der Stu­di­en­aka­de­mie und der pra­xis­ori­en­tier­ten Aus­bil­dung in den betei­lig­ten Aus­bil­dungs­stät­ten die Fähig­keit zur selbst­stän­di­gen Anwen­dung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se und Metho­den in der Berufs­pra­xis und betreibt im Zusam­men­wir­ken mit den Aus­bil­dungs­stät­ten auf die Erfor­der­nis­se der dua­len Aus­bil­dung bezo­ge­ne „koope­ra­ti­ve For­schung“. Nach § 46 Abs. 1 Satz 1 LHG neh­men die Hoch­schul­leh­ren­den die­se Auf­ga­ben in ihren Fächern nach nähe­rer Aus­ge­stal­tung ihres Dienst­ver­hält­nis­ses selbst­stän­dig wahr.

Eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit liegt bei Gesamt­wür­di­gung der Rege­lun­gen für die DHBW im Lan­des­hoch­schul­recht nicht vor. Der Gesetz­ge­ber hat den ihm zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum für Ein­rich­tun­gen der For­schung und Leh­re in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se genutzt.

Satz 1 GG ver­pflich­tet den Staat zu Schutz und För­de­rung wis­sen­schaft­li­cher Betä­ti­gung und garan­tiert den in der Wis­sen­schaft Täti­gen zugleich die Teil­ha­be am Wis­sen­schafts­be­trieb. Die­se Mit­wir­kung ist kein Selbst­zweck, son­dern dient dem Schutz vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen [17]; im Kern wis­sen­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen sind der Wis­sen­schaft selbst über­las­sen. Der Staat muss danach für funk­ti­ons­fä­hi­ge Insti­tu­tio­nen eines frei­en uni­ver­si­tä­ren Wis­sen­schafts­be­triebs sor­gen und sicher­stel­len, dass das Grund­recht der frei­en wis­sen­schaft­li­chen Betä­ti­gung so weit unan­ge­tas­tet bleibt, wie das unter Berück­sich­ti­gung der ande­ren legi­ti­men Auf­ga­ben der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen und der Grund­rech­te der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten mög­lich ist [18]. Zur Orga­ni­sa­ti­on der Wis­sen­schafts­frei­heit bedarf es eines Gesamt­ge­fü­ges, in dem Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se und Mit­wir­kungs­rech­te, Ein­fluss­nah­me, Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le durch die wis­sen­schaft­lich Täti­gen so beschaf­fen sind, dass Gefah­ren für die Frei­heit von Leh­re und For­schung ver­mie­den wer­den [19].

Das hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge ist ins­be­son­de­re nach dem Gewicht der Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se zwi­schen kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen und Lei­tungs­or­ga­nen zu bewer­ten. Zwar genießt dabei kei­nes von bei­den pau­schal einen Vor­rang. Je mehr, je grund­le­gen­der und je sub­stan­ti­el­ler jedoch wis­sen­schafts­re­le­van­te per­so­nel­le und sach­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se dem kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­or­gan ent­zo­gen und einem Lei­tungs­or­gan zuge­wie­sen wer­den, des­to stär­ker muss im Gegen­zug die Mit­wir­kung des Selbst­ver­wal­tungs­or­gans an der Bestel­lung und Abbe­ru­fung die­ses Lei­tungs­or­gans und an des­sen Ent­schei­dun­gen aus­ge­stal­tet sein, damit Gefah­ren für die Frei­heit von Leh­re und For­schung ver­mie­den wer­den [20]. Wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun­gen betref­fen inso­fern nicht nur kon­kre­te For­schungs­vor­ha­ben oder Lehr­an­ge­bo­te, son­dern auch die Pla­nung der wei­te­ren Ent­wick­lung einer Ein­rich­tung und die Ord­nun­gen, die für die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on gel­ten sol­len; dazu gehö­ren alle den Wis­sen­schafts­be­trieb prä­gen­den Ent­schei­dun­gen über die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und den Haus­halt [21].

