Ein Giro­kon­to für Pro Deutsch­land?

Eine Spar­kas­se kann einem Lan­des­ver­band einer Par­tei die Ein­rich­tung eines Giro­kon­tos nicht ver­wei­gern, wenn bereits ande­re Lan­des­ver­bän­de dort ein Kon­to füh­ren. Die­sem Anspruch auf Gleich­be­hand­lung steht auch eine kri­ti­sche Mei­nungs­äu­ße­rung des Lan­des­vor­sit­zen­den der Par­tei an der Spar­kas­se nicht ent­ge­gen.

Ein Giro­kon­to für Pro Deutsch­land?

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Ber­li­ner Lan­des­ver­ban­des der Bür­ger­be­we­gung Pro Deutsch­land, die bei der Ber­li­ner Spar­kas­se seit 2010 ein Giro­kon­to eröff­nen woll­te. Die Spar­kas­se hat­te dies ohne Begrün­dung abge­lehnt. Im März 2011 hat­te die Par­tei ver­geb­lich die Eröff­nung eines „Spen­den­kon­tos“ für Opfer eines Ter­ror­an­schlags in Isra­el bean­tragt. Der dama­li­ge Lan­des­vor­sit­zen­de der Par­tei hat­te dies zum Anlass genom­men, die Spar­kas­se im Inter­net hef­tig zu kri­ti­sie­ren. Dies führ­te zu zustim­men­den Kom­men­ta­ren, die der Spar­kas­se Anti­se­mi­tis­mus vor­war­fen. Die Par­tei hat Kla­ge erho­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts darf der Par­tei das Kon­to nicht ver­wei­gert wer­den – wie es bereits im Eil­ver­fah­ren ent­schie­den hat­te 1. Damit bestä­tig­te das Ver­wal­tungs­ge­richt die Ent­schei­dun­gAls nicht ver­bo­te­ne Par­tei habe der Lan­des­ver­band einen Anspruch auf Gleich­be­hand­lung mit ande­ren poli­ti­schen Par­tei­en. Da auch ande­re Lan­des­ver­bän­de poli­ti­scher Par­tei­en Giro­kon­ten bei der Ber­li­ner Spar­kas­se führ­ten, müs­se die Par­tei ent­spre­chend behan­delt wer­den. Auch in der Gesamt­schau könn­ten die von der Beklag­ten ange­führ­ten Grün­de hier­an im Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung nichts ändern. Die inzwi­schen gelösch­te Äuße­rung des ehe­ma­li­gen Lan­des­vor­sit­zen­den habe sich noch im Rah­men einer straf­lo­sen Mei­nungs­äu­ße­rung bewegt, und ande­re Äuße­run­gen sei­en der Klä­ge­rin nicht zuzu­rech­nen. Gering­fü­gi­ge Über­zie­hun­gen des vor­über­ge­hend ein­ge­rich­te­ten Kon­tos sei­en uner­heb­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 30. März 2012 – 2 K 118.11

  1. VG Ber­lin, Beschluss vom 21.04.2011 – 2 L 69.11[]