Ein fünf­tes Voll­ge­schoss – und der Denk­mal­schutz

Wird ein Kul­tur­denk­mal durch ein Bau­vor­ha­ben in sei­nem Erschei­nungs­bild beein­träch­tigt, müs­sen die Eigen­tü­mer­inter­es­sen hin­ter den Denk­mal­schutz­be­lan­gen zurück­tre­ten.

Ein fünf­tes Voll­ge­schoss – und der Denk­mal­schutz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge auf Bau­ge­neh­mi­gung für ein fünf­tes Voll­ge­schoss abge­wie­sen. Im Janu­ar 2019 erhielt die Klä­ge­rin eine Geneh­mi­gung zum Neu­bau einer vier­ge­schos­si­gen Wohn­be­bau­ung mit auf­ge­setz­tem, rück­wär­ti­gem Pent­house zwi­schen den Kul­tur­denk­mä­lern „Trans­for­ma­to­ren­haus am Pfer­de­markt“ und „Pfer­de­markt 7“. Im März 2019 bean­trag­te sie den im gericht­li­chen Ver­fah­ren streit­ge­gen­ständ­li­chen Nach­trag zur Errich­tung eines fünf­ten Voll­ge­schos­ses, mit dem das geplan­te und geneh­mig­te Pent­house als Voll­ge­schoss aus­ge­baut und die Fas­sa­de mit den übri­gen Geschos­sen bün­dig wei­ter­ge­führt wer­den soll. Dies lehn­te die im gericht­li­chen Ver­fah­ren beklag­te Stadt Trier im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung ab, dass eine wei­te­re Erhö­hung des Gebäu­des das Erschei­nungs­bild und die städ­te­bau­li­che Wir­kung der oben genann­ten Kul­tur­denk­mä­ler in einem nicht mehr hin­nehm­ba­ren Umfang beein­träch­ti­ge.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier aus­ge­führt, dass es sich bei dem Kul­tur­denk­mal „Pfer­de­markt 7“ um ein aus zwei Gebäu­den bestehen­des Bau­werk han­de­le, das in Tei­len bereits im 17. und 18. Jahr­hun­dert errich­tet wor­den sei. Es stel­le sich als letz­tes Über­bleib­sel dar, das noch geeig­net sei, als Zeug­nis die­ser Zeit zu fun­gie­ren. Durch den geplan­ten Aus­bau des fünf­ten Voll­ge­schos­ses wür­de ein mar­kan­ter Höhen­un­ter­schied zwi­schen dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Gebäu­de und dem Gebäu­de „Pfer­de­markt 7“ begrün­det, der eine erdrü­cken­den Wir­kung zum Nach­teil des Kul­tur­denk­mals aus­lö­se und des­sen his­to­ri­sche Bedeu­tung dadurch schmä­le­re. Die Aus­sa­ge­kraft und Aus­strah­lungs­wir­kung des Denk­mals wür­den beschränkt. Da es sich bei die­sem Kul­tur­denk­mal ohne­hin um eines der weni­gen Zeit­zeug­nis­se han­de­le, die noch an die Ursprungs­form des his­to­ri­schen Pfer­de­mark­tes erin­ner­ten, kom­me die­sem als orts­prä­gen­dem Moment der Kunst­ge­schich­te ein beson­de­rer Erhal­tungs­wert zu.

Der denk­mal­wür­di­ge Wert des Anfang des 20. Jahr­hun­derts errich­te­ten Trans­for­ma­to­ren­hau­ses, das durch sei­ne außer­ge­wöhn­li­che Form­ge­bung maß­geb­lich das Erschei­nungs­bild des Pfer­de­mark­tes prä­ge, wür­de durch die Ver­wirk­li­chung des geplan­ten Vor­ha­bens eben­falls in nicht mehr hin­nehm­ba­rer Wei­se beein­träch­tigt. Das beson­de­re Erschei­nungs­bild des Trans­for­ma­to­ren­hau­ses wer­de durch die der­zeit bestehen­de Bebau­ung begüns­tigt, da die schrä­ge Bebau­ung des drit­ten Ober­ge­schos­ses in sei­ner geneh­mig­ten Höhe die Dach­hö­he des Trans­for­ma­to­ren­hau­ses nur gering­fü­gig über­schrei­te, sodass sich die Dach­schrä­gen har­mo­nisch anein­an­der anfüg­ten. Im Gegen­satz hier­zu wür­de die begehr­te Erwei­te­rung des zurück gesetz­ten Pent­houses zu einem voll­stän­di­gen Voll­ge­schoss zu einer für das Erschei­nungs­bild des Trans­for­ma­to­ren­hau­ses erdrü­cken­den Wir­kung füh­ren, die sei­ner Bedeu­tung als Kul­tur­denk­mal wider­spre­che.

Ins­be­son­de­re das Kul­tur­denk­mal „Pfer­de­markt 7“, aber auch das „Trans­for­ma­to­ren­haus“, wür­den durch das Bau­vor­ha­ben in ihrem Erschei­nungs­bild der­art beein­träch­tigt, dass die Eigen­tü­mer­inter­es­sen hin­ter den Denk­mal­schutz­be­lan­gen zurück­tre­ten müss­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 29. Janu­ar 2020 – 5 K 3500/​19.TR