Die Mit­wir­kung am Ver­fah­ren zur Aus­wahl der Hoch­schul­lei­tung sowie die Wahl selbst müs­sen eben­falls mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG im Ein­klang ste­hen [22]. Das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit wird aller­dings nicht ver­letzt, wenn der Staat an der Ent­schei­dung über die Beset­zung von Hoch­schul­lei­tun­gen betei­ligt ist [23]. Doch muss auch hier ein hin­rei­chen­der Ein­fluss der Trä­ger der Wis­sen­schafts­frei­heit gewahrt wer­den [24]. Aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG folgt inso­fern kein Anspruch, über die Hoch­schul­lei­tung aus­schließ­lich selbst zu bestim­men [25], aber ein Mit­ent­schei­dungs­recht. Der Gesetz­ge­ber darf im Übri­gen bei einer Neu­be­stel­lung eines Lei­tungs­or­gans berück­sich­ti­gen, ob das Ver­tre­tungs­or­gan aka­de­mi­scher Selbst­ver­wal­tung vor­her mit­ge­wirkt hat [26]; zudem muss eine Abwahl umso selbst­be­stimm­ter sein, je höher Aus­maß und Gewicht der Lei­tungs­be­fug­nis­se sind [27].

Das durch die ange­grif­fe­nen Nor­men gepräg­te Gesamt­ge­fü­ge der Orga­ni­sa­ti­on der DHBW genügt die­sen Anfor­de­run­gen. Der Gesetz­ge­ber hat dem Prä­si­di­um der DHBW zwar weit­rei­chen­de wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se auf zen­tra­ler Ebe­ne über­tra­gen. Die­se wer­den jedoch durch Mit­wir­kungs­rech­te des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als kol­le­gia­lem Ver­tre­tungs­or­gan sowie durch Mit­wir­kungs­rech­te der Grup­pe der Grund­rechts­trä­ge­rin­nen und Grund­rechts­trä­ger bei der Krea­ti­on der Lei­tungs­or­ga­ne in ver­fas­sungs­recht­lich aus­rei­chen­der Wei­se kom­pen­siert.

Soweit die Beschwer­de­füh­ren­den mei­nen, dass Auf­sichts­rat und Prä­si­di­um eine Organ­grup­pe bil­de­ten, wes­halb das Ver­hält­nis zwi­schen dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und Prä­si­di­um und Auf­sichts­rat zusam­men zu bewer­ten sei, greift dies nicht durch. Die Vor­schrif­ten zum Auf­sichts­rat sind ohne­hin nicht ange­grif­fen. Im Übri­gen steht das Grund­ge­setz einer Mit­wir­kung extern besetz­ter Gre­mi­en in der Hoch­schu­le nicht ent­ge­gen [28]. Es ist auch nicht erkenn­bar, dass die gesetz­li­chen Vor­ga­ben eine Ver­flech­tung zwi­schen exter­nem Gre­mi­um und Prä­si­di­um bewir­ken wür­den, die die Wis­sen­schafts­frei­heit struk­tu­rell gefähr­det.

Es ist nicht erkenn­bar, dass die Regeln zur Orga­ni­sa­ti­on der DHBW eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit bewir­ken. Aller­dings ver­fügt das Prä­si­di­um der DHBW über erheb­li­che wis­sen­schafts­re­le­van­te Befug­nis­se. Dazu gehört die Kom­pe­tenz für den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan [29], den das Prä­si­di­um erstellt, dabei aber die Ört­li­chen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te betei­li­gen muss (§ 27c Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 LHG). Zudem unter­lie­gen die Plä­ne, die dann vom Auf­sichts­rat beschlos­sen wer­den (§ 20 Abs. 1 Satz 4 Nr. 2 LHG), einem Zustim­mungs­vor­be­halt durch den zen­tra­len Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW (§ 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 LHG). Die­ser kann damit den Plan zwar selbst nicht ändern, aber die Zustim­mung ver­wei­gern und damit Anpas­sun­gen durch­set­zen [30]. Unter Berück­sich­ti­gung des Aus­ge­stal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers genügt dies, um zu ver­hin­dern, dass ein Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan ohne hin­rei­chen­de Mit­wir­kung der Grund­rechts­be­rech­tig­ten beschlos­sen wird.

