Dulin-Ver­fah­ren – und die Über­stel­lungs­frist

Ver­streicht die Frist zur Über­stel­lung des Asylb­wer­bers an das ursprüng­lich für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­di­ge EU-Land (Art. 29 Abs. 2 Satz 1 Dub­lin III-VO), ohne dass eine Über­stel­lung statt­fin­det, geht die Zustän­dig­keit von dem ersuch­ten – ursprüng­lich zustän­di­gen – Staat auf den ersu­chen­den – die Über­stel­lung durch­füh­ren­den – Staat über. Die Über­stel­lungs­frist ver­län­gert sich bei Flüch­tig­keit des Asyl­be­wer­bers gemäß Art. 29 Abs. 2 Satz 2 Dub­lin III-VO auf 18 Mona­te.

Dulin-Ver­fah­ren – und die Über­stel­lungs­frist

Flüch­tig im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist eine Per­son dann, wenn sie über einen erheb­li­chen Zeit­raum hin­weg aus von ihr zu ver­tre­ten­den Grün­den nicht auf­find­bar ist 1.

Im vor­lie­gen­den Fall bejaht das Ver­wal­tungs­ge­richts Greifs­wald hier­nach eine Flüch­tig­keit des Asyl­be­wer­bers, der sich über einen Zeit­raum von mehr als drei Wochen hin­weg nicht in sei­ner Unter­kunft auf­ge­hal­ten hat, ohne dass er an einem ande­ren Ort auf­find­bar gewe­sen wäre.

Der Asyl­be­wer­ber hat­te die­se Unauf­find­bar­keit im vor­lie­ge­den Fall auch zu ver­tre­ten: Er hat selbst vor­ge­tra­gen, dass er sich bei Freun­den auf­ge­hal­ten habe. Er hat indes­sen nichts dar­ge­legt, wor­aus sich ergibt, dass auch dem BAMF oder der für die Durch­füh­rung der zustän­di­gen Aus­län­der­be­hör­de der Auf­ent­halts­ort bekannt gewe­sen ist. Dass wäh­rend die­ser Zeit tele­fo­ni­scher Kon­takt zur Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bestan­den haben soll, steht der Annah­me der Flüch­tig­keit nicht ent­ge­gen.

Das Erfor­der­nis der Infor­ma­ti­on des Ziel­staa­tes über die Flüch­tig­keit des Asyl­be­wer­bers vor Ablauf der Über­stel­lungs­frist folgt aus Art. 9 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1560/​2003 der Kom­mis­si­on vom 02.09.2003 in der Fas­sung von Art. 1 Nr. 5 Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 118/​2014 der Kom­mis­si­on vom 30.01.2014. In die­ser Infor­ma­ti­on des Ziel­staa­tes auch eine – jeden­falls kon­klu­den­te getrof­fe­ne – nach dem Wort­laut von Art. 29 Abs. 2 Satz 2 Dub­lin III-VO ("Die Frist […] kann ver­län­gert wer­den […]") erfor­der­li­che Ent­schei­dung des BAMF über die Frist­ver­län­ge­rung 2.

Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald, Urteil vom 16. Dezem­ber 2016 – 3 A 231/​16 As HGW

  1. vgl. m.w.N. VG Greifs­wald, Gerichts­be­scheid v. 31.05.2016 – 3 A 256/​16 As HGW[]
  2. vgl. zur Not­wen­dig­keit einer Ent­schei­dung des BAMF über die Frist­ver­län­ge­rung: VG Dres­den, Urteil vom 12.06.2015 – 7 K 2951/​14.A[]