E‑Zigarrette: Niko­t­in­hal­ti­ge Liquids als Arz­nei­mit­tel?

Niko­t­in­hal­ti­ge Liquids, die mit­hil­fe von E-Ziga­ret­ten ver­dampft und inha­liert wer­den, haben kei­ne the­ra­peu­ti­sche Eig­nung und kei­ne the­ra­peu­ti­sche Zweck­be­stim­mung. Damit sind es kei­ne Arz­nei­mit­tel.

E‑Zigarrette: Niko­t­in­hal­ti­ge Liquids als Arz­nei­mit­tel?

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in drei hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den und fest­ge­stellt, dass E‑Zigaretten selbst kei­ne Medi­zin­pro­duk­te sind:

Im ers­ten Fall hat­te eine Frau geklagt, die in Wup­per­tal einen Laden für E‑Zigaretten und Liquids betreibt und der das Gesund­heits­amt der Stadt Wup­per­tal den Ver­trieb niko­t­in­hal­ti­ger Liquids mit der Begrün­dung unter­sagt hat­te, es han­de­le sich dabei um nicht zuge­las­se­ne Arz­nei­mit­tel. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te ihre Kla­ge in ers­ter Instanz abge­wie­sen.

Gegen­stand des zwei­ten Ver­fah­rens war eine Pres­se­mel­dung des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 16. Dezem­ber 2011, in der vor dem Ver­trieb von niko­t­in­hal­ten Liquids gewarnt wur­de, weil sie Arz­nei­mit­tel sei­en, deren Ver­trieb ohne Zulas­sung straf­bar sei. Auch hier hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf die Kla­ge eines Her­stel­lers sol­cher Liquids auf Unter­las­sung die­ser Äuße­rung abge­wie­sen, obschon des Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in einem vor­aus­ge­gan­ge­nen Eil­ver­fah­ren dem Land Nord­rhein-West­fa­len per einst­wei­li­ger Anord­nung auf­ge­ge­ben hat­te, die­se Äuße­rung zu unter­las­sen: Sol­che Liquids sei­en kei­ne Arz­nei­mit­tel.

Im drit­ten Fall klag­ten zwei Unter­neh­men, die niko­t­in­hal­ti­ge Liquids und E‑Zigaretten her­stel­len bzw. ver­trei­ben. Sie woll­ten gegen­über dem Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te gericht­lich fest­stel­len las­sen, dass die Liquids kei­ne Arz­nei­mit­tel und die für deren Ver­damp­fen not­wen­di­gen E‑Zigaretten kei­ne Medi­zin­pro­duk­te sei­en. Die­ser Kla­ge hat­te bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln statt­ge­ge­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len sei­en Niko­t­in­hal­ti­ge Liquids kei­ne Prä­sen­ta­ti­ons­arz­nei­mit­tel, weil sie nicht als Mit­tel zur Hei­lung, Lin­de­rung oder Ver­hü­tung von Krank­hei­ten bezeich­net oder emp­foh­len (prä­sen­tiert) wür­den. Die Liquids sei­en aber auch kein Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs müs­se die Ent­schei­dung, ob ein Erzeug­nis ein Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel sei, von Fall zu Fall getrof­fen wer­den, wobei alle Merk­ma­le des Erzeug­nis­ses zu berück­sich­ti­gen sei­en, also Zusam­men­set­zung, Moda­li­tä­ten des Gebrauchs, Umfang der Ver­brei­tung, Bekannt­heit bei Ver­brau­chern und Risi­ken der Ver­wen­dung. Die Anwen­dung die­ser Kri­te­ri­en füh­re zu dem Ergeb­nis, dass niko­t­in­hal­ti­ge Liquids kei­ne Arz­nei­mit­tel sei­en. Arz­nei­mit­tel hät­ten typi­scher­wei­se eine the­ra­peu­ti­sche Eig­nung und eine the­ra­peu­ti­sche Zweck­be­stim­mung. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sei­en bei niko­t­in­hal­ten Liquids nicht gege­ben. So sei­en die­se Liquids weder dazu geeig­net noch dazu bestimmt, einen dau­er­haf­ten Rauch­stopp zu erzie­len. Davon gin­gen sowohl die Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung wie auch das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum und neu­es­te wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en aus.

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im ers­ten Fall der Kla­ge im Beru­fungs­ver­fah­ren statt­ge­ge­ben, genau­so wie im Haupt­sa­che­ver­fah­ren des zwei­ten Falls. Im drit­ten Fall hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts bestä­tigt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 17. Sep­tem­ber 2013 – 13 A 2448/​12, 13 A 2541/​12 und 13 A 1100/​12