Des­glei­chen ver­let­zen die Regeln zum Abschluss von Hoch­schul­ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba­run­gen nicht die Anfor­de­run­gen aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG. Nach § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4 LHG ist für die­se Ent­schei­dung an der DHBW das Prä­si­di­um zustän­dig; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 LHG nur das Recht zur Stel­lung­nah­me. Doch ist das Prä­si­di­um an die Ent­wick­lungs­pla­nung gebun­den, an wel­cher das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit­wirkt. Das kann die feh­len­de Teil­ha­be am Abschluss die­ser Ver­ein­ba­run­gen kom­pen­sie­ren [31]. Die Bin­dung nach § 13 Abs. 2 Satz 3 LHG ist daher so zu ver­ste­hen, dass in Ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba­run­gen die Ziel­set­zun­gen aus geneh­mig­ten Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­nen zwin­gend zu beach­ten sind.

Auch die Vor­ga­ben zu Ent­schei­dun­gen über Funk­ti­ons­be­schrei­bun­gen von Pro­fes­su­ren vor einer Beru­fung nach § 48 Abs. 1 LHG sind wie auch die Vor­ga­ben zur Beru­fung selbst [32] mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen zu ver­ein­ba­ren. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 LHG ein Recht zur Stel­lung­nah­me, wenn die Funk­ti­ons­be­schrei­bung einer Pro­fes­sur nicht ohne­hin mit dem Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan über­ein­stimmt, der wie­der­um an die Zustim­mung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gebun­den ist. Für die Beru­fung ist dann nach § 48 Abs. 2 Satz 1 LHG der Prä­si­dent bezie­hungs­wei­se die Prä­si­den­tin im Ein­ver­neh­men mit dem Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um zustän­dig, doch ver­fü­gen die Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren nach § 48 Abs. 3 Satz 2 LHG in der Beru­fungs­kom­mis­si­on über die Mehr­heit der Stim­men und der Beru­fungs­vor­schlag nach § 48 Abs. 3 Satz 7 LHG bedarf der Zustim­mung des Ört­li­chen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Damit ist für den Regel­fall gesi­chert, dass gegen den Wil­len der Hoch­schul­leh­ren­den kei­ne Beru­fung erfol­gen kann. Dar­an ändert die in § 48 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 LHG ein­ge­räum­te Mög­lich­keit des Prä­si­den­ten bezie­hungs­wei­se der Prä­si­den­tin, von einem Beru­fungs­vor­schlag in begrün­de­ten Fäl­len abzu­wei­chen, nichts. Ein Abwei­chen vom Vor­schlag ist nur aus hin­rei­chend gewich­ti­gen sach­li­chen Grün­den mög­lich [33]. Auch das nach § 48 Abs. 2 Satz 1 LHG erfor­der­li­che Ein­ver­neh­men des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums darf nur in begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len ver­wei­gert wer­den.

Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben zu den wis­sen­schafts­re­le­van­ten Haus­halts- und Bud­get­ent­schei­dun­gen [34] bewir­ken eben­falls kei­ne struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit. Nach § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 6 und 7 LHG ist für die Auf­stel­lung und den Voll­zug des Haus­halts- oder Wirt­schafts­plans der DHBW das Prä­si­di­um zustän­dig und die Beschluss­fas­sung über den Ent­wurf des Haus­halts­vor­anschlags oder des Wirt­schafts­plans obliegt nach § 20 Abs. 1 Satz 4 Nr. 3 LHG dem Auf­sichts­rat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW hat nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 LHG ledig­lich das Recht zur Stel­lung­nah­me. Dies genügt grund­sätz­lich nicht, um die hin­rei­chen­de Mit­wir­kung der Grund­rechts­be­rech­tig­ten zu sichern [35]. Der Gesetz­ge­ber hat inso­fern aber Vor­ga­ben gemacht, die die­ses Teil­ha­be­de­fi­zit hin­rei­chend kom­pen­sie­ren [36]. Er hat dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Gesamt­ge­fü­ge der DHBW erheb­li­che Mit­wir­kungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se zuge­wie­sen [37]. So beschließt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 LHG über die Ein­rich­tung, Ände­rung und Auf­he­bung von Stu­di­en­gän­gen, Hoch­schul­ein­rich­tun­gen, Fach­grup­pen sowie gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen und Kom­mis­sio­nen im Sin­ne von § 15 Abs. 6 LHG. Zudem beschließt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 LHG über die Fest­set­zung von Zulas­sungs­zah­len zum Stu­di­um und muss der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung der Hoch­schu­le zustim­men, mit der die Eck­da­ten für die fach­li­che, struk­tu­rel­le, per­so­nel­le, bau­li­che und finan­zi­el­le Ent­wick­lung der Hoch­schu­le sowie Fest­le­gun­gen für die künf­ti­ge Ver­wen­dung frei­wer­den­der Stel­len von Pro­fes­su­ren getrof­fen wer­den (§ 7 Abs. 1 Satz 2 LHG), was über die kon­kret gere­gel­ten Gegen­stän­de hin­aus (finan­zi­el­le) Fol­ge­wir­kun­gen hat, was die Bin­dung der Pla­nung ver­stärkt [38].

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW ist zudem das sat­zungs­ge­ben­de Organ der Hoch­schu­le. Er beschließt nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 12 LHG über die Grund­ord­nung (§ 8 Abs. 4 LHG) und kann damit die Bin­nen­struk­tur der Hoch­schu­le fest­le­gen. Er beschließt nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 9 LHG die Sat­zun­gen für Hoch­schul­prü­fun­gen, nimmt zu staat­li­chen Prü­fungs­ver­ord­nun­gen Stel­lung und beschließt an der DHBW über wei­te­re stu­di­en­re­le­van­te Ange­le­gen­hei­ten sowie nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 10 LHG auch über alle ande­ren Sat­zun­gen.

Eine Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit ergibt sich auch nicht dar­aus, dass es an einer Kon­trol­le der täg­li­chen Arbeit des Prä­si­di­ums feh­len wür­de. Die dar­auf abzie­len­de Rüge der Ver­fas­sungs­be­schwer­de greift nicht durch. Bei der Gesamt­wür­di­gung [39] der Regeln, die wis­sen­schafts­ge­fähr­den­des Han­deln in der Orga­ni­sa­ti­on ver­hin­dern müs­sen [40], ist zu berück­sich­ti­gen, dass dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt viel­fa­che Kon­troll- und Infor­ma­ti­ons­rech­te gegen­über dem Prä­si­di­um der DHBW zuste­hen [41]. Das Prä­si­di­um muss das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und sei­ne beschlie­ßen­den Aus­schüs­se über alle wich­ti­gen, die Hoch­schu­le und ihre Ver­wal­tung betref­fen­den Ange­le­gen­hei­ten unter­rich­ten (§ 16 Abs. 6 Satz 1 LHG). Zudem kann ein Vier­tel das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mit­glie­der in allen Ange­le­gen­hei­ten in der Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach § 19 Abs. 3 Satz 1 LHG ver­lan­gen, dass das Prä­si­di­um das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter­rich­tet. Dane­ben kann jedes Mit­glied des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach § 19 Abs. 3 Satz 2 LHG schrift­li­che, elek­tro­ni­sche oder in einer Sit­zung münd­li­che Anfra­gen zu Ange­le­gen­hei­ten in der Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an das Prä­si­di­um rich­ten. Der Gesetz­ge­ber gibt dazu vor, dass eine Anfra­ge grund­sätz­lich inner­halb von sechs Wochen zu beant­wor­ten ist oder eine Zwi­schen­nach­richt erfol­gen muss (§ 19 Abs. 3 Satz 2 Halb­satz 2 LHG i.V.m. § 9 Abs. 4 GrO). Schließ­lich kann ein Vier­tel das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mit­glie­der nach § 19 Abs. 1 Satz 3 LHG Gegen­stän­de auf die Tages­ord­nung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts set­zen las­sen. Ins­ge­samt kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, in dem die Hoch­schul­leh­ren­den die Mehr­heit bil­den, also kon­ti­nu­ier­lich an der Arbeit des Prä­si­di­ums teil­ha­ben.

Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben zur Mit­wir­kung der an der DHBW wis­sen­schaft­lich Täti­gen bei der Wahl und Abwahl der Hoch­schul­lei­tung tra­gen im Gesamt­ge­fü­ge dazu bei, eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit zu ver­hin­dern. Inso­weit ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten, die Wahl der Hoch­schul­lei­tung allein durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu ermög­li­chen, da es kei­nen Anspruch dar­auf gibt, über die Hoch­schul­lei­tung aus­schließ­lich selbst zu bestim­men [25]. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­ren­den kann ein Mit­glied des Prä­si­di­ums der DHBW nach den gesetz­li­chen Vor­ga­ben aber auch nicht gegen den Wil­len des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bestellt wer­den. Viel­mehr ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW an allen Schrit­ten des Ver­fah­rens der Wahl der Hoch­schul­lei­tung betei­ligt, was den Hoch­schul­leh­ren­den maß­geb­li­chen Ein­fluss sichert [42]. Das gilt sowohl für die Fin­dung geeig­ne­ter Per­so­nen wie auch für die Wahl selbst (§ 18 LHG). Seit 2018 ver­fü­gen die Grund­rechts­be­rech­tig­ten zudem nach § 10 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LHG im Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW über die Mehr­heit der Stim­men, wes­halb gegen ihren (über­ein­stim­men­den) Wil­len grund­sätz­lich nie­mand gewählt wer­den kann.

Die hin­rei­chen­de Mit­wir­kung der Grund­rechts­be­rech­tig­ten selbst ist auch gege­ben, wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der DHBW an der Wahl der Hoch­schul­lei­tung nicht mehr mit­wirkt, weil im Fall der Stim­men­gleich­heit im drit­ten Wahl­gang nach § 18 Abs. 3 Satz 5 LHG und § 7b Abs. 4 Satz 5 GrO [43] das Los ent­schei­det. Danach könn­te zwar eine Per­son „gewählt“ wer­den, die nicht von der Mehr­heit im Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt getra­gen wür­de. Jedoch hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als nach § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 12 LHG sat­zungs­ge­ben­des Organ für die Grund­ord­nung (§ 8 Abs. 4 LHG) dies selbst so beschlos­sen. Ein Mit­wir­kungs­de­fi­zit zulas­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ergibt sich daher dar­aus nicht.

Des­glei­chen wer­den die Rege­lun­gen zur Abwahl von Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums der DHBW den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen gerecht. Nach § 18 Abs. 5 LHG ist eine Abwahl nur auf­grund einer gemein­sa­men Ent­schei­dung der Hoch­schul­or­ga­ne und des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums mög­lich. Die Grund­rechts­be­rech­tig­ten kön­nen die Abwahl über das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch selbst vor­schla­gen, sie nur nicht allein her­bei­füh­ren. Inso­weit kann sich der Gesetz­ge­ber für eine auf wech­sel­sei­ti­ge Koope­ra­ti­on ange­leg­te Orga­ni­sa­ti­on ent­schei­den. Die Abwahl ist ohne­hin kei­ne Ent­schei­dung über die Eig­nung einer Per­son für die Auf­ga­be, son­dern mit dem Erfor­der­nis einer Zwei­drit­tel­mehr­heit [44] und dem Zusam­men­wir­ken der Betei­lig­ten eine letz­te Opti­on zur Lösung von Kon­flik­ten zwi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und Hoch­schul­lei­tung. Das Ver­fah­ren soll die betrof­fe­nen Per­so­nen vor will­kür­li­chen Ent­schei­dun­gen schüt­zen [45]. Inso­fern ist weder eine nur abs­trakt denk­ba­re Blo­cka­de­mög­lich­keit zu bean­stan­den [46] noch die Ein­bin­dung des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums, denn sie erlaubt kei­ne wis­sen­schafts­po­li­tisch belie­bi­gen Ent­schei­dun­gen und eröff­net kein frei­es poli­ti­sches Ermes­sen [47].

