Eil­rechts­schutz durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und ihre Sub­si­dia­ri­tät

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist.

Eil­rechts­schutz durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und ihre Sub­si­dia­ri­tät

Es ist zwar nicht erfor­der­lich, dass zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes bereits ein Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren in der Haupt­sa­che anhän­gig ist [1]. Jedoch gilt auch im vor­ge­la­ger­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz­ver­fah­ren der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG).

Der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kommt nur in Betracht, wenn der Antrag­stel­ler bestehen­de Mög­lich­kei­ten, fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz zu erlan­gen, aus­ge­schöpft hat [2].

Die Antrag­stel­le­rin hat den fach­ge­richt­li­chen Rechts­weg inso­weit nicht erschöpft, als über ihre Beschwer­de gegen die Eil­rechts­be­schlüs­se des Ver­wal­tungs­ge­richts noch nicht ent­schie­den ist. Eben­so wenig ist – gera­de vor dem Hin­ter­grund, dass bei Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 1 BVerfGG ein stren­ger Maß­stab zugrun­de zu legen ist [3] – ersicht­lich, dass ihr ein Zuwar­ten bis zur Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 90 Abs. 2 BVerfGG nicht zuzu­mu­ten wäre, weil ihr sonst ein schwe­rer oder unab­wend­ba­rer Nach­teil ent­stün­de. Die Antrag­stel­le­rin macht inso­weit nur etwai­ge gesund­heit­li­che Fol­gen aus dem Voll­zug der strei­ti­gen Umset­zungs­ver­fü­gung gel­tend, ohne auch nur dar­zu­le­gen, dass eine Beschwer­de­ent­schei­dung bis zur Räu­mungs­ent­schei­dung nicht zu erlan­gen sein wird. Auch kann sie dar­aus, dass vor­an­ge­gan­ge­ne Ver­wal­tungs­streit­sa­chen zu ihren Unguns­ten aus­ge­gan­gen sind, nichts ablei­ten. Allein hier­aus ergibt sich nicht, dass eine ande­re Bewer­tung durch die Fach­ge­rich­te auch im vor­lie­gen­den Fall offen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen wäre [4]. Schließ­lich ist das Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – anders als der vor­läu­fi­ge Rechts­schutz im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren – nicht dar­auf ange­legt, mög­lichst lücken­los vor­läu­fi­gen Rechts­schutz zu bie­ten [5]. Erst recht dient es nicht dazu, das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren vor­weg­zu­neh­men [6].

Im Übri­gen erfüll­te der Antrag im hier ent­schie­de­nen Fall nicht die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an sei­ne Begrün­dung. Eine einst­wei­li­ge Anord­nung kann nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht erge­hen, wenn eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de von vorn­her­ein unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det wäre [7]. Ein Antrag nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist zudem nur zuläs­sig, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung sub­stan­ti­iert dar­ge­legt sind [8]. Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Antrags­be­grün­dung nicht gerecht.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Janu­ar 2017 – 1 BvQ 4/​17

  1. vgl. BVerfGE 105, 235, 238; 113, 113, 119 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NVwZ 2014, S. 882, 883; Beschluss vom 22.09.2016 – 2 BvQ 52/​16 2; Beschluss vom 13.10.2016 – 1 BvQ 42/​16 2[]
  3. vgl. BVerfGE 3, 41, 44; 6, 1, 3 f.; 55, 1, 3; 82, 310, 312; 87, 107, 111; 94, 166, 216 f.; 104, 23, 27; 106, 51, 58; 132, 195, 232 Rn. 86; stRspr[]
  4. vgl. BVerfGE 68, 376, 380 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 94, 166, 216[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NVwZ 2014, S. 882, 883; Beschluss vom 22.09.2016 – 2 BvQ 52/​16 4[]
  7. vgl. BVerfGE 111, 147, 152 f.; stRspr[]
  8. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.11.2006 – 1 BvQ 33/​06 2; Beschluss vom 29.10.2013 – 1 BvQ 44/​13 2; Beschluss vom 14.01.2016 – 2 BvQ 1/​16 2; Beschluss vom 13.10.2016 – 1 BvQ 42/​16 4; Beschluss vom 14.11.2016 – 1 BvQ 46/​16 3[]