Ein nicht all­ge­mein zugäng­li­ches Gebäu­de – und der Zutritt für Jour­na­lis­ten

Nach dem Ber­li­ner Pres­se­ge­setz haben Jour­na­lis­ten kein Recht, sich nicht all­ge­mein zugäng­li­che Infor­ma­tio­nen der Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten selbst zu ver­schaff­ten. Viel­mehr kön­nen nur die Mit­tei­lung kon­kre­ter Tat­sa­chen bezo­gen auf einen bestimm­ten Sach­ver­halt ver­langt wer­den. Auch aus dem Grund­recht auf Pres­se­frei­heit ergibt sich kein Recht auf Eröff­nung einer Infor­ma­ti­ons­quel­le.

Ein nicht all­ge­mein zugäng­li­ches Gebäu­de – und der Zutritt für Jour­na­lis­ten

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Eil­an­trag einer Tages­zei­tung, die den Zutritt zu einem ehe­ma­li­gen Schul­ge­bäu­de begehrt hat, um Infor­ma­tio­nen über die sich dort befin­den­den Flücht­lin­ge zu erhal­ten. Die ehe­ma­li­ge Ger­hard-Haupt­mann-Schu­le in Ber­lin-Kreuz­berg wur­de nach Ein­stel­lung des Schul­be­triebs als Schul­ge­bäu­de ent­wid­met und befin­det sich im Finanz- bzw. Ver­wal­tungs­ver­mö­gen des Bezirks­amts. Seit Anfang Dezem­ber 2012 sind das Grund­stück und das auf­ste­hen­de ehe­ma­li­ge Schul­ge­bäu­de von Flücht­lin­gen besetzt. Nach­dem die Mehr­heit das Gebäu­de zwi­schen­zeit­lich ver­las­sen hat, hal­ten sich noch ca. 40 Per­so­nen dort auf. Das Bezirks­amt ver­wei­gert ande­ren Per­so­nen ein­schließ­lich Pres­se­ver­tre­tern, die sich über die Lage der Flücht­lin­ge infor­mie­ren wol­len, den Zugang zum Gebäu­de.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin aus­ge­führt, dass nach dem Ber­li­ner Pres­se­ge­setz nur die Mit­tei­lung kon­kre­ter Tat­sa­chen bezo­gen auf einen bestimm­ten Sach­ver­halt ver­langt wer­den kön­ne; das Gesetz gebe aber kein Recht dar­auf, dass sich Jour­na­lis­ten nicht all­ge­mein zugäng­li­che Infor­ma­tio­nen der Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten selbst ver­schaff­ten. Das Grund­stück und die dort erlang­ba­ren Infor­ma­tio­nen sei­en aber nicht all­ge­mein zugäng­lich. Der Antrags­geg­ner habe als Eigen­tü­mer des Grund­stücks sein Haus­recht rechts­feh­ler­frei dahin aus­ge­übt, Ver­tre­tern der Pres­se zur­zeit kei­nen Zutritt zum Grund­stück zu gestat­ten. Aus dem Grund­recht auf Pres­se­frei­heit fol­ge eben­so kein Recht auf Eröff­nung einer Infor­ma­ti­ons­quel­le.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies den Eil­an­trag der Tages­zei­tung zurück. Die Antrag­stel­le­rin habe kei­nen Zutritts­an­spruch.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 27. Juni 2014 – VG 27 L 274.14