Der Gesetz­ge­ber hat in § 18a LHG zudem ein Abwahl­recht spe­zi­ell für die wahl­be­rech­tig­ten Mit­glie­der der Grup­pe der Hoch­schul­leh­ren­den geschaf­fen. Die Rege­lung soll der Maß­ga­be des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs Rech­nung tra­gen, der es als erfor­der­lich ansieht, dass sich die Grup­pe der Hoch­schul­leh­ren­den ohne Mit­wir­kung ande­rer Grup­pen oder wei­te­rer Betei­lig­ter von einem Rek­to­rats­mit­glied, das ihr Ver­trau­en nicht mehr genie­ße, tren­nen kön­nen müs­se. Hier ist nicht zu ent­schei­den, ob dies zur Wah­rung der in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­ten Wis­sen­schafts­frei­heit zwin­gend ist. Jeden­falls ist die Rege­lung für eine Son­der­si­tua­ti­on gedacht; sie soll leicht­fer­ti­gem Umgang oder gar Miss­brauch vor­beu­gen und das Abwahl­ver­fah­ren bei einem unheil­ba­ren Ver­trau­ens­ver­lust hin­rei­chend effek­tiv gestal­ten [48]. Dabei sind Min­dest­quo­ren grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den [49]. Auch hier ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Gesetz­ge­ber nicht an über­kom­me­ne Model­le der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on gebun­den ist [50]. Für weit­ge­hen­de Mit­wir­kungs­rech­te der Hoch­schul­leh­ren­den an der Abwahl der Hoch­schul­lei­tung spricht jeden­falls, dass sie auf­grund ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on, Funk­ti­on, Ver­ant­wor­tung und Betrof­fen­heit und ihrer damit beson­ders engen Ver­bun­den­heit mit der in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­ten Wis­sen­schafts­frei­heit beson­ders geeig­net sind, für die Wis­sen­schafts­ad­äquanz von hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen zu sor­gen [51].

Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben für die dezen­tra­le Ebe­ne der DHBW genü­gen eben­falls den Anfor­de­run­gen aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG.

Soweit vor­ge­tra­gen wird, die Stu­di­en­aka­de­mien wür­den nicht vor Ort, son­dern zen­tral gelei­tet, greift dies unab­hän­gig davon, ob damit die Wis­sen­schafts­frei­heit gefähr­det wäre, nicht durch. Für die Lei­tung der Stu­di­en­aka­de­mien ist nach § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 15 LHG das Prä­si­di­um zustän­dig, soweit nicht das Lan­des­hoch­schul­ge­setz oder das Prä­si­di­um selbst die Wahr­neh­mung von Lei­tungs­auf­ga­ben all­ge­mein oder im Ein­zel­fall der Rek­to­rin oder dem Rek­tor der Stu­di­en­aka­de­mie zuwei­sen. Nach § 16 Abs. 8 LHG, auf den § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 15 LHG ver­weist, über­trägt das Prä­si­di­um die Lei­tung im Regel­fall wider­ruf­lich, sofern nicht über­ge­ord­ne­te Belan­ge der DHBW ent­ge­gen­ste­hen. Die Dele­ga­ti­on auf die ört­li­che Ebe­ne ist nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on die Regel und es ist begrün­dungs­be­dürf­tig, wenn nicht dele­giert wird [52]. Ihre Wider­ruf­lich­keit erzeugt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­ren­den kein Druck­po­ten­zi­al, das die Wis­sen­schafts­frei­heit gefähr­den wür­de. Auch in der Hoch­schu­le wird inso­weit auf den Grund­satz der Organ­treue ver­wie­sen, wonach alle Betei­lig­ten zur Rück­sicht­nah­me und mög­lichst scho­nen­der Aus­übung der ihnen zuge­wie­se­nen Befug­nis­se sowie (rechts-)treuem Ver­hal­ten ver­pflich­tet sind [53].

Auch für die ört­li­che Ebe­ne der DHBW ergibt eine Betrach­tung im Gesamt­ge­fü­ge, dass dem Rek­to­rat zwar erheb­li­che wis­sen­schafts­re­le­van­te Befug­nis­se über­tra­gen sind, dem jedoch Mit­wir­kungs­rech­te des Kol­le­gi­al­or­gans gegen­über­ste­hen, über wel­che die Belan­ge der Grund­rechts­be­rech­tig­ten zur Gel­tung kom­men kön­nen. Das zei­gen die umfäng­li­chen Zustän­dig­kei­ten der Ört­li­chen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te, in dem von den zen­tra­len Orga­nen vor­ge­ge­be­nen Rah­men zu ent­schei­den. Sie prä­gen damit Grund­satz­fra­gen des Lehr- und Stu­di­en­be­triebs im Rah­men der Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­vor­schrif­ten, die stand­ort­spe­zi­fi­schen Inhal­te der Stu­di­en- und Aus­bil­dungs­plä­ne, die zuge­hö­ri­gen Prü­fungs­ord­nun­gen, den Gleich­stel­lungs­plan, die Pla­nung der wei­te­ren Ent­wick­lung der Stu­di­en­aka­de­mie, die Zustim­mung zu Vor­schlä­gen zur Beru­fung und Ver­lei­hung von Hono­rar­pro­fes­su­ren, zur Ein­rich­tung, Ände­rung oder Auf­he­bung von Stu­di­en­gän­gen, zur Koor­di­nie­rung der Arbeit der Stu­di­en­be­rei­che sowie zum Vor­schlag des Prä­si­di­ums der DHBW zum Wahl­vor­schlag für die Wahl der Rek­to­rin oder des Rek­tors der Stu­di­en­aka­de­mie (§ 27a Abs. 3 Satz 1 LHG).

Der Ört­li­che Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat auch bei der Wahl der Lei­tung der Stu­di­en­aka­de­mien nach § 27a Abs. 3 Satz 1 LHG ein Anhö­rungs­recht und muss die Wahl nach § 27a Abs. 3 Satz 4 LHG bestä­ti­gen. Die Abwahl ist wie auf der zen­tra­len Ebe­ne in § 27e LHG geson­dert gere­gelt, lässt aber die Grund­rechts­be­rech­tig­ten selbst maß­geb­lich mit­wir­ken. Dage­gen ist ver­fas­sungs­recht­lich nichts ein­zu­wen­den. Ein Abwahl­recht der Mit­glie­der des Prä­si­di­ums durch die ört­li­chen Stu­di­en­aka­de­mien als recht­lich unselb­stän­di­gen ört­li­chen Unter­ein­hei­ten ist ver­fas­sungs­recht­lich jeden­falls nicht zwin­gend.

Ins­ge­samt genügt die Aus­ge­stal­tung der Orga­ni­sa­ti­on der DHBW damit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen. Eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit ist in die­sem Rah­men nicht erkenn­bar.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 5. Febru­ar 2020 – 1 BvR 1586/​14

  1. LTDrucks 14/​3390, S. 70, 78[]
  2. GBl. S. 1[]
  3. GBl. S. 99[]
  4. GBl. S. 85[][]
  5. vgl. BVerfGE 90, 22, 24 f.; 96, 245, 248[]
  6. VerfGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 14.11.2016 – 1 VB 16/​15 130[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 02.10.2003 – 1 BvR 1504/​03, Rn. 24; Goerlich/​Sandberger, DVBl 2017, S. 667, 675; Radermacher/​Schneider, VBlBW 2017, S. 155 f.[]
  8. vgl. BVerfGE 127, 87, 130 f.; 136, 338, 365 Rn. 60, 379 Rn. 92[]
  9. vgl. BVerfGE 136, 338, 365 f. Rn. 61; 376 ff. Rn. 83 ff.; 380 f. Rn. 95[]
  10. vgl. BVerfGE 90, 22, 25 f.[]
  11. vgl. BVerfGE 126, 1, 19[]
  12. vgl. BVerfGE 126, 1; 139, 148, 191 Rn. 82[]
  13. vgl. BVerfGE 126, 1, 19 ff.[]
  14. vgl. BVerfGE 126, 1, 24[]
  15. dazu auch LTDrucks 16/​5527[]
  16. LTDrucks 14/​3390, S. 78; § 8 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 LHG[]
  17. vgl. BVerfGE 136, 338, 362 f. Rn. 56 m.w.N.[]
  18. vgl. BVerfGE 136, 338, 362 Rn. 55 m.w.N.; stRspr[]
  19. vgl. BVerfGE 136, 338, 363 Rn. 57; 139, 148, 182 f. Rn. 68 m.w.N.[]
  20. vgl. BVerfGE 111, 333, 356 f.; 127, 87, 117 f.; 136, 338, 366 f. Rn. 60 ff.; 139, 148, 183 Rn. 68[]
  21. vgl. BVerfGE 136, 338, 364 Rn. 58 m.w.N.[]
  22. vgl. BVerfGE 111, 333, 363; 127, 87, 128 f.; 139, 148, 183 Rn. 68[]
  23. vgl. BVerfGE 111, 333, 362 f.; zuletzt BVerfGE 139, 148, 182 f. Rn. 68 m.w.N.[]
  24. vgl. BVerfGE 111, 333, 362 f.; 127, 87, 117, 129; 136, 338, 365 Rn. 60[]
  25. vgl. BVerfGE 111, 333, 365; 127, 87, 129[][]
  26. vgl. BVerfGE 136, 338, 378 Rn. 88[]
  27. vgl. BVerfGE 127, 87, 130 f.; 136, 338, 365 Rn. 60[]
  28. vgl. BVerfGE 111, 333, 363[]
  29. vgl. BVerfGE 136, 338, 369 Rn. 67[]
  30. vgl. Goerlich/​Sandberger, DVBl 2017, S. 667, 672[]
  31. vgl. BVerfGE 136, 338, 370 Rn. 68[]
  32. vgl. BVerfGE 127, 87, 121[]
  33. vgl. BVerfGE 127, 87, 123[]
  34. vgl. BVerfGE 136, 338, 371 Rn. 71[]
  35. vgl. BVerfGE 136, 338, 372 Rn. 74[]
  36. vgl. BVerfGE 136, 338, 372 Rn. 70[]
  37. vgl. VerfGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 14.11.2016 – 1 VB 16/​15, Rn. 170[]
  38. Feh­ling, OdW 2017, S. 63, 67[]
  39. vgl. BVerfGE 127, 87, 117 f.[]
  40. vgl. BVerfGE 136, 338, 367 Rn. 62, 374 Rn. 78[]
  41. vgl. LTDrucks 15/​4684, S. 165, 189 f.[]
  42. vgl. BVerfGE 136, 338, 378 Rn. 87[]
  43. ein­ge­fügt durch Nr. 9 der Vier­ten Sat­zung zur Ände­rung der Grund­ord­nung der DHBW, Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen der DHBW Nr. 02/​2019, 22.03.2019[]
  44. dazu BVerfGE 111, 333, 364[]
  45. LTDrucks 15/​4684, S. 187[]
  46. vgl. BVerfGE 111, 333, 364 f.[]
  47. vgl. BVerfGE 111, 333, 362 f.; 136, 338, 376 Rn. 83[]
  48. LTDrucks 16/​3248, S. 35 f.[]
  49. vgl. BVerfGE 136, 338, 380 f. Rn. 95[]
  50. vgl. BVerfGE 35, 79, 116; 136, 338, 363 Rn. 57[]
  51. vgl. BVerfGE 139, 148, 188 f. Rn. 78 m.w.N.[]
  52. LTDrucks 15/​4684, S. 169, 185[]
  53. vgl. OVG NRW, Beschluss vom 19.08.2011 – 15 A 1555/​11 13 ff.; Haug, in: v. Coelln/​Haug, Beck­OK Hoch­schul­recht Baden-Würt­tem­berg, 14. Ed. Stand: 01.11.2019, LHG, § 6 Rn. 18.04.[]